Heimatblätter 28 - Juli 2010

Heimatblätter

Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 28 Juli 2010

9. Jahrgang

EP 0,50 Euro



Liebe Leser, 
unser Ausflug und die Bodelschwingher Kirmes sind bereits Geschichte. Nun fiebern die meisten unter uns dem Höhepunkt der Juliveranstaltungen mit dem Ende der WM entgegen und wenn das Wetter mitspielt, wird sicher mancher Garten zum Stadion. Ihnen allen wünschen wir erfreuliche Spiele und schöne Sommerwochen.

Ihre Heimatblätterredaktion


Die Themen dieser Ausgabe: • Mitgliederversammlung 2010
• Jahresausflug nach Bad Pyrmot/Schieder
• Mehr als nur ein Gebäude ,Amtshassanierung
• 4 1. Tag des Liedes
• 100 Jahre kfd St. Remigius
• Knappen feierten Juliläen
• Vom Zarenthron in den Kerker
• Max Rehfeld jetzt Direktor
• 1814: Russen zu "Besuch" in Mengede
• Emscherumbau im Stadtbezirk
• Impressum






Mitgliederversammlung 2010 des Heimatvereins


Der Vorstand hatte die Mitglieder des Vereins zum 16.04.10 zur 9. ordentlichen Mitgliederversammlung in den Saalbau Mengede eingeladen. Nach Begrüßung der Gäste (u. a. Altbürgermeister Adolf Miksch) gedachte der Versammlungsleiter Paul Gausepohl der verstorbenen Mitglieder Tido Freiherr zu Innhausen und Knyphausen, Ingrid Nolting, Erika Peuser, Regina Scherer, Karl-Heinz Westhoff und Helmut Zimmermann. 

Der Bericht des Vorstandes wurde von Gerd Obermeit für den Bereich „Vereinsveranstaltungen“, von Sabine Surmann über den Bereich „Finanzlage“ und vom Vorsitzenden Paul Gausepohl über den Bereich „Haushaltsvoranschlag 2010 und Allgemeines“ vorgetragen. Das Vereinsleben wird neben den monatlich stattfindenden Stammtischen von einer Vielzahl von Veranstaltungen (Neujahrskonzert, Osterfeuer, Maibaumfest, Tag des Liedes, Musikfestival, Jahresausflug, Bilderausstellung, Sommerfest, Michaelisfest, Schnadegang, Volkstrauertag, Krippenausstellung und Nikolausmarkt) getragen. Die Veranstaltungen erfordern nicht zahlreiche organisatorische Vorbereitungen, sondern auch ein sehr hohes Maß an persönlichem Engagement vieler Mitglieder. Der Jahresabschluss 2009 weist bei einem geringfügigen Überschuss geordnete Verhältnisse aus. Bei den Haushaltplanungen für 2010 geht der Vorstand von einem ausgeglichenen Ergebnis aus. Der Vorstand gab bekannt, dass der mit Ablauf der Probezeit zum 30.06.2010 auslaufende Kümmerervertrag „Saalbau Mengede“ gekündigt worden ist, wobei der Vorstand der Bezirksvertretung eine Verlängerung angeboten hat, wenn bestimmte Vertragsinhalte einvernehmlich geregelt werden können. Der Zeit ist davon auszugehen, dass die bisherigen „Kümmerer“ des Heimatvereins unter dem Namen „Kulturverein Mengeder Saalbau“ mit diesem Verein die Verwaltung und Vermietung des Mengeder Saalbaus übernehmen werden.

