Gedenken an 17 Grubenopfer
Geschrieben von: Karlheinz Bohnmann   

Bildhauer aus Soest schuf Bergmannsdenkmal

Während die Helden- und Kriegerdenkmale, über die in dieser Serie berichtet wurde, nach dem 2. Weltkrieg „entmilitarisiert“ und – zumindest in der verbalen Darstellung – zu besser in die Zeit passenden Mahnmalen wurden, so ist ein Denkmal in seiner Bedeutung immer unverändert geblieben: Das für die Bergleute, die am 15. Juni 1935 in 750 Meter Tiefe durch eine Schlagwetter-Explosion im „Wattenscheider Sattel“ des Flözes „Ida“ der Zeche „Adolf von Hansemann“ ihr Leben verloren.
Die Detonation hatte sich um 10.45 Uhr ereignet. Bei dieser schwersten Katastrophe, die der Bergbau in Mengede erlebt hatte, konnten zehn verunglückte Kumpel nur noch tot aus dem Schacht geborgen werden, 27 weitere Bergleute wurden so schwer verletzt, dass sieben von ihnen später ebenfalls verstarben.
Die zehn in der Grube getöteten Bergleute wurden bereits am Abend des Unglückstages in der schwarz ausgeschlagenen Lohnhalle der Zeche aufgebahrt. Die Särge waren mit Kränzen aus Rosen und mit Fahnentüchern geschmückt. Außerdem hatte man das Gebäude auch von außen mit den Fahnen des „Dritten Reiches“ dekoriert.
Überhaupt nutzten die Nationalsozialisten das tragische Unglück, das nicht nur die Mengeder Bevölkerung erschüttert hatte, zu einer pompösen Propaganda-Schau. Zu der Trauerfeier waren u. a. neben dem damaligen NS-Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley (Chef der Arbeitsfront) der Vetter des preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring (in dessen Namen er sprach) und zahlreiche andere Nazi-Größen nach Mengede gekommen.
Die Särge wurden in einem langen Trauerzug, bei dem SS (sie regelte auch den Ablauf der Trauerfeier) und Arbeitsfront Spalier stand, durch die mit über 300 mit Fahnen und Trauerfloren dekorierten Straßen vom Zechengelände zum evangelischen Friedhof geleitet. Die Beisetzung erfolgte in einem Gemeinschaftsgrab, das Bergleute der Zeche für ihre verunglückten Kumpel ausgehoben hatten.
So monumental wie die Trauerfeier musste - dem Geschmack des „Dritten Reiches“ entsprechend - auch das Denkmal ausfallen, das ein Jahr später, am 18. Juli 1936, am Rand des Grabfeldes aufgestellt wurde. Es stellt einen Bergmann aus Bronze dar, der seine Kopfbedeckung an den Körper drückt und eine Grubenlampe in der Hand hält. Geschaffen wurde die Figur von dem Bildhauer Wilhelm Wulf aus Soest. Dieser verstarb 1980 im Alter von 89 Jahren. Mitgestalter der Grabstätte, auf deren Ruhrsandstein-Platten die Namen der Grubenopfer verewigt sind, war der Essener Architekt Schupp.
Für Wilhelm Wulf war das Bergmanns-Denkmal übrigens nicht der einzige Auftrag aus Mengede. Von ihm stammt auch das 1941 an der Seitenfront der Lohnhalle der früheren Zeche „Adolf von Hansemann“ angebrachte „Krieger-Denkmal“

 
 
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