Heimatblätter 22 - 30. Juni 2008

Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 22
30. Juni 2008
7. Jahrgang
EP 0,50 Euro




Liebe Leser,

unser Tagesausflug liegt bereits hinter uns aber vor uns liegen die „Bodelschwingher Festtage“. Alle erwarten gemütliche Kirmestage und unsere Bodelschwingher haben eine Ausstellung vorbereitet, die wieder sehenswert ist. Schauen Sie mal rein ins ev. Gemeindehaus. Die Eröffnung ist Freitag, 18.00 Uhr und an allen Kirmestagen bietet sich die Gelegenheit, anhand der Bilder die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. Die Organisatoren freuen sich über Ihren Besuch.

Schöne Stunden in Bodelschwingh und einen schönen Sommer wünscht Ihnen

Ihre Redaktion

Die Themen dieser Ausgabe: • Tagesausflug 2008
• Jahreshauptversammlung2008
• 25 Jahre Maibaumfest
• 4. Musikfestival im Stadtbezirk
• Denkmalserie (8)
• Sagen und Legenden (4)
• Wie kommt eine „englische“ Grabplatte zur evangelischen Kirche Bodelschwingh?
• Impressum




Tagesausflug ins Sauer- und Waldeckerland

Mehr als 50 Mitglieder des Heimatvereins haben am Sonntag (22.06.) den vom Organisations-Team um Wilfried Jürgens geplanten Jahresausflug nach Brilon, Bad Arolsen und Mengeringhausen teilgenommen. Wegen der frühen Abfahrt (8.00 Uhr!!!) wurde die bei Bilderbuchwetter gestartete Anfahrt kurz unterbrochen, um einen von Otto Buschmann, in Form von warmen Wurstbrötchen, vorbereiteten Imbiss einzunehmen. 


In Brilon stand dann ein geführter Stadtrundgang durch die historische Altstadt auf dem Programm. Eine Besonderheit war die Besichtigung der im 13. Jahrhundert erbauten Propsteikirche, mit einem 63 m hochragenden Turm als Wahrzeichen der Stadt. Dieser Turm diente früher den Stadtverordneten und Gilden als Versammlungslokal sowie dem Nachtwächter als Beobachtungsturm. Nach einem reichhaltigen Mittagessen im Panorama-Restaurant des Sozialverbandes NRW in Brilon ging die Fahrt weiter nach Bad Arolsen, wo das Residenzschloss der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont besucht wurde. 
Das in der Zeit von 1710 bis 1810 erbaute Barockschloss enthält die Hofbibliothek und die Sammlung Brehm sowie diverse Ausstellungen, der Rest wird von der fürstlichen Familie bewohnt. 
In Mengeringhausen wurde zunächst das Heimatmuseum aufgesucht. Dieses in einem 4-geschossigen diemelsächsischen Ackerbürgerhaus aus dem Jahre 1666 untergebrachte Museum enthält eine umfangreiche Sammlung aus der örtlichen Handwerks- und Kunstgeschichte, aus Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Gesundheitswesen sowie aus der Stadt- und Garnisonsgeschichte. Diese beeindruckende Sammlung mit zahlreichen Exponaten und Zeitzeugnissen der Vergangenheit hat bei allen Teilnehmern imponierende Eindrücke hinterlassen und viele alte Erinnerungen wachgerufen. Nach einem kurzen Stadtrundgang, bei dem uns eine Fülle historischer Fachwerkhäuser, das Rathaus und verschiedene Brunnen vorgestellt wurden, folgte noch die Besichtigung der im 14./15 Jahrhundert erbauten Gotischen St. Georgs- Kirche mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem schiefen Turm. Den Abschluss bildete ein gemütliches Beisammensein mit einem „Hausmacher Imbiss“ und einem leckeren Glas Bier in der „Luisen Mühle“ in Mengeringhausen, bevor wir nach einem erlebnisreichen Tag mit vielen neuen Eindrücken die Heimreise antraten, wobei uns unterwegs heftige Gewitter und Unwetter begleiteten.

