Heimatblätter 23 - 24. November 2008

Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 23
24. November 2008
7. Jahrgang
EP 0,50 Euro


Wir trauern um unser Ehrenmitglied

Kammersängerin Christel Goltz

* 08.07.1912    † 14.11.2008

Als Tochter einer Künstlerfamilie lebte die Verstorbene bis zum 18. Lebensjahr in Mengede um dann in München ihre Ballett- und Gesangsausbildung aufzunehmen. Bereits mit 23 Jahren trat sie erstmals als Solisten auf. Sie sang viele Jahre an der Oper Dresden unter Karl Böhm, bis sie 1950 an die Oper nach Wien wechselte und von dort auf den bekanntesten Bühnen der Welt tragende Opernrollen übernahm. Sie wurde vielfach mit höchsten Auszeichnungen geehrt.

Ihre Heimat Mengede hat sie besonders geliebt. Bei ihren Heimatbesuchen nahm sie regen Anteil an der Entwicklung ihres Heimatortes und an den Aktivitäten des Heimatvereins, den sie vielseitig unterstützte.

Wir werden die Verstorbene stets in bester Erinnerung behalten.

Heimatverein Mengede e. V.

Paul Gausepohl          Gerd Obermeit         Jürgen Karlshaus




Die Themen dieser Ausgabe: • Michaelisfest 2008
• Krippen für die Ausstellung 2008 gesucht
• Denkmalserie (9)
• Sagen und Legenden (5)
• 100 Jahre Autokennzeichen
• Plattdeutsch in Mengede
• Impressum





Michaelisfest 2008

Geschichte lebendig gemacht

Heimatverein war wesentlich am Michaelisfest beteiligt

Bauernmarkt, Kirmes, Historie, Vereine, Multi- Kulti und viel Heimatverein bestimmten das bisher achte Mengeder Stadtteilfest, das zweite unter dem neuen Namen Michaelisfest und auch das bisher größte, wie Heimatvereins-Vorsitzender Paul Gausepohl feststellte, der durch das Programm des Heimatabends führte, mit dem die dreitägige Veranstaltung offiziell eröffnet wurde. Den obligaten Fassanstich führte Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeier aus. Davor und danach standen Tanz, Gesang und Musik auf dem Programm, das überwiegend von heimischen Akteuren ausgeführt wurde. 
Auch für den historischen Part der dreitägigen Veranstaltung war unser Heimatverein zuständig. Gekleidet in vom Dortmunder Theater ausgeliehenen Kostümen stellten Mitglieder eine alte Episode aus dem Jahr 1698 nach, in der es u. a. (mit Bezug das Michaelisfest) um die Erneuerung der Marktrechte für den „Flecken Mengede“ durch den Kurfürsten Friedrich III. ging. Helmut Palm spielte den fürstlichen Boten, Jürgen Karlshaus den Vertreter des Ortes, der die Urkunde in Empfang nahm. 
Weiter beteiligte sich unser Heimatverein auch an einer Aktion zur Gestaltung des Ortskerns, in der Grundschüler aufzeigen konnten, welche Veränderungen sich Kinder für den Bereich zwischen 1000-Jahrfeier-Brunnen, der ja in unserem Auftrag wieder „flüssig“ gemacht werden soll, und Amtshaus-Park vorstellen können. Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar versprach prüfen zu lassen, was davon machbar ist. Gleichzeitig stellten wir auch die Planungen für den Brunnen vor. 
Außerdem bot das Fest heimischen Sportvereinen die Möglichkeit, sich öffentlich zu präsentieren. Ein weiterer Höhepunkt war eine interkulturelle Veranstaltung mit Musik, Tanz und Gesang aus Sri Lanka, Polen, Russland und der Türkei. Und weil es sich beim Michaelistag in der Vergangenheit um ein Marktereignis gehandelt hatte, beteiligten sich natürlich auch die Mitglieder des Gewerbevereins. Sie boten am letzten Festtag in ihren Geschäften und in einer „Zeltstadt“ davor ihre Waren feil.

