Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 24
Weihnachten 2008
7. Jahrgang
EP 0,50 Euro


Frohe Weihnachten und ein gutes Jahr 2009

Der Vorstand des Heimatvereins Mengede e.V. wünscht allen Mitgliedern und Gönnern des Heimatvereins sowie allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Stadtbezirk Mengede eine besinnliche und ruhige Adventszeit, ein friedliches und frohes Weihnachtsfest, einen guten und fröhlichen Übergang in das Neue Jahr sowie ein glückliches und gesundes, erfolgreiches und zufriedenes Jahr 2009.


Mengede, im Dezember 2008 .

Der Vorstand

Gausepohl         Karlshaus         Obermeit




Die Themen dieser Ausgabe: • Krippernausstekkung 2008
• Sagen und Legenden (6)
• Denkmalserie (10)
• „Ärwin“ Weiß starb mit 74 Jahren
• Erinnerungen an den Mengeder Bahnhof
• Impressum





Wieder ein voller Erfolg

Mengeder Heimatverein zeigt Krippenausstellung diesmal in Bodelschwing

Zu den gern gesehenen Gästen gehörten auch in diesem Jahr einige Schulklassen. Die Führungen dieser besonders interessierten Gruppen bereitete Rolf Krönke die größte Freude.
Mit einer originellen Idee bereicherte der 80-jährigen Paul Supanc unsere bisher fünfte Krippenausstellung, die im evgl. Gemeindehaus in Bodelschwingh zu sehen war. Er verlegte die Jesus-Geburt in ein von ihm gefertigtes Modell der Mitte der 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts abgerissenen evgl. Netter Holzkirche. 
Der Gedanke, ein Stück Vergangenheit für die Nachwelt im Modell festzuhalten und mit der Geburt des Christkindes zu verbinden, war Supanc gekommen, als er nach einem Herzinfarkt eine Beschäftigung suchte. Basis für den Nachbau aus Sperrholz, den Supanc mit einer Laubsäge ausführte, die ihm sein Vater 1936 geschenkt hatte, waren ein Foto der früheren Kirche und Erinnerungen aus seiner Jugendzeit. Supanc ist in Nette aufgewachsen und wurde auch in der Holzkirche konfirmiert. Diese Krippe war eine von insgesamt 74, „die - wie Heimatvereins-Vorsitzender Paul Gausepohl bei der Eröffnung der Ausstellung erläuterte - in einer nachempfundenen Landschaft dem Betrachter das Gefühl geben (sollen), dem heiligen Geschehen unmittelbar beizuwohnen“. Auch diese (bisher fünfte) Ausstellung zeigte, wie einfallsreich und unterschiedlich  sich Künstler und Bastler vorgestellt haben, wie es gewesen sein könnte, als Jesus Mensch geworden ist.
Neben  „Kaufkrippen“ aus „aller Welt“ - u. a. aus Chile, Peru, Peru, Guatemala, Honduras, Polen, Kenia, Israel, Jordanien und Österreich - waren vor allem auch wieder zahlreiche Eigenkreationen zu bestaunen. Über alle wusste Rolf Krönke, der zusammen mit Helmut Palm und Heinz Treppner unser „Krippen-Team“ bildet, den (wie im Vorjahr) wieder rund 800 Besuchern interessante Geschicht(ch)en zu berichten. So besteht beispielsweise eine – sie gehört der Familie Backes - aus dem Holz eines 360 Jahre alten (abgerissenen) Bauernhauses, das in Schalksmühle im Sauerland gestanden hatte. Eine andere Krippe hatte ein Bräutigam seiner Frau vor 51 Jahren zur Verlobung geschenkt. 
Auch einige andere der gezeigten Krippen haben bereits ein hohes Alter. So wurde eine andere 1879 von dem früheren Mengeder Konrektor Haumann in einer Baumwurzel integriert. Zu den ausgestellten Krippen gehörten in diesem Jahr auch die Großkrippen einiger Kirchengemeinden im Stadtbezirk. Die Mengeder Figuren hatte eine Künstlerin aus Stade gestaltet, die übrigens die Maria mit dem Antlitz ihrer Tochter ausgestattet hatte. Neben den neuen Krippen waren auch diesmal wieder einige bereits bekannte zu sehen, wie die aus einem „Deutschen Türstock“ geschnitzte „Bergmanns-Krippe“. Eine größere Variante wird jetzt im Telgter Krippen-Museum gezeigt.

