Der tüchtige Prediger aus Wischlingen oder der verhinderte Pfarrer von St. Remigius Mengede
Geschrieben von: Paul Gausepohl   

Nach einer alten Mengeder Kirchenchronik ist die Reformation etwa 1590, vielleicht aber noch viel früher, nach Mengede gekommen. Die Chronik berichtet weiter, dass damals nur drei Häuser in Mengede katholisch geblieben sind. Die evangelisch-lutherische Gemeinde war anfangs mit einem Pfarrer besetzt, bis 1605 die Erben des verstorbenen Gerd von Bodelschwingh eine Vikarie stiftete, woraus später die zweite Pfarrstelle geworden ist. Im Jahr 1739, als Wessel Theodor Hausemann Pfarrer von Mengede war, trat der 2. Pfarrer Johann Schulte, geboren in Lindenhorst, nach 53 Jahren segensreicher Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Um diese Stelle hatte sich ein junger, in Dortmund geborener Geistlicher namens Johann Franz Fley beworben, der als tüchtiger Prediger in der zu Haus Wischlingen gehörenden Schlosskapelle bekannt war. Um aber die Pfarrstelle in Mengede antreten zu können, benötigte Fley noch ein Zeugnis, das er sich an der Universität in Halle beschaffen musste. Zu diesem Zweck machte sich Fley auf die Reise zur Stadt an der Saale. Es war die Zeit, als in Preußen der vielgehasste Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. regierte. Seine Werbeoffiziere durchstreiften damals halb Europa, um mit List, Druck oder Zwang Soldaten für die preußische Armee anzuwerben. Ihre Methoden kamen häufig eher einem gemeinen Menschenraub gleich als einer Werbung. Besonders auf hochgewachsene Männer für die königliche Garde hatten es die Werber abgesehen. Als nun der Prediger Fley aus Wischlingen nach Halle kam, fiel er dort preußischen Werbern durch seine Körpergröße sogleich auf. Sie überwältigten ihn auf offener Straße, und er wurde zum Militärdienst gezwungen. Der so jäh aus seiner Bahn gestoßene Geistliche versuchte nach mehr als zwei Jahren, durch eine gereimte Bittschrift an König Friedrich II., den Nachfolger des Soldatenkönigs, seine Freiheit wiederzugewinnen. Es war ein langes wehmütiges Gedicht, das in seine beiden letzten Strophen lautete:

Gnadenreicher Friederich! 
Wann hat sich ein Tag geneiget, 
Da Du keine Huld erzeiget! 
O daß gleiches Los mir fiel! 
Keine Trägheit, keine Schande 
Noch verrückte mir das Ziel. 
Mein Gehorsam gegen Dich 
Ließ zu Halle Deinen Knecht
Freiheit, Amt und Hoffnung missen, 
Drum wird Deine Güte mir 
Väterlich zu helfen wissen, 
Gnadenreicher Friederich!
Friederich! 
Ja, ich schwöre bei dem Leben, 
Das der Höchste Dir gegeben, 
In der Treue zu bestehen. 
Kanzel und Altar soll zeugen, 
Wie sich meine Kniee beugen, 
Täglich für Dein Heil zu flehen. 
Sprich doch aus Erbarmen, sprich: 
Fley, Dir soll man wiederum 
Einen Priesterrock anmessen. 
Solches wird mein Herz und Mund 
Nimmer, nimmermehr vergessen, 
Ewigwerter Friederich!


Doch der große „ewigwerte“ Friederich ließ den armen Fley noch mehr als fünf Jahre im „Korps der langen Kerle“ dienen, bis er ihn endlich vom Militärdienst erlöste. Der König ernannte ihn gnädigst zum Feldprediger in der preußischen Armee. Nach Wischlingen oder nach Mengede ist Johann Franz Fley allerdings nie wieder zurückgekommen.



Quellen:
Albrecht Stenger I, Evangelische Kirche, in: Heimatverein Mengede, Festschrift tausend Jahre Mengede, Dortmund 1928, Seiten 39 – 48
Walter Gronemann, Das Dortmunder Sagenbuch, Essen 1994



 
 
eXTReMe Tracker