Karlheinz Bohnmann




Krippen für die Ausstellung 2008 gesucht

Geschichte lebendig gemacht

Heimatverein war wesentlich am Michaelisfest beteiligt

Bauernmarkt, Kirmes, Historie, Vereine, Multi- Kulti und viel Heimatverein bestimmten das bisher achte Mengeder Stadtteilfest, das zweite unter dem neuen Namen Michaelisfest und auch das bisher größte, wie Heimatvereins-Vorsitzender Paul Gausepohl feststellte, der durch das Programm des Heimatabends führte, mit dem die dreitägige Veranstaltung offiziell eröffnet wurde. Den obligaten Fassanstich führte Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeier aus. Davor und danach standen Tanz, Gesang und Musik auf dem Programm, das überwiegend von heimischen Akteuren ausgeführt wurde. 
Auch für den historischen Part der dreitägigen Veranstaltung war unser Heimatverein zuständig. Gekleidet in vom Dortmunder Theater ausgeliehenen Kostümen stellten Mitglieder eine alte Episode aus dem Jahr 1698 nach, in der es u. a. (mit Bezug das Michaelisfest) um die Erneuerung der Marktrechte für den „Flecken Mengede“ durch den Kurfürsten Friedrich III. ging. Helmut Palm spielte den fürstlichen Boten, Jürgen Karlshaus den Vertreter des Ortes, der die Urkunde in Empfang nahm. 
Weiter beteiligte sich unser Heimatverein auch an einer Aktion zur Gestaltung des Ortskerns, in der Grundschüler aufzeigen konnten, welche Veränderungen sich Kinder für den Bereich zwischen 1000-Jahrfeier-Brunnen, der ja in unserem Auftrag wieder „flüssig“ gemacht werden soll, und Amtshaus-Park vorstellen können. Bezirksbürgermeister Bruno Wisbar versprach prüfen zu lassen, was davon machbar ist. Gleichzeitig stellten wir auch die Planungen für den Brunnen vor. 
Außerdem bot das Fest heimischen Sportvereinen die Möglichkeit, sich öffentlich zu präsentieren. Ein weiterer Höhepunkt war eine interkulturelle Veranstaltung mit Musik, Tanz und Gesang aus Sri Lanka, Polen, Russland und der Türkei. Und weil es sich beim Michaelistag in der Vergangenheit um ein Marktereignis gehandelt hatte, beteiligten sich natürlich auch die Mitglieder des Gewerbevereins. Sie boten am letzten Festtag in ihren Geschäften und in einer „Zeltstadt“ davor ihre Waren feil. 
Der Heimatverein Mengede hat, sich u. a. die Aufgabe gestellt, Heimatforschung, verbunden mit Brauchtumspflege, Denkmalinstandhaltung und historische Ausstellungen durch zu führen. Im Rahmen dieser Aufgaben wurde 2004 in unserer Heimatstube die erste Krippenausstellung durchgeführt. Wilfried Jürgens hatte diese Ausstellung zum ersten Mal zusammengestellt. Nach einem Aufruf in der örtlichen Presse stellten Mitbürger 13 Familienkrippen zur Verfügung.
Mit 13 Krippen sind wir also angefangen. Es war ein kleiner Erfolg, der uns ermutigte, in den nächsten Jahren erneut eine Krippenausstellung zusammen zu tragen. Da in der Ausstellungszeit der traditionelle Nikolausmarkt vom Heimatverein organisiert wird, schien der Arbeitsaufwand für den Vorstand übermächtig zu werden. 
Helmut Palm, Heinz Treppner und Rolf Krönke erklärten sich spontan bereit, eine erneute Krippenausstellung zu organisieren. 34 Krippen kamen 2005 zur Ausstellung und es zeichnete sich ab, dass die Heimatstube für weitere Ausstellungen zu klein war. Diese Ausstellung hatten etwa ca. 400 Besucher gesehen und Ihre Anerkennung ausgesprochen. 