Karlheinz Bohnmann





Sagen und Legenden (6)

Der arme Ritter von Burg Königsberg

Die Burg Königsberg, umgeben von einem doppelten Wassergraben mit einem Wall, lag nahe dem heutigen Gut Königsmühle (Ellinghausen) auf dem jetzigen Haldengelände zwischen Gut Königsmühle und IKEA. Bei Ausgrabungen anlässlich der Emscherregulierung haben die Archäologen Funde aus dem 11. und 12. Jh. gemacht. Urkundlich werden die Ritter von Königsberg erstmals 1241 erwähnt mit weiteren Gütern in Nette und Rahm. Schon 1317 kam die Burg Königsberg in den Besitz der freien Reichsstadt Dortmund.
Der letzte Ritter von Königsberg war auf Grund widriger Umstände so arm geworden, dass er mit Weib und Kindern nebst Gesinde oft hungern musste. Als der Ritter einmal durch den Wald streifte, sah er auf einem Baustumpf einen Mann mit einem wahren Galgenvogelgesicht sitzen, der ihn laut verlachte, weil er so betrübt dreinblickte. Der arme Ritter wurde darüber wütend und drohte mit seinem Bogen. Doch der fremde Kerl lachte nur noch ärger. Da zielte der Ritter und schoss auf ihn. Der Mann aber fing den Pfeil lässig auf und warf ihn zurück. 
„Ihr seid ein schlechter Schütze, Ritter. Gebt mir doch mal Euren Bogen“. Dem Ritter wurde es zwar etwas unheimlich, doch er gab ihm den Bogen. Der Mann nahm eine rote Hahnenfeder von seinem Hut, legte sie auf den Bogen, schoss aufs Geratewohl in den Wald hinein, und nur einen Steinwurf weit entfernt stürzte ein mächtiger Rehbock getroffen zusammen. „Füttert daheim Eure hungrigen Würmer damit“, sagte grinsend der seltsame Schütze. Der Ritter wurde kreidebleich und brachte kein Wort heraus. „Wollt Ihr den Bock nicht?“ fragte der andere. „Sagt's mir nur, dann lass ich ihn wieder davon springen. Aber ich könnte Euch helfen. Soll ich?“ – „Ja, hilf, wenn du kannst!“ rief der arme Ritter wie besessen. „Ich weiß einen grünen Stein“, sprach der Unheimliche, „der kann euch reich machen. Aber ich will etwas dafür haben“. Er zog drei Grashalme aus der Erde und hielt sie dem Ritter hin. „Einen Grashalm müsst Ihr ziehen. Zieht Ihr den großen Halm, dann gehört Ihr selbst mir; zieht Ihr den mittleren Halm, dann gehört mir Euer Weib; zieht Ihr den kleinsten, dann will ich Eure Kinder“. 
Dem Ritter wurde schwindelig, denn nun wusste er genau, wen er vor sich hatte. Und doch war es ihm, als würde seine Hand zu den drei Halmen hingezogen. Schon berührte er sie. Doch dann zuckte er zusammen, und er rief: „Gott im Himmel, hilf mir“! Im nächsten Augenblick gab es einen Donnerschlag, dass die Erde zitterte. Der Ritter bekam einen so gewaltigen Schlag ins Gesicht, dass er sich mehrmals um sich selber drehte und ohnmächtig auf die Erde fiel. 
Als er aus seiner Besinnungslosigkeit erwachte, ging gerade die Sonne auf. Ich muss die ganze Nacht hier gelegen haben, dachte der Ritter, stand auf und sah sich um. Richtig, da war der Baumstumpf. Aber der Unheimliche mit der Hahnenfeder war verschwunden. Vorsichtig ging er einige Schritte durch den Wald. Auch der tote Rehbock war verschwunden. Dafür aber fand er in einer Mulde eine unglaubliche Menge Eidechsen, Nattern und Kröten, die alle auf einem Haufen durcheinander- und übereinander krochen. Das hat was zu bedeuten, dachte der Ritter. Doch er traute sich nicht, noch näher an die Mulde zu gehen. Er steckte einen Stock in die Erde, um die Stelle genau zu kennzeichnen, und ging heim. 
Nach drei Tagen wanderte er nochmals in den Wald. Als er zu der Mulde kam, lagen darin nur noch eine tote Natter und daneben eine leblose Kröte, beide umgeben von dickem Schleim. Neben der Kröte fand er einen faustgroßen grünen Stein. Er hob ihn auf, reinigte ihn an einem Bach und nahm ihn mit nach Hause. Er glaubte bestimmt, dass er aus dem Stein einigen Nutzen ziehen könnte. Denn ein Krötenstein, das wusste er, ist ein vortreffliches Mittel gegen Entzündungen und Beulen. Man brauchte mit dem Stein nur über die wunden Stellen zu reiben. Kurze Zeit danach begleitete der arme Ritter einen Dortmunder Kaufherrn zu dessen Schutz nach der Stadt Brügge in Flandern. Den grünen Stein nahm er mit. In Brügge aber erfuhr er, dass sein Krötenstein in Wirklichkeit ein kostbarer Edelstein war. Der Ritter verkaufte ihn und kehrte als reicher Mann nach Hause zurück.