Nachdem die Kassenprüfer die Ordnungsmäßigkeit der Vereinsbuchführung festgestellt und geordnete wirtschaftliche Verhältnisse des Vereins bestätigt hatten, wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Bei den Wahlen zum Vorstand wurde der Vorsitzende Paul Gausepohl, seine Stellvertreter Jürgen Karlshaus und Ursula Pöpping, der Geschäftsführer Gerd Obermeit und die Schatzmeisterin Sabine Surmann für zwei Jahre einstimmig wieder gewählt. Da der frühere Geschäftsführer Wilfried Jürgens auf eine Wiederwahl in den erweiterten Vorstand verzichtete, setzt sich dieser für die nächsten zwei Jahre wie folgt zusammen: Otto Buschmann, Mar-gret Fromme, Jürgen Küster, Helmut Palm, Friedhelm Stolle und Ingrid Westphal. Als Kassenprüfer wurden Horst Pöpping und Ursula Rudat gewählt.

Mit dem Dank an die zahlreich erschienenen Mitglieder (81) forderte der Vereinsvorsitzende alle Vereinsmitglieder auf, um zusätzliche Mitglieder, insbesondere aus den jüngeren Jahrgängen, zu werben und weiterhin mit dem bisherigen Engagement dem Heimatverein auch in Zukunft selbstlos und uneigennützig, bürgerschaftlich und ehrenamtlich zur Verfügung zu stehen.

Paul Gausepohl







Jahresausflug nach Bad Pyrmont/Schieder



Eine Stunde Schifffahrt war die richtige Entspan-nung vor dem mitreißenden Spiel gegen England.

Am 27. Juli 2010 fand mit 67 Vereinsmitgliedern der Jahresausflug nach Bad Pyrmont und Schieder statt. Nach einer kurzen Rast auf der Autobahnraststätte Vellern mit den leckeren Wurstbrötchen von Otto Buschmann ging die Reise weiter zum niedersächsischen Staatsbad Bad Pyrmont, wo die 2005 als schönster Kurgarten ausgezeichnete Gartenanlage des barocken Wasserschlosses Pyrmont der Grafen von Waldeck besichtigt werden konnte. Der Kurgarten besticht besonders durch seine exotischen Pflanzen und Bäume sowie durch seine umliegenden Kuranlagen in der Weserrenaissance.
Am 27. Juli 2010 fand mit 67 Vereinsmitgliedern der Jahresausflug nach Bad Pyrmont und Schieder statt. Nach einer kurzen Rast auf der Autobahnraststätte Vellern mit den leckeren Wurstbrötchen von Otto Buschmann ging die Reise weiter zum niedersächsischen Staatsbad Bad Pyrmont, wo die 2005 als schönster Kurgarten ausgezeichnete Gartenanlage des barocken Wasserschlosses Pyrmont der Grafen von Waldeck besichtigt werden konnte. Der Kurgarten besticht besonders durch seine exotischen Pflanzen und Bäume sowie durch seine umliegenden Kuranlagen in der Weserrenaissance. 
Nach zweistündigem Aufenthalt führte die Reise weiter zum Restaurant „Herlingsburg“ in Schieder-Glashütte, wo ein reichhaltiges Mittagessen eingenommen wurde. Die Stadt Schieder liegt im lippeschen Landesteil von NRW und ist bekannt durch ihre Möbelindustrie. Der Ortsteil Glashütte ist ein Luftkurort am Emmersee, auf dem die Heimatfreunde an einer einstündigen Bootsfahrt rund um den als Rückhaltebecken konzipierten See teilnehmen konnten. Für Fußballfreunde gab es abschließend die Möglichkeit, das WM-Spiel Deutschland-England direkt am Fernsehen zu verfolgen, so dass die Heimkehr gegen 21 Uhr einen sonnenreichen Ausflugtag beendete.

