Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 20 29. Juni 2007 6. Jahrgang
EP 0,50 Euro



Liebe Leserinnen und Leser,
in Bodelschwingh sind die Vorbereitungen zur 685. Bodelschwingher Kirmes getroffen, Familien, Vereine und Verbände haben ihre Termine für einen gemütlichen Bummel abgestimmt und hoffen, dass auch das Wetter zur diesjährigen „Kirchweih“ mitspielt.
Wir haben aus Anlass der Ausdehnung unseres Heimatvereins auf Bodelschwingh und Westerfilde eine kleine Ausstellung über das Geschehen in diesen Orten vorbereitet und würden uns freuen, wenn Sie auch einen Besuch bei uns im ev. Gemeindehaus in Ihren Kirmesrundgang einplanen würden. Den Schwerpunkt dieser Ausgabe bilden wegen des „Feiertages“ in Bodelschwingh Beiträge aus Bodelschwingh und Westerfilde. 
„Geboren in …“ haben wir eine kleine Serie betitelt, mit der wir heute beginnen. In dieser Serie wollen wir vom Leben und Wirken im Stadtbezirk geborener Personen berichten, die von hier in die Welt zogen und fern der Heimat beruflich Karriere machten. 
Einen schönes Kirmeswochenende und einen hoffentlich angenehmen Sommer wünscht Ihnen

Ihre Heimatblätterredaktion

Seit zig Jahren hat das Kettenkarussell seinen Stammplatz


Die Themen dieser Ausgabe: • Ehrenmale in Bodelschwingh und Westerfilde
• Nashörner in Bodelschwingh 
• Bayernherzog stand in Bodelschwingh vor Gericht 
• Geboren in Mengede … 
• Ein Bild aus alten Tagen
• Impressum







Denkmalserie (6)

Die Ehrenmale in Bodelschwingh und Westerfilde


Bomben zerstörten Westerfilder Denkmal
Bei der Einweihung im Jahr 1927 flossen auch Tränen / Geld für Wiederaufbau fehlte
Auch in Westerfilde stand früher ein Ehrenmal. Wie in Bodelschwingh kam die Initiative dazu auch vom dortigen Krieger- und Landwehrverein. Allerdings erst 15 Jahre später. Problem war natürlich wieder die Finanzierung. Der Bodelschwingher „Mutterverein“ stiftete bei der Einweihung einen „Baustein“ in Höhe von 100 Mark. Für Geld in der Denkmalkasse sorgten auch die heimischen Fußballer. Am 21. April 1929 trug eine Kombination aus TuBV (heute „Mengede 08/20“ und Germania Westerfilde) ein Benefizspiel gegen Germania Dortmund aus.

In der Ankündigung für das Spiel hieß es im „Dortmund- Mengeder Lokalanzeiger“ u. a. 
„Der Reinertrag ist für das Kriegerdenkmal in Westerfilde bestimmt." Alle Zuschauer, auch die Vereinsmitglieder, haben eine Eintrittskarte zu 59 Pfennig zu zahlen. 
Eingeweiht wurde das Denkmal am Sonntag, dem 2. Juni 1929, als der Krieger- und Landwehrverein vom 1. bis 3. Juni sein 25-jähriges Bestehen feierte. Im Bericht des Lokalanzeigers von damals hieß es über die Denkmalenthüllung: „Schon um 5 Uhr durchzog das gut geschulte Trommlerkorps von Westerfilde die Ortschaft. In den frühen Morgenstunden kamen die Nachbarvereine angezogen; überall sang und klang es von Musikkapellen, die die Vereine heranführten. Um 3 Uhr (Anmerkung: gemeint ist 15 Uhr) setzte sich der lange Festzug in Bewegung, man marschierte zum Denkmal. Der große Platz fasste kaum die Menge.“ Die Enthüllung nahm „mit kernigen Worten“ ein Major Walter vor. Ehe dann Pfarrer Schwarze „die eigentliche, tief zu Herzen gehende“ Einweihung vornahm „krachten drei Salven“. Umrahmt wurde „die würdige, vornehme Feier“ durch Gesangvorträge der vereinigten Gesangvereine „Sangeslust“ und „Hoffnung“.