Paul Gausepohl

Quellen:
Walter Gronemann, Das Dortmunder Sagenbuch, Bottrop-Essen 1994
Dirk Sondermann, Emschersagen, Bottrop 2006




Denkmalserie (10)

Wegkreuz am Burgring wird 40 Jahre

Katholische Gemeinde Mengede erfüllte Wunsch des Erbdrosten zu Vischering


Ein schwerer Brocken im wahrsten Sinne des Wortes ist das etwa 3.20 Meter hohe Wegkreuz, das von der katholische Kirchengemeinde „St. Remigius“ Mengede am Erntedank- und Patronatsfest vor 39 Jahren (5. Oktober 1969) auf dem 100 qm großen Dreieck-Grundstück Burgring / Jonathanstraße feierlich eingeweiht wurde. Denn beim Abladen des von dem Bildhauer Bernd Hartmann-Linteln aus Wiedenbrück gestalten Denkmals versagte erst der Hydraulikkran des Transportwagens, dann brach ein zur Hilfe geholter 30-Tonnen-Kran der früheren Mengeder Bauunternehmung Nickel& Eggeling brach ab. Auch ein anschließend herbeigeholter „40 Tonner“ musste passen.
Schließlich rollte ein 75-Tonnen-Kran an, der gerade in Herne im Einsatz war. Mit seiner Hilfe gelang es endlich, den über sieben Tonnen schweren Koloss aufzustellen. Aber selbst dieses Ungetüm hatte noch unter der schwergewichtigen Last „gezittert“. Die steht auf einem 1,50-Meter-Fundament. 
Die Stiftung des Wegkreuzes geschah auf Wunsch des Erbdrosten zu Haus Vorhelm, Graf Paul zu Vischering. Nachdem dieser seine Ländereien in Mengede (zu seinem Besitz gehörte auch das „Haus Mengede“) an die Stadt Dortmund verkauft hatte, legte er 1962 auch sein Patronat über die katholische Gemeinde nieder. Zum Abschied schenkte er ihr das Grundstück neben dem Wegkreuz, auf dem der katholische Kindergarten und das 


Bildhauer 
Bernd Hartmann-Lintel

„Haus der offenen Tür“ stehen. Seine einzige Bedingung war die Aufstellung eines Wegkreuzes. 
Dabei hatte der Droste ursprünglich an eine vergrößerte Nachbildung eines sich in seinem Besitz befindlichen 300 Jahre alten Tischkreuzes („Menger Kreuz“) des Hauses von Büren gedacht. Sie hatte seit dem 17. Jahrhundert das Patronat über die Gemeinde, das später durch Erbschaft an die Familie zu Vischering fiel. Unter dem Kreuz hatten sich in der Reformationszeit die bei ihrem alten Glauben gebliebenen Katholiken im „Haus Mengede“ versammelt. Doch die Fachleute rieten von dieser Idee ab, so dass ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde, an dem sich drei Bildhauer beteiligten. Nach längerer Diskussion entschied sich eine Jury, an der neben dem damaligen Gemeindepfarrer Heinrich Kleffner u. a. auch der Erbdroste teilnahm, für den Entwurf Hartmann-Lintels. 
Der Künstler, der übrigens auch die Fenster für eine  Basilika in Nazareth mitgestaltet hat und dafür bei der Einweihung des Gotteshauses in Israel mit dem päpstlichen Orden ausgezeichnet wurde, wählte als Material für das Wegkreuz Trachit aus dem Westerwald. Dabei handelte es sich um ein machatisches vulkanisches Gestein mit Kalifeldspat als Einsprengling und Quarzfeldspatgrundmasse. 
Den Durchbruch im Stein zieren auf beiden Seiten anderthalb Zentner schwere mit Dukatengold überzogene Bronze-Ornamente. Sie symbolisieren das Häusermeer einer Stadt, in deren Mitte das Kreuz steht. Bei diesem handelt es sich um eine Nachbildung des mittelalterlichen Tischkreuzes, so dass der Wunsch des Drosten – wenn auch in geänderter Form – in Erfüllung gegangen ist. Die Metallteile wurden übrigens mit einem Spezial-Plastikkleber an dem Stein befestigt. 
Auf der dem Burgring zugewandten Seite des Wegkreuzes wurde von dem Bildhauer, der ein Schüler Arno Brekers war, auch das Wappen der Familie zu Vischering eingemeißelt.