Paul Gausepohl





Mehr als nur ein Gebäude


Amtshaus wurde mit 3,5 Mio. € saniert
Als „eine Herzensangelegenheit“ und als „ein Ereignis, für das sehr viele lange und leidenschaftlich gekämpft haben“, bezeichnete Bürgermeisterin Birigit Jörder Anfang Mai die Komplettsanierung des 105 Jahre alten Mengeder Amtshauses. „Das zeigt mir, dass es um mehr als nur ein Gebäude geht“. 
17 Monate hatten die im Dezember 2008 begonnenen Renovierungsarbeiten gedauert. Weil sich bei den Entkernungsarbeiten herausgestellt hatte, dass auch die Zwischendecken und der Putz im Altbau saniert werden mussten, konnte der eingeplante Fertigstellungstermin (Dezember 2009) nicht eingehalten werden. Außerdem entstanden Mehrkosten in Höhe von etwa 248.000 €. Insgesamt mussten Rund 3,2 Mio. € investiert werden, um dem „Schragmüller-Bau“ in ein modernes, kundenorientiertes Dienstleistungszentrum zu verwandeln. 
Der Gebäudekomplex aus dem Jahr 1903 erhielt eine zeitgemäße Technikausstattung, eine komplett neue Elektroinstallation und eine Ressourcen schonende, klimafreundliche Beheizung (Holzpellets-Anlage). Das Gebäude wurde im Eingangsbereich zusätzlich mit einem Aufzug ausgestattet. Im Erdgeschoss befindet sich der sogenannte „Frontoffice-Bereich“, in dem die Kundenkontakte stattfinden. Hier, im verglasten Anbaus auf der Rückseite des Gebäudes befindet sich ein bürgernaher und transparenter Wartebereich, im Obergeschoss der Trausaal. Dort befindet sich auch ein flexibler Sitzungs- und Besprechungsraum. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, wurden die Kunststofffenster durch Holzfenster ersetzt und der Eingangsbereich einschließlich Treppenanlage wieder dem ursprünglichen Zustand angepasst. Der Bunkerbereich mit Gefängniszelle im Sockelgeschoss blieb im Originalzustand erhalten. 
Die Außenanlagen vor dem repräsentativen Haupteingang des Amtshauses wurden mit Hochstammrosen bepflanzt. Sie sollen sich stark an die historischen Ansichten des Gebäudes anlehnen. Der Haupteingang mit Erker stellt den Mittelpunkt des Gebäudes dar. Zu diesem Eingang führen von zwei Seiten aus ein halbkreisförmiger, mit Natursteinen gepflasterten Weg, und die eingeschlossene Fläche wurde mit Rasen gestaltet.

Karlheinz Bohnmannann







41. „Tag des Liedes“ im Schlosspark


Von Frühling keine Spur...
…denn bald ist der Frühling dahin“, hieß es am Himmelfahrtstag auf dem traditionellen „Tag des Liedes“ im Bodelschwingher Schlosspark nur in einem Lied. Ansonsten: Vom Lenz keine Spur. Entsprechend schwach war diesmal der Besuch.
Die Chöre nutzten die Gelegenheit, ihr  Können - teilweise auch zwei- und mehrstimmig - unter Beweis zu stellen. Gesungen wurde nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer und russischer Sprache sowie auf „platt“. Nach Ende des Liederreigens musizierte der Fanfarenzug Ruhrlandbühne Bochum.
Durch das Programm hatte Paul Gausepohl geführt. Er stellte die Chöre vor und erinnerte auch an die Anfänge des „Tag des Liedes“. Dieser wurde auf Initiative der „Sangesfreunde Westhausen“ erstmals vor 41 Jahren - anfangs am später abgebrannten Teehaus - im Schlosspark durchgeführt. 
Den Himmelfahrtstag und den „Tag des Liedes“ hatte auch Pfarrer Carsten Griese von der evangelischen Noah-Gemeinde in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt. In Mittelpunkt des Gottesdienstes hatten „der bedeutendste evangelische Liedermacher“ Paul Gerhardt  (1007 bis 1676) und sein Lied „Du meine Seele singe“ gestanden. 
nde Februar 2010 waren rd. 12 Monate Bauzeit vergangen. Die Planung für die Gesamtmaßnahme belief sich auf 16 Monate. Leider hat auch unserer Baumaßnahme der lange, strenge Winter zu schaffen gemacht. Die oberirdisch stehende Maschinentechnik des Rohrvortriebs ist uns aufgrund der niedrigen Temperaturen eingefroren, so dass wir die Arbeiten erst am 19. Februar 2010 wieder beginnen konnten. Derzeit arbeiten wir hier am letzen Abschnitt des Kanals mit dem großen Rohrdurchmesser von 2,60 m innen. Dieser wird in der 9. KW 2010 fertig gestellt werden. Die Vortriebsmaschine wird dann umgerüstet, so dass sie ab der Woche nach Ostern in der Lage ist, die Strecke mit dem etwas kleineren Rohrdurchmesser von 2,40m innen, in der Dönnstraße aufzufahren. Dieser – rd. 410 m lange – Abschnitt wird dann ca. Mitte Mai fertig gestellt sein. 
Das Entlastungsbauwerk an der Emscher mit seinem Ausleitgraben zur Emscher hin wird im Rohbau etwa Mitte April fertig gestellt und ab Ende Mai betriebsbereit sein. Abschließende Arbeiten werden die Errichtung der Schachtbauwerke in der Dönnstraße und die Straßenwiederherstellung in der Dönnstraße und Schaphusstraße sein. 
Aufgrund der geschilderten Behinderungen durch den Frost gehen wir derzeit von einem Bauende Ende Juli / Anfang August aus. Wir werden aber alles tun, um dem geplanten Endtermin so nah wie möglich zu kommen. Hierzu sind bereits Beschleunigungsmaßnahmen in der Planung.