Paul Gausepohl






Jahreshauptversammlung 2008

Die unter der Leitung des Vorsitzenden Paul Gausepohl durchgeführte, und von 70 Mitgliedern gut besuchte Versammlung fand im Pfarrgemeindesaal der kath. Remigiusgemeinde statt. Nach einem Grußwort des Hausherrn, Pfarrer Hubertus Werning, erstattete Wilfried Jürgens den Geschäftsbericht. Der altersbedingt aus dem Amt scheidende Geschäftsführer ließ noch einmal die wichtigsten Veranstaltungen 2007 – Vereinsjubiläum, Maibaumfest, Musikfestival, Jahresausflug, Sommerfest, Michaelismarkt, Nikolausmarkt und Krippenausstellung – Revue passieren und lobte das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder bei der Durchführung dieser Veranstaltungen. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Engagement auch weiterhin dem Verein und damit dem Gemeinwohl entgegengebracht werde. Paul Gausepohl trug in seinem Vorstandsbericht die Gründung der Arbeitsgruppe Bodelschwingh/Westerfilde im Heimatverein Mengede sowie den Stand der Verhandlungen zur Verwaltung und Bewirtschaftung des Mengeder Saalbaues vor und lobte seinerseits den guten Vereinsgeist des Vorstandes sowie der Vereinsmitglieder. Den Kassenbericht erstattete die Schatzmeisterin Sabine Surmann, den Bericht der Kassenprüfer Wilhelm Hüppe, der auf Grund der Prüfung die Entlastung des Vorstandes beantragte, die einstimmig von der Versammlung erfolgte. 

Die Wahlen zum Vorstand eröffnete der Vorsitzende mit dem Dank an die ausscheidenden Mitglieder Helmut Palm (2.Vors.), Wilfried Jürgens (Gesch.-Führer) und Dieter Pässler (2. Schatzmeister). Ihre langjährige Vorstandsarbeit und ihr großer persönlicher Einsatz haben wesentlich zum Erfolg des Vereins in den vergangenen Jahren beigetragen. Nach den Wahlen, zu denen Dr. Herbert Wörmann als Wahlleiter aufgerufen hatte, setzt sich der neue Vorstand wie folgt zusammen: Paul Gausepohl 1. Vors., Jürgen Karlshaus und Gert Obermeit, stellvertretender Vorsitzende, Harry Valerius, Geschäftsführer, und Sabine Surmann, 1. Schatzmeisterin. Dem erweiterten Vorstand gehören an: Margret Fromme, Schriftführerin, Ingrid Westphal, 2. Schatzmeisterin, Otto Buschmann, 2. Geschäftsführer, Friedhelm Stolle, Musik und Kultur und für Sonderaufgaben bleiben Helmut Palm und Wilfried Jürgens zur Verfügung. Wilhelm Hüppe und Ursula Rudat übernehmen die Kassenprüfung. Zum Abschluss stand der Jahresplan 2008 zur Diskussion. Nach Abschluss der Regularien zeigte Herr Kämmer vom Heimatverein Holthausen einen Tonfilm über die heimische Natur und Tierwelt im Jahresablauf, der mit großem Beifall aufgenommen wurde.

Paul Gausepohl








25 Jahre Maibaumfest

Erneut Fußballer-Emblem angeschraubt

Mai kühl und nass füllt zwar dem Bauern laut Volksmund-Weisheit „Scheun und Fass“, aber beim Maifest auf dem Markt, das in diesem Jahr übrigens sein Silberjubiläum feierte, hätte man gern auf die Regen-Einlagen verzichtet. 
Das Programm verlief wieder nach bewährtem Muster: Musikalisch begleitet vom Fanfarenzug Wickede wurden der Kranz mit den Handwerker-Emblemen und die Birke, die den Maibaum krönt, vom „Winterlager“ auf dem Firmenhof Walter Böhle an der Molkereistraße, abgeholt und mit Hilfe eines Kranwagens der Firma Giese an der Spitze des 18 Meter hohen Stammes befestigt.
Heimatverein-Vorsitzender Paul Gausepohl wies in einer kurzen Ansprache auf den bis in vorchristlicher Zeit zurückgehenden Brauch der Mai-Feste und auch auf deren Bedeutung als „Tag der Arbeit“ (seit 1886) hin. Für die Bezirksvertretung Mengede sprach Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar. 
Neu an den Mai-Baum geschraubt wurde das Emblem des Fußballvereins „Mengede 08/20“, der übrigens schon vor fünf Jahren einmal „Maibaum-würdig“ war. Der Verein, aus der Fusion des TBV und der DJK Spielvereinigung hervorgegangen, feiert in großem Rahmen „100 Jahre Fußball in Mengede“.
Vize-Vorsitzender Michael Schulz stellte das umfangreiche Programm vor, zu dem neben viel Fußball u. a. auch eine Jubiläums-Gala gehört, die am 25. Oktober in der ehemaligen Kaue der früheren Zeche „Adolf von Hansemann“ stattfindet. 
Unterhaltsames steuerten danach der aus Russland-Deutschen bestehende Gemischte Chor „Heimatliebe“, der natürlich auch den Wonnemonat musikalisch begrüßte („Grüß Gott, du schöner Mai …“) sowie der Kindergarten „Sterntaler“ und der Senioren-Tanzkreis Mengede bei. Musikalischer Dauerbegleiter war auch in diesem Jahr wieder Willi Schlicht mit seiner Elektro-Orgel.
Außerdem präsentierte der Mengeder Gewerbeverein seine Mai-Königin. Gewerbevereins-Vorstandsmitglied Dieter Nolte hatte die 21-jährige Olga Düner, Kauffrau für Büro-Kommunikation, vorgestellt, die am Vorabend beim „Tanz in den Mai“ gewählt worden war. Sie verteilte Rosen an die Besucher.