Zur Vorbereitung der Ausstellung hatte ich jeden Krippenaussteller oder Krippenbauer aufgesucht und mir die Geschichte seiner Krippe, die manchmal rührend oder auch oftmals historisch war, erzählen lassen. Diese kleinen Geschichten rundeten schließlich die vielen persönlichen Führungen ab.
Viele Besucher wollten daraufhin im Folgejahr ebenfalls eine Krippe ausstellen. Wir mussten ein neues Lokal finden, denn im Jahre 2006 hatten wir bereits 55 Ausstellungskrippen beisammen. Diese Ausstellung wurde in der ehemaligen Boutique Lilo – Ladenlokalbesitzer Karl Drumann - durchgeführt.
Schwerpunkte der Ausstellungen hatten wir bisher nicht festgelegt. Jedoch konnten wir in jedem Jahr eine besondere Krippe als Höhepunkt aufweisen. Viele Krippen wurden nicht in Deutschland gefertigt, sondern wurden in verschiedenen Ländern und Erdteilen gebaut oder gefertigt. Unsere Exponate werden während den Ausstellungen mit einem Gesamtwert von 
50 000,- Euro versichert. 
Ich darf auch sagen, dass ich evangelisch bin und meine Eltern in den Kinderjahren jedes Jahr einen Tannenbaum aufgestellt hatten. Eine Krippe habe ich jedoch in meiner Kindheit nicht gekannt. Doch mit der Durchführung der Krippenausstellungen in unserem Heimatverein bin ich nicht nur Krippenfreund, sondern auch Krippennarr geworden. Es bereitet mir in jedem Jahr immer wieder eine riesige Freude, die Krippenausstellung zu organisieren und aufzubauen. Gerne bin ich auch Mitglied der Landesgemeinschaft  Krippenfreunde Rheinland und Westfalen geworden. Ich habe hier vieles über Krippentraditionen erfahren und freue mich, wenn ich die Infozeitung Krippenbrief lesen kann. 
Im Jahre 2007 konnten wir in dem festlich geschmückten Saal der ehemaligen Gaststätte „Im Krug zum grünen Kranze“ 66 Weihnachtskrippen ausstellen und zählten innerhalb der 1. Adventswoche rund 800 Besucher. Kindergärten und Grundschulen wurden zum Besuch eingeladen und zählten gerne zu den Gästen. Im Rahmen der Führungen wurde die Weihnachtsgeschichte und andere vorweihnachtliche Bräuche oder Kurzgeschichten vorgelesen. 
Eine Aquarellmalerei-Ausstellung mit vorweihnachtlichen und anderen Motiven fand im Gaststättenraum statt. Das Krippenausstellerteam bedankt sich dafür herzlich bei unserem Mitglied Margret Kraft. 
Seit 2 Jahren haben wir auch ein Krippencafe integriert. Unsere Besucher können hier bei Kaffee, Kuchen und Buschmann-Waffeln die Ausstellung Revue passieren lassen. Nicht nur die örtlichen Zeitungen, sondern das Dortmunder Stadtfernsehen haben von dieser Krippenausstellung berichtet. 
Zahlreiche örtliche Politiker so wie der stellvertretende Oberbürgermeister der Stadt Dortmund haben die Ausstellung besucht. Besonders haben wir uns gefreut, dass auch Pater Thomas aus Indien Gast unserer Ausstellung war. Die Verbindung dazu hat uns eine Krippenausstellerin aus Dortmund-Derne, die auch alljährlich eine Ihrer Krippen im Krippenmuseum Telgte ausstellt, ermöglicht. 
In diesem Jahr findet die Krippenausstellung vom 29.11. bis 07.12.2008  im evangelischen Gemeindehaus in Dortmund–Bodelschwingh statt. Die ersten Vorbereitungen wurden bereits durchgeführt. Der Gemeindesaal steht uns ca. eine Woche vorher für den Aufbau zur Verfügung. Höhepunkt wird voraussichtlich ein verkleinerter Nachbau der 1. Evangelischen Holzkirche aus Nette sein. Der Künstler hat dort eine weihnachtliche Krippe integriert. Das Krippenteam erhofft sich wieder solch einen Erfolg wie in den Vorjahren.

