Grisemännken im Groppenbruch
Geschrieben von: Franz H. Veuhoff   

Der Gruppenbrucher Heimatforscher Alois Risse war ein gern gesehener Besucher in der Werkstatt meines Großvaters und ich war ein dankbarer Zuhörer, wenn es in den Gesprächen um die Geschichten und Sagen unserer Heimat ging. Von den vielen Erzählungen ist mir besonders die vom „Grisemännken“ in Erinnerung geblieben. Diese Sagengestalt hauste in einem verfaulten Baum, der in einem schmalen Wasserlauf, der sein Wasser zum Groppenbach führte, lag. Diesen Baum nannte man den „Grisemännkenbaum“ und von hier aus trieb der Kobold gern seinen Schabernack mit den Menschen. Abgerundet wurde dieser Platz durch die Natur, die im Umfeld des „Grisemännkenbaumes“ fast täglich Nebel aufsteigen ließ. Der Wasserlauf war Teil einer Ackerfläche im „Epsloh“, in unmittelbarer Nähe des Kampmannschen Hofes in Groppenbruch an der Königsheide.
Der Spökenkieker Brinker, ein Nachbar Kampmanns auf Waltroper Gebiet, wollte das „Grisemännken“ oft gesehen haben. Es sei ein kleines graues Männchen mit einem langen Bart gewesen, das aber keine Beine gehabt habe. Es sei immer über dem Erdboden oder dem Kornfeld geschwebt.
Einer erzählte, er wäre öfter abends beim Bauer Kampmann zu Besuch gewesen. Auf dem Heimweg hätte er am „Grisemännkesbaum“ vorbei müssen. Jedes Mal wäre er dann ganz weich in den Knien geworden und hingefallen. Auch beim Pflügen hätte es immer dreingeredet wusste ein anderer. Rief der Bauer den Pferden „Hüh! (Halt) oder „Har!“ (Links) zu, dann hätte das „Grisemännken“ „Hopp!“ (Los) oder „Hott“ (Rechts) gerufen und umgekehrt. Und gar unmöglich wäre es gewesen, den Graben mit zwei Eimern Wasser zu überspringen ohne das Wasser zu verschütten. Andere sagten, man hätte auch nicht mit einem Eimer hinüber gekonnt.
Risse, auch begeisterter Archäologe, ließ insbesondere die Ortsbeschreibung in den Überlieferungen keine Ruhe und nach seinen Aufzeichnungen hat er im Frühjahr 1924 an der besagten Stelle gegraben und war tatsächlich auf Reste von einem verfaulten Baume gestoßen. Heute ist von dem märchenhaften Baum nichts mehr zu sehen und das „Grisemännken“ für immer verschwunden. Das inzwischen aufgeschüttete Bett des kleinen Wasserlaufes ist aber nach Aussage des Bauern Josef Kampmann noch gut zu erkennen, wenn der Pflug seine jährliche Arbeit frisch getan hat.


Quellen:
Alois Risse: „Groppenbruch“, in Festausgabe der Mengeder Zeitung zur 1000-Jahr-Feier Mengedes
Mündliche Überlieferungen und Gespräch mit Herrn Josef Kampmann


 
 
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