Karlheinz Bohnmann






100 Jahre gemeinsamer Weg kfd St. Remigius


Lasst uns miteinander gehen

Vorstand der kfd im Jubiläumsjahr

Die katholische Frauengemeinschaft St. Remigius in Dortmund-Mengede feierte am 08.Juni 2010 ihr 100jähriges Bestehen. Als „Verein Christlicher Mütter“ 1910 gegründet, wurde die Vereinsarbeit von Anfang an als sehr rege beschrieben.1929 hatte der Mütterverein bereits 385 Mitglieder. Zu den Gemeinschaftsmessen und Versammlungen kamen 150 - 200 Frauen. Obwohl die Nationalsozialisten im 2.Weltkrieg den Zentralverband der christlichen Müttervereine auflöste, gelang es in der Gemeinde, christliche Frauenarbeit aufrecht zu erhalten. 
Nach den Kriegswirren wurde der Mütterverein wieder öffentlich tätig, kümmerte sich um Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge, Mütter- und Kindererholung. In den Folgejahren wuchs der Mütterverein zu einer starken Gemeinschaft heran, aus deren Mitte eine Handarbeitsgruppe, eine Seniorengruppe, eine Gymnastikgruppe, Krabbelgruppen und vieles mehr hervorgingen. 1968 erfolgte die Umbenennung auf Bundesebene: aus dem Mütterverein wurde die kfd.Schon die Veränderung im Namen zeigt deutlich, dass unser Kreis Platz für alle Frauen bieten soll. Das spiegelt sich auch in unserem aktuellen Programm wieder. Mit einer Eucharistiefeier, geleitet vom Diözesan - Präses der kfd aus Paderborn Roland Schmitz, begann die 100 Jahr-Feier. Danach folgte ein Empfang im Gemeindehaus. Zum Programm gehörte eine Zeitreise, die die Veränderungen für Frauen in den vergangenen 100 Jahren skizzierte. Der Auftritt des Phönix-Quartetts mit Barbershop -Musik begeisterte die Anwesenden. 100 Jahre kfd - das sind 100 Jahre gemeinsamen Weges, der von Frauen geprägt und gestaltet wurde, die im wahrsten Sinne des Wortes etwas beWEGt haben.