Rolf Krönke




Denkmalserie (9)

Ehrenmal in Nette

Sprayer verschandeln immer wieder den Block aus Sandstein



Das Denkmal an der Mengeder Straße in seinem 
ursprünglichen Zustand
Das unansehnlichste Ehrenmal für im Ersten Weltkrieg Gefallene im Stadtbezirk ist das in Nette. Es steht im Hof der früheren Netter Dorfschule, im Schatten der drei im Jahr 1888 gepflanzten Kaiser-Eichen an der Mengeder Straße, nachdem es Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts durch die Stadt Dortmund nach der Verbreiterung des Nettebaches dorthin verlegt worden war.Heute ein monolithischer Block, den auch gelegentliche Farbanstriche durch die Netter Bürgerschützen nicht vor Sprayer-Attacken bewahren konnten. Der Zustand ist miserabel und eines Denkmals - egal wie man dazu steht - unwürdig. Der Ruhrsandstein, aus dem es eigentlich besteht, ist unter den Farbanstrichen verschwunden.
Für die Errichtung des Denkmals hatte sich in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts die damalige Kriegerkameradschaft 14/18 stark gemacht, deren Vorsitzender der Schichtmeister Heinrich Netthöfel war. Sie wollte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Netter erinnern. Gegen den Plan hatte die SPD im April 1930 in der Stadtverordneten-Sitzung gestimmt. Auch der Vertreter der Kriegsbeschädigten hatte sich gegen das Denkmal ausgesprochen. Seiner Meinung nach würden die gefallenen Krieger besser durch „die Errichtung von Heimen aller Art“ geehrt.Doch sieben Jahre später – im so genannten Dritten Reich – gab es von den braunen Machthabern grünes Licht. Das Grundstück stellte der Netter Landwirt Wilhelm Schween zur Verfügung. Entworfen und errichtet wurde das Ehrenmal von dem Huckarder Steinmetz Langenbach. Er schmückte den Sandstein mit dem  Hoheitsabzeichen der NSDP und dem eingemeißelten Spruch „Sie lebten für uns – sie starben für uns – und sollen leben in uns“.
Die Kosten für die Errichtung und die Pflege wurden von der Kriegergemeinschaft übernommen. Die Übergabe erfolgte am 19. September 1937. An der Enthüllung nahmen neben der Bevölkerung Vertreter der Nazi-Partei, der Wehrmacht, der Polizei und der Industrie teil. 
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden das Denkmal „entnazifiziert“, indem sein Nazi-Symbol entfernt wurde. Die Pflege übernahmen anfangs die Freiwillige Feuerwehr und die Bürgerschützen aus Nette. Danach fiel es in die Obhut der Stadt, die sich aber offensichtlich nicht besonders für den heutigen Zustand zu interessieren scheint.

Karlheinz Bohnmann



Sagen und Legenden (5)