Karlheinz Bohnmann





4. Konzertfestival im Stadtbezirk

Landtagspräsidentin lobte Festival
Vierstündiges Konzert auf „Hansemann“ begeisterte Musikfreunde

Strahlender Sonnenschein und die Vorfreude auf viel Gesang und Musik lockten diesmal weit mehr als 500 Zuhörer zum „4. Konzertfestival im Stadtbezirk Mengede“, das wieder in der ehemaligen Kaue der Zeche „Adolf von Hansemann“ (und auch im Freien) stattfand. Prominente Zuhörerin war übrigens NRW-Landtagspräsidentin Regina van Dinther.Die Schirmherrin der wieder vom Heimatverein Mengede veranstalteten Musikgala ist selbst aktive Sängerin und bekam Sonderbeifall, als sie bekannte, dass sie bereits im Alter von 16 Jahren Vorstandsmitglied in einem Männerchor war. Den Mengeder Musik-Marathon bezeichnete sie als „ein Fest der Bürger für Bürger“, als „Fest der Fröhlichkeit“ und als „ein Kulturereignis, das inzwischen über die Stadtgrenzen hinaus“ zu einem Begriff geworden ist. 
Die Politikerin beließ es übrigens nicht beim meist üblichen Pflichtkurzbesuch, sondern begeisterte sich bis zum Schluss an dem vierstündigen Programm. Das Musikfestival war übrigens für sie auch eine Art „Heimspiel“ und deshalb nicht ihr erster Besuch auf „Hansemann“, denn sie hat in Mengede Verwandte (Familie Geilenbrügge) wohnen und ihr Urgroßvater war auf der früheren Zeche Obersteiger.
Insgesamt Elf Chöre und vier Musikgruppen - erstmals nicht nur aus dem Stadtbezirk Mengede, sondern auch aus Huckarde und Frohlinde - gaben unter besten akustischen Bedingungen (und von Paul Gausepohl hervorragend vorgestellt) ihre musikalischen Visitenkarten ab. Sie begeisterten (u. a. auch auf  Englisch und in Russisch) mit einem abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programm, das aus Volksliedern, Opern, Musicals, Spirituals und aus Adaptionen bekannter Schlager bestand. Für Auflockerung im musikalischen Reigen sorgten die Instrumentalgruppen. Allen Akteuren kann übrigens ausnahmslos hervorragende Leistungen bescheinigt werden kann. Da capo!

Zum Schluss gab es eine noch eine Hommage an die Bergbau-Vergangenheit der ehemaligen Zeche, als die Zuhörer gemeinsam das Steiger-Lied sangen.

Karlheinz Bohnmann




Denkmalserie (8)

Groppenbrucher Mahnmal musste mehrfach „wandern“

Findling erinnert an Kriegsgefallene

Gleich mehrfach in seiner 71-jährigen Existenz hatte das Ehrenmal (heute: Mahnmal) an der Königsheide in Groppenbruch seinen Standort wechseln müssen. Erstmals hatte man schon 1925 über eine Verlegung diskutiert. 1938 wurde diese Maßnahme dann durch die Begradigung der Königsheide notwendig, weil das Ehrenmal plötzlich zu weit im Abseits stand. Aber das sollte nicht der letzte „Umzug“ bleiben: 1972 musste das Ehrenmal erneut seinen Standort wechseln. Diesmal stand es der Verbreiterung der Autobahn im Weg.