Elisabeth Julich






Knappen feierten Jubiläen


Vor 125 und vor 85 Jahren aus der Not gegründet

Als „Ausdruck eines ungebrochenen bergmännischen Selbstwertgefühls der Menschen, die ihre Lebensleistung im Bergbau verbracht haben“, bezeichnete Schirmherr Dr. Heinrich Mönnighoff das Jubiläumsfest des Bergmannsunterstützungsvereins (BUV) und des Knappenvereins „Glück auf“, die im Rahmen des Michaelisfestes im Saalbau ihr 125- bzw. ihr 85-jähriges Bestehen feierten. 
Der Apotheker aus Nette betonte, dass die Knappen mit Stolz auf ihre lange Tradition zurückblicken konnten, „die über weite Jahrzehnte vom Kampf um das tägliche Brot, angemessene Arbeits- und Sicherheitsbedingungen und gerechte Bewertung der Arbeit geprägt war“. Beide Vereine, so Mönnighoff, seien in Zeiten der Not entstanden. 
Die lange Reihe der Grußworte wurde durch den Landesvorsitzenden der Knappenvereine, Uwe Enstipp (Bochum) eröffnet. Er sprach sich gegen einen totalen Ausstieg aus der Kohle aus und betonte: „Wir werden unsere bergmännische Tradition aufrecht erhalten.“
Bei der Ehrung der Jubilare konnte Dr. Mönnighoff zwei Auszeichnungen entgegennehmen. Er gehört dem BUV seit 30 Jahren und „Glück auf“ seit 20 Jahren an. Weitere BUV-Jubilare sind Helmut Franke, Herbert Oertel (beide 60 Jahre), Paul Böcker (35 Jahre), Günter Schröder (30 Jahre), Armin Jahl, Gerado Jimenes, Erich Jurgait, Helmut Kaffenberger, Manfred Kollosch, Peter Kozlowski, Max Rehfeld (alle 25 Jahre) und Dr. Faruk Weicho (20 Jahre)
„Glück auf“ ehrte neben seinem Ehrenvorsitzenden Hans Szesny, der wie auch einige der anderen Jubilare aus gesundheitlichen oder anderen Gründen verhindert war, Friedhelm Drews (beide 60 Jahre), Günter Henze (50 Jahre), Siegfried Wedhorn (40 Jahre), Heinz Treppner (35 Jahre), Erwin Keiluweit, Gerda und Egon Wölm sowie Toni und Willi Westermann (alle 20 Jahre). 
Vor Beginn der Feier veranstalteten die Knappen einen Festzug durch den Ortskern. Als Teilnehmer an der Parade konnten die Vorsitzenden Arno Steuer (BUV) und Bernhard Kalverkamp (Glück auf) neben einigen befreundeten Vereinen aus Mengede (wie die Schützengesellschaft Groppenbruch/Schwieringhausen und die KG Blau-Rot Mengede) 15 Brudervereine aus der engeren und weiteren Nachbarschaft begrüßen.

Karlheinz Bohnmann







Vom Zarenthron in den Kerker


Augusta Juliana von Mengden schmachtete 25 Jahre hinter Gefängnismauern

Mit süßen 17 kam sie als Hoffräulein an den russischen Zarenhof und machte große Karriere: Augusta Juliana Freifrau von Mengden. Doch ihr Glück sollte nicht von langer Dauer sein.
Zu ihrer Tätigkeit war die Edeldame aus der aus Mengede stammenden Familie, die mit dem deutschen Ritterorden nach Livland (Litauen),,ausgewandert“ war, über die engen Verbindungen gekommen, die zwischen den Ländern des Baltikums und Russland bestanden.