Der Herr und der Teufel

Als Christus der Herr und Petrus auf ihrem Wege durch Westfalen das Emschertal verlassen hatten, führte sie der Weg in das Land zwischen Emscher und Lippe. Es ist ein sehr abwechslungsreicher Landstrich mit sandigen Heideflächen und Wäldern, aber auch mit saftigen Weiden und fruchtbaren Ackerböden. Die Nebenbäche von Emscher und Lippe waren fischreiche Gewässer und es herrschte ein angenehmes Klima.
Auf dem Wege durch dieses Land kreuzte plötzlich der Teufel auf und fragte den Herrn: „Warum hast Du dieses Land nicht mit Menschen besiedelt?“ Der Herr gab ihm zur Antwort: „Wohl ist es ein Land, das wert ist, den Menschen zur Wohnstatt zu dienen, zumal Du nicht alle Vorzüge gepriesen hast. Tief unten in der Erde, auch Deinen Blicken verborgen, liegt ein wertvolles Gestein. Die Leute werden es Kohle nennen und es zum Heizen benutzen. Doch das wird erst nach Jahrhunderten geschehen. Wenn diese Zeit gekommen ist, braucht man Menschen, die kräftig und zäh wie die Emscherleute, aber auch klug und mutig sind, damit sie etwas ganz Neues mit Lust und Freude unternehmen. Die Kunde von den unterirdischen Schätzen wird Menschen aus allen Nachbarländern herbeilocken. Sie werden zusammen mit einem derben, wetterfesten einheimischen Bauernschlag, der hier siedeln wird, das Gebiet zu großer Blüte bringen. Wer dann von den Höhen zwischen Emscher und Lippe seinen Blick über das weite Land schweifen lässt, wird saftig grüne Wiesen, bunte Heidflächen und wogende Kornfelder erblicken, aus denen sich Städte und große Werke mit riesigen Schloten erheben. Auf den Straßen des Landes wird ein reger Verkehr pulsieren und ein wohlhabendes Volk wird zufrieden das Leben genießen.“ 
Danach schwieg der Herr und zusammen mit Petrus ließ er den Blick über das stille Land schweifen.
Der ungläubige Teufel zweifelte und wollte dem Herrn zunächst widersprechen, sagte dann aber nur: „Wir werden uns im 20. Jahrhundert hier wieder sprechen.“ 
Anmerkung: Die Kohlebergwerke entlang der Emscher von Gneisenau (Derne) über Minister Stein (Eving), Hansa (Huckarde), Westhausen (Westerfilde/Bodelschwingh), Hansemann (Mengede) bis Victor (Ickern) wurden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Als Bergleute wurden neben den einheimischen Arbeitern insbesondere Bergleute aus Polen, Türkei, Jugoslawien und Spanien angeworben. Die Bildung der Ruhrgebietsgroßstädte erfolgte im Zuge der kommunalen Neugliederung bis 1928, als auch Mengede seine Selbständigkeit verlor und nach Dortmund eingemeindet wurde.

Paul Gausepohl, 2007

Quellen:
Karl Kanja, Der Herr und der Teufel im Vest, Vestischer Kalender 1929, S. 72 
Adelheid Kollmann, Sagen aus dem Vest, Recklinghausen 1994 
Mündliche Überlieferung StudDir. i. R. Heinrich Drees (+)




100 Jahre Autokennzeichen

Und wie waren Mengeder Fahrzeuge beschildert ?
Das abgebildete Kennzeichen fand der Apotheker Wilhelm Tackenberg in seiner Garage und es ist zu vermuten, dass es an einem Fahrzeug seines Vorgängers Eugen Eick angebracht war. Anlass für uns, die Geschichte der Kennzeichnung von Fahrzeugen zu recherchieren und herauszufinden, welche Kennzeichen Bürger unseres Stadtbezirkes in den vergangenen 100 Jahren an ihren Autos befestigt hatten. Auf der Pariser Weltausstellung 1889 wurden erstmalig Autos und Motorboote gezeigt und 1894 wurde auf der Strecke Paris Rouen das erste Automobilrennen der Welt gestartet.