Karlheinz Bohnmann







„Ärwin“ Weiß starb mit 74 Jahren

Sein „Mäusken“ beißt jetzt nur auf der „Platte“

Mit seinen „Liedkess vonne Ruhr“ ist er bekannt geworden; jetzt ist seine Stimme verstummt: Im Alter von 74 Jahren verstarb im Oktober „Ährwin“ Weiß (natürlich eigentlich „Erwin“) nach kurzer schwerer Krankheit in einem Dortmunder Krankenhaus. 
Der „Kohlenpott-Barde“ bezeichnete sich zwar immer als Sänger aus Castrop-Rauxel, dabei hat er fast die Hälfte seines Lebens in Mengede verbracht, wo auch viele seiner Lieder entstanden sind. In Mengede offiziell aufgetreten ist er allerdings nur einmal: 1962 im Rahmen der 1100-Jahr-Feier. 
Zwischen 300 bis 400 Titel im Kohlenpott-Idiom hat Ährwin Weiß, der seine Sängerkarriere als der „Freddy von Castrop“ begann, im Laufe seiner langen Musikerjahre geschrieben. Ein Teil davon blieb zwar in der Schublade. Aber die anderen wurden Renner und laufen immer wieder im Sonntags-Wunschkonzert von WDR 4: „Wenn dich das Mäusken baißt“ und „Ich bau´ mich màin Häusken nur anne Ruhr“, um nur zwei davon zu nennen. 
Das „Häusken“ besaß er übrigens in Oestrich. In das frühere Kutscherhaus, das als einziges von der Villa des Amtmanns Schragmüller übrig geblieben war, hatte er sich schon verliebt, als er noch kein Sänger war, sondern als Schreinerlehrling zur Berufsschule ging, Übrigens an der Schulstraße. Als die Stadt Dortmund das alte Haus dann zum Verkauf anbot, steigerte er so lange mit, bis ein Ratsvertreter, der ebenfalls sehr daran interessiert war, resignierte und aufgab. Der Preis muss übrigens horrend gewesen sein, wie der damalige Oberstadtdirektor Sträter (allerdings ohne nähere Angaben) einmal in einem Privatgespräch bestätigt hatte. 
Nach dem Tod seiner Frau wohnte Weiß über dem Hotel „Handelshof“, wo er sich auch ein kleines Mini-Studio eingerichtet hatte. Dort textete und komponierte er. Dort entwarf er auch die Cover für seine Platten und CDs, die er unter seinem Label „Datt isset Räkords“ vertrieb. 
2001 wurde seine Selfmade-Karriere dann durch einen schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn, an dem er unschuldig war, jäh unterbrochen. Fünfeinhalb Monate lag der Musiker im Koma. Sein rechter Arm war 47-mal gebrochen und sollte ihm abgenommen werden, doch ein Arzt verhinderte das mit dem Hinweis: „Der braucht den, ist doch Sänger“. Der Arm blieb zwar dran, aber er blieb steif. 
Danach trat „Ährwin“ Weiß, der übrigens auch ein Loblied auf Karlheinz Böhm („Menschen für Menschen“) geschrieben und in dessen Anwesenheit öffentlich gesungen hatte, und oft auch im WDR zu sehen war, noch gelegentlich auf, aber seine gute Zeit war vorbei. 
„Kumpäl-Sänga“, der 3 1/2 Oktaven beherrschte, und trotzdem von sich sagte (und sang) „Auß´n Ährwin machse kainen Ohpahnstaa, wird in Erinnerung bleiben: Als der „Sänger vonne Ruhr“.