Augusta Juliana von Mengden
auf einer zeitgenössischen Darstellung

Ihre Leidensgeschichte begann, als die Zarin Anna lwanowna, Tochter des Bruders von Peter dem Großen, am 28. Oktober 1740 verstarb. Deren Nachfolger Ivan III. war gerade zwei Monate alt, so dass seine Mutter, die Großfürstin Anna Karlowna, verheiratet mit dem Prinzen Anton Ulrich von Braunschweig, für ihn regierte. Und Augusta Juliana durfte sich in der Gunst der Regentin sonnen. Die jetzt 25-jährige wurde am ganzen Fürstenhof gefeiert, von der Zarin mit einem Gut belohnt und galt als „allmächtig“. Doch diese Herrlichkeit sollte nur 13 Monate dauern.
Sie endete, als die Großfürstin Elisabeth und deren Leibarzt Lestocq am 25. November 1741 eine Revolte anzettelten. Anna und ihr Gemahl wurden eingesperrt, und auch Iwan III. gerade 14 Monate jung, verschwand namenlos in den Kerkern von Schlüsselburg. Und auch die Günstlinge der gestürzten Zarin blieben nicht verschont. Augusta Juliana landete für 25 Jahre im Kerker von Oranienburg. Unterwegs hatte ihr ein Handwerker als Trost eine Bibel auf den Schlitten geworfen. Wie Juliana später bekannte, hatte sie diese mehr als hundertmal gelesen. 
Um Augusta Juliana die Haft besonders unerträglich zu machen, hatte man einen kindischen alten Obristen des Prinzen von Braunschweig zu ihr in das Kerkerloch gesperrt. Doch es gelang ihr, es zu dem Mann, der nur selten den Mund aufmachte, ein positives Verhältnis aufzubauen. Gleiches schaffte sie auch bei dem einbeinigen Invaliden und dessen Frau, die sie in der Haft zu versorgen hatten. Wegen seiner Freundlichkeit für die Eingekerkerten wurde er immer wieder von seinem Kommandanten geschlagen. 
Für Verpflegung standen den Häftlingen pro Tag zwei Rubel zu, die der Kommandant aber häufig unterschlug. Beschwerden Augusta Julianas, die sich an die Zarin wenden wollte,  wehrte er lächelnd mit dem Hinweis „Petersburg ist weit!“. Juliana aber fand einen anderen Weg: Sie zerschnitt ein wertvolles Kleid und fertigte schmucke Mützchen, die der Wärter an Bauernfrauen verkaufte. Als der Stoff aufgebraucht war, schaffte er neues Tuch herbei. Von den Einahmen für die Mützen - rund 100 Rubel in 20 Jahren - konnten sich Augusta Juliana und der Obrist zweimal in der Woche eine Tasse Kaffee und ein Glas Wein leisten. 
Augusta Juliana war 50 Jahre alt und ihre Todfeindin Elisabeth längst verstorben, als ihre greise Mutter bei deren Nachfolgerin, der Zarin Katharina erfolgreich für sie Gnade einlegen konnte. Augusta Juliane und ihr Obrist – er war bereits 90 Jahre alt und starb wenige Monate später - kamen endlich frei. Sie lebte bis zu ihrem Tod am 21. Oktober 1787 bei Verwandten in der Nähe von Riga.

Karlheinz Bohnmann
Quelle: Der 1874 erschienene kulturgeschichtliche Novellenband ,,Durch tausend Jahre" von Wilhelm Heinrich Riehl, ab 1838 von Riehl (1823 - 1892).







Max Rehfeld jetzt Direktor


BUV-Kleinzeche trägt seinen Namen

Max Rehfeld, Vater der BUV-Kleinzeche auf „Adolf von Hansemann“ und Ehrenvorsitzender des Bergmanns-Unterstützungs-Vereins (BUV) und auch Mitglied unseres Vereins, hat einen neuen Titel: Direktor.
Dieser Titel und die seine neue Würde symbolisierenden Kragenspiegel für seinen Bergmannskittel wurden dem ehemaligen Reviersteiger anlässlich der Änderung der Museumsbezeichnung verliehen. Das  Museum trägt jetzt den Namen: „BUV-Kleinzeche Max Rehfeld“. 
BUV-Ehrenmitglied Dr. Heinrich Mönnighoff  betonte, das Museum sei ein Denkmal für die Bergleute der Schachtanlage „Adolf von Hansemann“ und für den Bergbau in Mengede. Auch Oberbürgermeister Ulrich Sierau strich heraus, dass wichtig sei, die Erinnerung an die Bedeutung des Bergbaus und dessen Tradition zu erhalten. Bergbau sei „auch in Zukunft für dieses Land wichtig.“