Denkmal, Feuerwehrturm- und gerätehaus noch am alten Standort 
in Groppenbruch, links der Königsheide (1926)
Eingeweiht wurde das Ehrenmal übrigens am 11. Juni 1927 im Rahmen des Silberjubiläums des früheren MGV Einigkeit Groppenbruch, der übrigens noch einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden und Konzerte gegeben hatte, ehe er aufgelöst wurde. 
Der Gedanke, ein eigenes Denkmal zur Erinnerungen an die – wie es damals hieß – „für Volk und Vaterland gestorbenen Helden“ zu errichten, erfolgte auf Wunsch der Groppenbrucher Bevölkerung, die durch Spenden auch das Geld für die Finanzierung aufbrachte. Natürlich war zuvor ein Ehrenmal-Ausschuss gebildet worden.
Das Grundstück stellte der Landwirt Wilhelm Menken zur Verfügung. Die Hauptbauarbeiten leistete die Groppenbrucher Feuerwehr. Sie karrte 110 Pferdewagen mit Sand heran, der anschließend natürlich auch von den Wehrmännern planiert wurde, den Sand stiftete Hugo Schween (Gut Schulte-Rödding). Von seinem Grundstück stammte auch der drei Tonnen schwere Findling, der als Gedenkstein dient.
Die feierliche Enthüllung des Denkmals nahm der damalige Amtmann (Bürgermeister) des damals noch selbstständigen Mengede vor. Er betonte: „Schlicht und einfach nach der Sitte der Vorfahren soll ein Findling aus heimischer Erde die Toten ehren.“ Und fest wie der Stein aus heimischer Erde sei auch „die Liebe der Gefallenen zu ihrer Heimat und ihrem Vaterland“ gewesen. Gemeindevorsteher Ludwig Schulte-Stadthaus dankte anschließend allen, die die Errichtung des Ehrenmals ermöglicht hatten, das „schlicht, aber höchst wirkungsvoll mit dem Eisernen Kreuz geschmückt“ war.
In die Mauer aus Sandsteinen waren - flankiert auf beiden Seiten von steinernen Sitzbänken - Tafeln mit den Namen der gefallenen Groppenbrucher und Schwieringhauser Soldaten (22 im Ersten und 36 im Zweiten Weltkrieg) eingelassen. 1992 wurden die Gedenktafeln durch neue ohne Namen ersetzt. Die Liste der Gefallenen existiert auch noch. Sie wurde - auf Pergament geschrieben - in das Denkmal eingemauert.
Karlheinz Bohnmann




Sagen und Legenden (4)