Karlheinz Bohnmann








Erinnerungen an den Bahnhof Mengede

Als am 15. Mai 1847 die Eisenbahnlinie ab Deutz in Richtung Minden zunächst bis Hamm in Westfalen fertig gestellt war, da fuhren die Dampfzüge ohne Halt in Mengede durch bis Dortmund und weiter nach Hamm in Westfalen. In Mengede ist die Haltestelle erst Wochen später, nämlich am 10. Juni 1847, in Betrieb genommen worden. Das war der Anfang des Eisenbahnwesens in Mengede. Aus der einstigen Haltestelle wurde später ein Bahnhof, der immer wieder technischen Veränderungen und Erweiterungen unterlag. Weitere Gleise und Weichen wurden gelegt, ebenso Anschlussbahnen zur Zeche Adolf von Hansemann, zur Benzolanlage: im Gebiet zwischen Ammerstraße und Hansemannstraße, auch zur Zeche und Kokerei Minister Achenbach in Brambauer und eine Eisenbahnlinie über Bodelschwingh und Westerfilde nach Huckarde. Schließlich wurde für den Güterverkehr eine eigene Strecke im Jahre 1903 ab Nette über Eving nach Scharnhorst gelegt, eine Umgehungsbahn, um den Bahnhof Dortmund vom Güterverkehr zu entlasten. Im inzwischen großen Bahnhof Mengede gab es drei Stellwerke: Stellwerk Mg am Übergang der Castroper Straße und die Stellwerke Wt und Ntt in Nette bzw. Niedernette. Sie wurden alle abgebrochen.
Ende 1945 führte jede Besatzungsmacht ihre eigene Kennzeichnung durch. Neu zugelassene Fahrzeuge in Mengede trugen während dieser Zeit die kaum noch bekannte Kennung „ARN“, nach Arnsberg, dem Sitz der Bezirksregierung. 1947 folgte auch in unserer britischen Zone eine bereits durch Amerikaner und Franzosen in ihren Zonen eingeführte Beschilderung. Diese Kennung, die mit einem „BR“ oder „R“ begann, hatte Bestand bis zur Einführung der heutigen Nummernschilder. Kennzeichnungspflichtige Fahrzeuge in unserem Stadtbezirk begannen nach dem BR oder R mit den Ziffern 35, 36 oder 37, die für die Stadt Dortmund reserviert waren.


Stimmungsvolle Abendstunde (1956):
Teile des Bahnhofs und Zeche Adolf von Hansemann
Das heutige System wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1956 eingeführt und nach der Wiedervereinigung 1990 auch auf die ostdeutschen Bundesländer übertragen. Derzeit existieren in Deutschland zwei unterschiedliche Versionen der Kennzeichen. Es handelt sich dabei zum einen um die älteren, seit 1956 verwendeten sog. DIN-Kennzeichen, genannt nach ihrer Schriftart, welche nach DIN 1451 festgelegt ist, zum anderen seit 1994 um die neuen Euro-Kennzeichen mit der so genannten FE-Schrift (FE = fälschungserschwerend). Bei der FE-Schrift unterscheiden sich die Buchstaben deutlicher voneinander als bei der alten DIN-Schrift, so dass Manipulationen erschwert und automatische Erkennung mit Kamerasystemen erleichtert werden.
Der Nachteil ist, dass die FE-Schrift für den Menschen etwas schlechter lesbar ist als die DIN-Schrift. Seit dem 1. November 2000 werden von den
Zulassungsstellen nur noch Euro-Kennzeichen ausgegeben und seit dieser Zeit kann auf das ovale Nationalitätszeichen „D“ am Fahrzeugheck verzichtet werden. 
In Brüninghausen, am Abzweig der Anschlussbahn zur Zeche und Kokerei Minister Achenbach, steht das einzige heutige Mengeder Stellwerk mit der Bezeichnung Mf (M = Mengede, f = Fahrdienstleiter). Dieses Stellwerk regelt den ganzen Ablauf des Zugverkehrs in Mengede. In Nähe dieses Stellwerks und über alle Gleise hinweg stand eine hohe eiserne Fußgängerbrücke. Sie verband die Straße Erlenkamp mit der Strünckedestraße und wurde wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.
Das ehemalige zweigeschossige Stationsgebäude, abgerissen im November 1967, war ein stattlicher Ziegelbau mit Fahrkartenverkauf, Expressgutannahme, Fundbüro und einem Wartesaal. Dort war ein großes Bild angebracht, das einen ausfahrenden Dampfzug aus dem Kölner Hauptbahnhof zeigte. Am Ende des Stationsgebäudes war ein Toilettenbaus. Vor dem Stationsgebäude stand seitlich ein kleines Gebäude zur Fahrradaufbewahrung, das ich jahrelang nutzte.
Gegenüber dem Stationsgebäude, auf der Oestricher Seite, befand sich die Güterabfertigung. Zum Bahnsteig ging es durch den Tunnel, der 1920/21 von der Mengeder zur Oestricher Seite gebaut wurde und immer unansehnlich ausgesehen hat. Schon damals. Oben am Anfang des Bahnsteigs stand das Knipserhäuschen. Hier wurden die Fahrkarten kontrolliert und gelocht.
Am 1. April 1941 kam ich in die Verwaltungslehre beim Arbeitsamt Dortmund. Da begannen meine Ausbildung und zugleich meine Eisenbahnzeit als Berufspendler. Und heute, im Alter von 81 Jahren, fahre ich noch immer mit der Eisenbahn, mal nach Dortmund und mal nach Münster zu Archivbesuchen. Im Jahre 1941 hielten in Mengede 74 Personenzüge, hälftig nach Dortmund und Rauxel. Von Mengede nach Dortmund sind es 9 Bahnkilometer. Da der Dortmunder Bahnhof 76,88 m über NN liegt, schnauften die alten Dampfzüge ab Mengede, das nur 65,63 m über NN liegt, wenn sie in Richtung Nette bergan und vorbei an der hohen Bergehalde fuhren. Und zu dieser Zeit waren die Schienen noch mit Laschen verbunden. Das führte dann zu den spür- und hörbaren Stößen während der Fahrt im Coupe' mit Holzbänken und Gepäcknetz darüber.