Ein Anziehungspunkt nicht nur für die Kinder:
Das Denkmal in Westerfilde
Nach dem von einer Kapelle intonierten „Lied vom guten Kameraden“ senkten sich die Fahnen. „Mit entblößten Häuptern umstanden die Kameraden das Denkmal. Da sah man manche Tränen schimmern und schwerer Ernst lag über der Versammlung.“ Zum Abschluss der Feier versprach Vorsitzender Strunk im Namen des Westerfilder Vereins, dass man das Denkmal, „hegen und pflegen“ wolle. 
Damit war es spätestens am 7. März 1945 - kurz vor Kriegsende - vorbei, nachdem Bomben das Denkmal, das auf der Grünanlage in Höhe des Hauses Westerfilder Straße 57 auf einem Grundstück stand, das die damaligen Vereinigten Stahlwerke AG zur Verfügung gestellt hatte, so schwer beschädigten, dass an einen Wiederaufbau (zudem hatte man damals andere Probleme) nicht zu denken war. 
Inzwischen erinnert nichts mehr an das frühere „Kriegerehrenmal“.

Franzosen nahmen Bismarck mit
Denkmal in Bodelschwingh erinnert auch an die Befreiungskriege gegen Napoleon
In Bodelschwingh hatte der Krieger- und Landwehrverein nach den „ruhmreichen Kriegen von 1864 und 1869“, so ein alter Zeitungsbericht, den Entschluss gefasst, zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges von 1813/15 ein Monument zu errichten.
Weil die Bodelschwingher Veteranen wohl guten Willens, aber finanziell nicht in der Lage waren, „ein würdiges Denkmal“ zu errichten, schaltete sich 1903 die Gemeinde ein. Der ehemalige Gemeindevorsteher (damals gehörte Bodelschwingh zum damals noch selbstständigen Amt Mengede) und Betriebsführer Konrad Bredenbruch erbat sich von der Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft (damals Eigentümerin der früheren Zeche Westhausen) eine „Beihülfe“ und erhielt 1000 Mark.
Der Denkmalausschuss entschied sich für „ein möglichst einfaches wuchtiges Denkmal ohne Standbild“, das dann 1904 auf dem kleinen Hügel an der Deininghauser Straße, auf dem es heute noch seinen Platz hat, aufgestellt werden konnte. Die Ausführung hatte die Dortmunder Firma Ochs übernommen. Ihr Modell hatte den meisten Anklang gefunden. Insgesamt hat das Denkmal 6000 Mark gekostet. 
Inzwischen stehen die Jahreszahlen von vier Kriegen auf der Stehle: 1813-1815, 1870-1871, 1914-1918, 1939-1945. Soweit bekannt ist, dürfte das Bodelschwingher Denkmal das einzige in Dortmund sein, das an die Befreiungskriege gegen Napoleon erinnert.
An der Vorderfront des Denkmals waren drei Reliefs mit den Köpfen von Kaiser Wilhelm I., Fürst Bismarck und des Grafen Moltke und auf zwei Bronzetafeln die Namen der 1870 in der Schlacht bei Mars la Tour gefallenen Bodelschwingher angebracht. Die Enthüllung und feierliche Weihe erfolgte am 14. Februar 1904

Nach gründlicher Restaurierung wird das Denkmal an der
Bodelschwingher Straße wieder eingeweiht
durch den Gemeindevorsteher Konrad Bredenbruch.Während der Ruhrbesatzung (1924/25) wurde auch Bodelschwingh von den Franzosen besetzt. Während dieser Zeit verschwanden die Reliefs Bismarcks und Moltkes. Man nimmt an, dass sie von den Franzosen demontiert und mitgenommen worden sind. Das Ehrenmal musste renoviert werden. 
Die Wiedereinweihung fand am ersten Dezember-Sonntag des Jahres 1927 statt. Die Ansprache hielt diesmal der Land- und Gemeinderat Dr. Klauser. Er wandte sich laut einem damaligen Zeitungsbericht mit pathetischen Worten an „deutsche Frauen und Männer“. Weiter hieß es in dem Bericht: „Mit dem Treuegelöbnis unter den Klängen des Martin-Luther-Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“ fiel die Hülle und das Denkmal erstand in seiner ganzen Pracht.“ Im zweiten Weltkrieg verschwanden die Metallteile des Denkmals erneut. Sie wurden für die Waffenproduktion des Großdeutschen Reiches benötigt. Eine erneute Rekonstruktion war schon einmal angedacht. Doch bei der Idee ist es bisher geblieben.