Der Emschermann und sein erstes Pferd
Nachdem Christus der Herr auf seinem Wege durch das Emschertal den Emschermann aus einem Erdklumpen erschaffen hatte, richtete sich dieser naturwüchsige Mensch in einer einfachen Blockhütte ein und lebte dort bescheiden und von den Gaben der Natur.
An einem schwülen Sommernachmittag konnte der Emschermann in seiner Hütte nicht mehr aushalten und es zog ihn hinaus an die Emscher, Dahin, wo die Heide den Wald streift und er legte sich in den wohltuenden Schatten einer mächtigen Eiche ins blühende Heidekraut. Sinnend lag er auf dem Rücken und schaute hinauf ins Himmelblau. Bald bemerkte er in Richtung Sonnenuntergang ein dunkles Wölkchen aufsteigen, dann dunkle, weißgeränderte Wolken. Immer näher zogen sie zu ihm heran.
Horch, was ist das? Rollt und grollt das nicht da oben in weiter Ferne? Und fuhr nicht in rasender Schnelligkeit ein Lichtschein am Himmel im Westen dahin? Und näher heran zum Emscherbruch kams, zuerst wie sanftes, lindes Sausen, dann wie mächtiges, gewaltiges Brausen. Der Emschermann schnellte empor von seiner Lagerstätte und sah und hörte nach dem Seltsamen dort oben. Immer greller wurde das plötzlich aufspringende Leuchten, immer heftiger das Rollen und Grollen. Die Bäume des Waldes stimmten schwer ächzend in das große Sausen und Rauschen und Brausen mit ein. Fröhlicher Vogelsang war verstummt. Dafür hörte man wohl ängstliches Zwitschern oder angstvolles Kreischen und Krächzen der Waldvögel. Es schien, als ob der ganze Emscherwald zerbrochen, zerschmettert und vernichtet werden sollte. Der Emschermann, der so Gewaltiges noch nie gesehen und gehört hatte, verwunderte sich schier und stand in tiefer Ergriffenheit ob 1 dieses Naturgeschehens da, den Blick nach oben gerichtet.
Bald sah er etwas herabsausen. Es war der Sturmgott auf gewaltigem Ross. Mit seinen Hufen schlug es Feuerstrahlen, die das Auge fast blendeten, aus den schwarzen Wolken, und Feuer schnob es aus seinen Nüstern. Und des Rosses Hufe stampften auf, dass die Luft dröhnte und der Wald wie vor Verzweiflung ächzte. Und der dahineilende Leib des Rosses spaltete geräuschvoll die Luft. Ein angeschlagener Funke fiel hernieder auf die große Eiche, neben welcher der Emschermann stand, und traf ihren Wipfel und spaltete sie wie mit einem einzigen furchtbaren Axtschlag, so dass die beiden Hälften krachend auf den Boden schmetterten. Ernst und freudig zugleich ward der Emschermann gestimmt, und heiliges Erschauern und inneres Erbeben weiteten seine Brust. Da stand er, die Nerven gespannt und die Muskeln gestrafft, hob wie verzückt beide Hände hoch empor zum Sturmgott und bat inbrünstig: „Schenke mir doch auch ein Pferd wie das deinige, gewaltiger Sturmgott, das mit so mächtigem Rauschen und Poltern durch die Lüfte fährt, das Funken sprüht und dessen Atem so erbraust ... Das wäre für mich eine Lust, o Sturmgott!“
Der Sturmgott aber erwiderte, „Was du erbittest, möchte nicht gut sein für dich. Denn bedenke: ein solches Pferd vermöchtest du nicht zu bändigen und zu regieren. Sahst du nicht, wie ein einziger Funke, geschlagen von des Rosses Huf, die Rieseneiche fällte, unter der du vorhin lagst? Hätte der Strahl dich getroffen, dann wärest du tot, du lägest jetzt entseelt am Boden.“
Der Emschermann aber wusste nichts von einer Seele, auch kannte er den Tod nicht. „Aber“, fügte da der Sturmgott hinzu, „ein Pferd will ich für dich erschaffen, das für dich angemessen ist.“ „0 mächtiger Sturmgott“, sprach da der Emschermann, „du weißt wohl besser, was mir frommt, und so bitte ich dich: gib mit ein solches Pferd!“ „Dein Wunsch und Wille geschehe“, sprach da der Sturmgott. Und alsbald setzte er in den Emscherbruch das Wildpferd. An diesem konnte der Emschermann seine Kraft und seinen Mut, seine Behändigkeit und Geschicklichkeit erproben. Und der Emschermann stand wieder gestrafft da, legte seine Hände auf seine Brust, hob sein Angesicht abermals zum Sturmgott empor und sprach mit bewegter Stimme: „Ich danke dir für das köstliche Geschenk.“ Der Sturmgott sprach: „Höre, was ich dir verkünde: „Wenn Hunderte und Aberhunderte von Menschengeschlechtern dahingegangen sein werden, dann wird ein neues Geschlecht Blitze erzeugen und Blitze auffangen, es wird ein Pferd erschaffen, das schneller als ein Wildpferd ist, ja schneller als ein Vogel die Luft durcheilt.“ Mit solcher Rede wusste der Emschermann nichts anzufangen; er verwunderte sich nur ehrfürchtig.
Sein letztes Wort aber hat inzwischen der Sturmgott eingelöst. Die modernen Erfindungen in der Elektrik und Elektronik; die Entwicklungen in der Flugtechnik haben Fluggeräte wie z. B. Raketen geschaffen, die schneller als ein Vogel die Luft durcheilen.
Paul Gausepohl

Quellen:
Hubert Kurowski, Die Emscher, Essen 1993, S. 134 f
Gerd Niewerth / Jochen Stemplewski, Emschervertellkes, Essen 2004, S. 95 f. und mündliche Überlieferungen von Dr. Drees (+)





Wie kommt eine „englische“ Grabplatte zur 
evangelischen Kirche nach Bodelschwingh?