In Deutschland fand das erste deutsche Autorennen 1898 von Berlin nach Potsdam statt und 1899 war in Berlin die erste internationale Motorwagen-Ausstellung. Ein Jahrhundert neigte sich dem Ende, in dessen letzten vier Jahrzehnten der Automobilbau eine lebhafte Entwicklung genommen hatte. 36 Firmen produzierten um die Jahrhundertwende in Deutschland bereits Benzinautos, 12 Firmen widmeten sich der Entwicklung der Elektromobile und die Zahl der produzierten Kraftwagen in unserem Land war die dritthöchste nach Frankreich und Amerika. Die Engländer hatten die Entwicklung verschlafen, denn erst 1895 wurde ein altes Gesetz aufgehoben, wonach vor jedem pferdelosen Wagen in 100 Meter Entfernung ein Mann mit einer roten Warnflagge hergehen musste und solche Fahrzeuge nicht schneller als 4 km in der Stunde fahren durften.
Die Entwicklung des Straßenverkehrs im letzten Drittel des 19. Jh. machte auch die Kennzeichnung der Fortbewegungsmittel erforderlich. Die älteste bekannte Kennzeichnung von Fahrzeugen ist nach den Recherchen des Nummerschildmuseums in Großolbersdorf (Erzgebirge) die Nummerierung römischer Streitwagen. In Deutschland begannen einige Behörden zwischen 1870 und 1890 Nummernschilder für Fahrräder vorzuschreiben, um dadurch die häufiger werdenden Fälle von Fahrerflucht nach Unfällen zu verhindern. Die erste Befestigung eines Nummerschildes an einem Auto erfolgte nach den Erkenntnissen des Museums 1896 in Baden.
Andere Bundesstaaten folgten, doch die zunehmende Motorisierung machte schließlich eine einheitliche Ordnung über die Grenzen der Bundesstaaten erforderlich. Die so genannte Automobilpolizeiverordnung vom 27. September 1905 für den Betrieb von Automobilen und Motorrädern auf dem Gebiet der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder regelte u. a. auch die Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge. 
Diese erste, einheitliche Regelung trat am 1. Oktober 1907 für 26 Länder des Deutschen Reiches in Kraft. Sie bestand aus einer römischen Ziffer für das Territorium und eine zweite stand für die jeweilige Provinz. Mengeder Kraftfahrzeuge trugen fortan „IX“ (I = Preußen und X = Westfalen) und eine Nummer und Bestand hatte diese Regelung über vier Jahrzehnte (s. Abb. Am Anfang des Beitrages).


Pütthoffs Mercedes-Benz 
auf dem Knappenfest 1950 
mit dem Kz BR 35*8132

Ende 1945 führte jede Besatzungsmacht ihre eigene Kennzeichnung durch. Neu zugelassene Fahrzeuge in Mengede trugen während dieser Zeit die kaum noch bekannte Kennung „ARN“, nach Arnsberg, dem Sitz der Bezirksregierung. 1947 folgte auch in unserer britischen Zone eine bereits durch Amerikaner und Franzosen in ihren Zonen eingeführte Beschilderung. Diese Kennung, die mit einem „BR“ oder „R“ begann, hatte Bestand bis zur Einführung der heutigen Nummernschilder. Kennzeichnungspflichtige Fahrzeuge in unserem Stadtbezirk begannen nach dem BR oder R mit den Ziffern 35, 36 oder 37, die für die Stadt Dortmund reserviert waren. 
Das heutige System wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1956 eingeführt und nach der Wiedervereinigung 1990 auch auf die ostdeutschen Bundesländer übertragen. Derzeit existieren in Deutschland zwei unterschiedliche Versionen der Kennzeichen. Es handelt sich dabei zum einen um die älteren, seit 1956 verwendeten sog. DIN-Kennzeichen, genannt nach ihrer Schriftart, welche nach DIN 1451 festgelegt ist, zum anderen seit 1994 um die neuen Euro-Kennzeichen mit der so genannten FE-Schrift (FE = fälschungserschwerend). Bei der FE-Schrift unterscheiden sich die Buchstaben deutlicher voneinander als bei der alten DIN-Schrift, so dass Manipulationen erschwert und automatische Erkennung mit Kamerasystemen erleichtert werden. Der Nachteil ist, dass die FE-Schrift für den Menschen etwas schlechter lesbar ist als die DIN-Schrift. Seit dem 1. November 2000 werden von den Zulassungsstellen nur noch Euro-Kennzeichen ausgegeben und seit dieser Zeit kann auf das ovale Nationalitätszeichen „D“ am Fahrzeugheck verzichtet werden.

fhv





Plattdeutsch in Mengede

Liebe Leser,
nach langer Zeit ergänzen wir ein Heimatblatt wieder mit einer Sonderbeilage. Wie wir bei einigen plattdeutschen Abenden feststellen konnten, hat die plattdeutsche Mundart in unserer Region immer noch ihre Liebhaber und darum beginnen wir heute mit der Wiederholung einer Serie, die vor rund 60 Jahren die Leser der „Mengeder“ köstlich unterhalten hat. Viel Spaß auch Ihnen mit diesem kleinen Beitrag.

Ihre Redaktion


Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16, 44359 DO (0231-335629) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14, 44359 DO (0231-337690)
 
 
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