So kennen ihn noch viele Menschen aus dem Stadtbezirk: 
Bahnhofsgebäude und Bahnsteig von der Oestricher Seite aus
Vom Stellwerk Mg, das zwischen den beiden Hauptgleisen stand, wurden die Schranken an der Castroper Straße geschlossen. Für den Diensthabenden eine gefahrvolle Arbeit, immer den Blick nach unten. Und dann standen die Wartenden vor den Schranken und verloren oft die Geduld wegen der langen Schließzeit. "Glückauf-Schranke nannte man sie.
Zwischen dem Stellwerk Mg und dem Hauptgleis in Richtung Dortmund stand ein großer schwenkbarer Wasserkran. Hin und wieder kam es vor, dass eine Dampflokomotive im Gleis neben diesem Stellwerk stand, um Wasser zu fassen. Ohne Wasser kein Dampf. Heute führt eine lange Brücke über den Bahnhof Mengede. Schranken sind fortgefallen. Morgens, wenn starker Berufsverkehr war, stand auf dem Treppenabsatz zum Tunnel ein Zeitungsverkäufer und bot ein Massenblatt für 10 Pfennig an. Dann kam alles anders. Das Stationsgebäude wurde abgerissen und weitere bauliche Veränderungen führten zum Wegwisch der alten Eisenbahnromantik, die dieser Bahnhof einst ausstrahlte. Der schmutzige Tunnel ist geblieben, das Knipserhäuschen ist auch abgebrochen worden und eine Aufsicht gibt es schon lange nicht mehr.

Das alte Stellwerk am Übergang Castroper Straße im Morgennebel
(1956)
Mit der Einführung des Stadtbahnverkehrs wurde im Bahnhof Mengede ein zweiter Bahnsteig gebaut. Hier halten die Stadtbahnzüge der Linie S 2.
Heute verkehren ab Mengede täglich 20 Personenzüge der Linie RE 3 nach Dortmund und 20 Personenzüge nach Castrop-Rauxel. Die Fahrzeit von Mengede nach Dortmund beträgt 8 Minuten. Vom Stadtbahngleis verkehren alle 20 Minuten Personenzüge in Richtung Dortmund und Castrop-Rauxel. Die Fahrzeit mit der S-Bahn von Mengede nach Castrop-Rauxel beträgt 4 Minuten, aber nach Dortmund 17 Minuten, weil unterwegs noch Haltestellen sind, so u. a. in Bodelschwingh und Dorstfeld. Im Rückblick hat sich der Bahnhof Mengede trotz Zunahme der Zugverbindungen nicht zu seinem Vorteil verändert. Aber die Erinnerungen an frühere Zeiten bleiben.

Wilhelm Nüsperling




Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16, 44359 DO (0231-335629) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231-337690)

 
 
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