Im Gedenken an Rebecca Stoves, welche am 1. Mai 1879 aus diesem Leben geschieden ist. Sie wurde 72

Jahre alt. Im Sterberegister der ev. Noah – Gemeinde ist unter dem Jahr 1878 aufgeschrieben:
Rebecca Stoves, Mutter des Anton Stoves, Obersteiger auf Hansa, beerdigt am 4. Mai 1878 in Bodelschwingh. Rebecca Stoves, Mutter des Anton Stoves, Obersteiger auf Hansa, beerdigt am 4. Mai 1878 in Bodelschwingh.

Eine mögliche Erklärung ist:

Vermutlich hatte Georg (Anton) Stoves und seine Mutter ihren Wohnsitz in Huckarde oder Nette. In Huckarde gab es zu dieser Zeit keine ev. Gemeinde und keinen ev. Friedhof. Die evangelischen Christen gehörten zur Gemeinde in Bodelschwingh. Wenn die Mutter von Georg Stoves reformierten Glaubens war, gehörte sie zu dieser Zeit als Bewohnerin von Huckarde oder Nette zur Gemeinde in Bodelschwingh(1, 2). War sie anglikanische Christin, dann ist es wahrscheinlich, dass sie auf einem ev. Friedhof beerdigt worden ist. In dieser Zeit gab es keine andere Möglichkeit; kommunale Friedhöfe wurden erst vor der Wende zum 20. Jahrhunderts eingerichtet. Die katholischen Gemeinden verweigerten im Regelfall die Bestattung von nicht katholischen Verstorbenen. 

Die Frage, wo die Verstorbene beerdigt worden ist, lässt sich so klären: 

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts sollten die Kirchhöfe als Bestattungsort aufgegeben werden. (s. Preußisches Landrecht, 1794). 1871 wurde der Kirchhof in Bodelschwingh als Bestattungsort geschlossen und 1926 ganz eingeebnet.
Der erste Friedhof der ev. Gemeinde liegt an der Deininghauser Str. (Flurbezeichnung: Welsche Äcker). Der älteste noch vorhandene Grabstein gehört zur Familie (Bauer) Alef aus Westerfilde. Auf diesem Stein ist der Todestag eines Mitglieds der Familie Schulte Cörne mit dem Datum vom 1. April 1872 angegeben. Danach war dieser Friedhof zur Zeit der Bestattung der Rebecca Stoves schon in Gebrauch und ihr Leichnam hier bestattet.
Die Grabplatte muss also von der Deininghauser Str. zur ev. Kirche umgesetzt worden sein. Ob die Platte Teil eines größeren Grabsteins einer Familiengrabstätte war, ist z. Zt. nicht bekannt.

Auf der Suche nach dem Sohn Georg Stoves wurde in dem Register der Noah – Gemeinde im Jahr 1889 dieser Eintrag gefunden:

Georg Stoves (Engländer), Obersteiger auf Hansa, 58 Jahre, 6 Kinder, gestorben am 07. Oktober1889, Todesursache: Lungenleiden, beerdigt am 10. Oktober1889 in Bodelschwingh.
Otto-Hans Schmidt
Quellen:
August Wittkamp, 1100 Jahre.Huckarde, Seite 277, 675 Jahre Kirche in Bodelschwingh, Seite.20, Tausend Jahre Mengede, 928 – 1928, Festschrift. Seite 58, Friedhöfe (Schopohl), Artur Mämpel: Bergbau in Dortmund / Zwischen Krisen und Konkursen / die „Sieben mageren Jahre“ und ihre Überwindung 1874 bis 1882, veröffentlicht 1969, Seiten 87 bis 88. Tilo Cramm, Hansa / Westhausen, Dortmunder Bergwerke 1854 – 1980, Schriften Band 17, Hrg.: Landschaftsverband Westfalen-Lippe / Westfälisches Industriemuseum, 1997, Seite 241


Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16 - 44359 DO (0231-335629) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14 – 44359 DO (0231-337690)

 
 
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