Karlheinz Bohnmann







1814: Russen zu „Besuch“ in Mengede


Im Feldzug gegen Napoleon, schreibt Pastor Rentfort 1814 in den katholischen Kirchenbüchern, machten zwei Eskadronen mit 300 Husaren, auf dem Durchmarsch zum Rhein, am 4. Januar 1814 in Mengede für zwei Tage Rast. Im Pastorat waren ein Wachtmeister, der Quartiermeister und zwei Husaren untergebracht und der Befehlshaber Major Diek war als Gast auf dem Haus Mengede eingezogen. Wörtlich hält Pastor Rentfort fest: 
Ein Husar konnte etwas Deutsch. Die Menschen aßen ganz anders, wie wir. Branntwein können Sie wie wir das Wasser trinken und tranken ein jeder täglich wenigstens 2 Maß auch wohl 4 Maß. Zwiebeln, grünes Suppenkraut aßen sie roh, Kappes Salat mit schwarz von Pfeffer, Essig, Zwiebeln und Butter überschwemmt war ihre liebste Speise und mit einem Worte: Alles für unseren deutschen Magen unverdaulich.
Wo die Soldaten untergebracht waren und ob für längere Zeit der Alkohol aufgebraucht war ist nicht vermerkt. Wenn man aber bedenkt, dass unser Ort um diese Zeit rund 600 Einwohner hatte, war die Mengeder Bevölkerung sicherlich über den Abzug der Husaren glücklich, denn die Randbemerkung Sie fraßen und tranken den ganzen Tag und Nacht lässt auch die eine oder andere Unannehmlichkeit vermuten.

Franz-H. Veuhoff







Emscherumbau im Stadtbezirk


Sachstand Baumaßnahme Dönn-/Schaphusstraße:

Die Rohrleitungen sind bis auf ein paar Anschlussleitungen vollständig verlegt. Rund 1,6 km Kanal sind jetzt fertig gestellt und derzeit laufen noch die Arbeiten für die Schachtbauwerke. Im Vortriebverfahren wird zunächst der komplette Rohrstrang des Kanals hergestellt. Die Schächte werden anschließend „obenauf“ gesetzt. Dazu werden an den Standorten der Schächte Baugruben ausgehoben, der Rohrstrang aufgeschnitten und die Schachtbauwerke betoniert. 


Die Vortriebsmaschine wird geborgen, über eine Treppenanlage
an dieser Stelle konnten die Bürger in den Kanal einsteigen


Die Herstellung der Schächte und der Anschlussleitungen wird noch etwa 2 Monate dauern. Ende August / Anfang September werden nach heutigem Stand die Hauptarbeiten abgeschlossen sein. Dann werden nur noch „Restarbeiten“ wie Oberflächenwiederherstellung anfallen. Abgebildet ist die Bergung der Vortriebsmaschine aus dem Schacht über den wir am Samstag in den Kanal hinabsteigen konnten. 
Von dem Angebot der Emschergenossenschaft, die Kanalanlagen unter sachkundiger Führung der Mitarbeiter der EG zu besichtigen hatten ca. 250 bis 300 Besucher, unter ihnen auch mein Enkel Max und ich, Gebrauch gemacht. Ein kleines Programm an der Baustelle rundete den Termin ab und die Teilnehmer der Führungen hätten sicher nichts dagegen gehabt, die „über Tage“ angebotenen Getränke und das Grillgut bei der angenehmen Kühle „unter Tage“ im Kanal zu genießen. Den Mitarbeitern der EG auch an dieser Stelle herzlichen Dank für die Gastfreundschaft.
Franz-H. Veuhoff


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Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16, 44359 DO (0231 - 33 56 29) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231 - 33 76 90)

 
 
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