Karlheinz Bohnmann










Nashörner wälzten sich in Bodelschwingh in der Ruhr


Bei Ausgrabungen wurden auch Mammutknochen gefunden / Gestein aus dem Sauerland

Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass sich einst dort, wo heute Bodelschwingh liegt, die Ruhr ihren Weg durch die Landschaft bahnte. In der Tat floss sie ursprünglich aus Richtung Witten kommend nach Norden durch Langendreer, Bodelschwingh und Castrop-Rauxel, um dann wieder in Richtung Westen – zum Rhein hin – abzubiegen. Von unterwegs brachte die ungebändigte Ruhr allerlei schweres Gestein aus dem Sauerland mit. 
Durch die heutige dichte Bebauung ist allerdings kaum noch zu erkennen, wie hügelig eigentlich das Bodelschwingher Gebiet ist. So liegt der Bereich um Schloss und Kirche auf einer Anhöhe von rund 87 m und der Bodelschwingher Berg sogar 120 m über dem Meeresspiegel. 
Wie an Funden, die beim Bau der Autobahn und bei der  Regulierung der Emscher gemacht wurden, zu erkennen war, lebten im heimischen Raum einst seltene Tiere, die heute in unseren Breiten höchstens - wenn überhaupt noch - im Zoo anzutreffen sind. Ausgegraben wurden beispielsweise Knochen von Riesenhirschen, Mammuts und Nashörnern. 
Auch menschliche Spuren aus der jüngeren Steinzeit und aus der frühen Bronzezeit wurden im Boden entdeckt. Von den ersten Stämmen, die in unserer Heimat lebten, sind allerdings keine Namen bekannt. Ihnen folgten - ab etwa 400 n. Chr. – dann Kelten, Sugambrer und Sigambrer. Die ersten festen Siedlungen legten dann wohl die Brukterer an. Sie waren auch die ersten, die sich  landwirtschaftlich betätigten. 
Um 700 n. Chr. eroberten dann die Sachsen unsere Gegend. Sie setzten ihre Edelinge als Verwalter ein. Im Gegensatz zu den Häusern aus Holz und Lehm der bisherigen Dorfbewohner ließen sich die neuen Herren Gebäude aus Bruchstein errichten. Wahrscheinlich geht auf diese Zeit auch der Ursprung des Hauses Bodelschwingh zurück.
Karlheinz Bohnmann








Bayernherzog stand in Bodelschwingh vor Gericht


Am Schloss wurde Recht gesprochen / Galgen stand in Nette
Das Haus Bodelschwingh, heute nur noch ein bauliches und beschauliches Kleinod, spielte einst in der Geschichte eine bedeutende Rolle. 1336 erkauften sich die Adelsherren die Gerichtsbarkeit über das Haus und das Dorf Bodelschwingh. Das Gericht tagte unweit des Schlosses am Hagedorn.
Leichte Vergehen wurden mit dem Pranger bestraft. Stundenlang mussten die Verurteilten am Schandmal stehen. Schwere Untaten endeten am Galgen, der übrigens in Nette stand. 
Die Gerichtsbarkeit festigte nicht nur die Macht der Schlossherren, sondern füllte ihnen auch die Schatztruhe. Diese hießen bis Mitte des 14. Jahrhunderts „von Bodelschwingh genannt Specke“. Eine weitere wichtige Einnahmequelle war die mit der Gerichtsbarkeit verbundene Zollhoheit über die diesen Bereich berührenden Straßen von Recklinghausen nach Dortmund und von Bochum nach Lünen. 
Noch bedeutender war später das Frei- und Femegericht, das sich beispielsweise sogar mit bedeutenden Reichs- und Hansestädten sowie mit dem Deutschen Ritterorden zu beschäftigten hatte. Und mit Heinrich von Bayern stand von 1427 bis 1430 sogar ein Herzog in Bodelschwingh vor Gericht.

Karlheinz Bohnmann








Geboren in Mengede … (1)

Dr. Gisela Berglund


Eine berufliche Karriere im Hohen Norden
Nachdem die „Heimatblätter“ vor einiger Zeit über die berühmte Mengederin Christel Goltz berichtet haben, die als Sopranistin sogar Weltruhm erlangt hatte, wollen wir die Aufmerksamkeit unserer Leser heute auf eine andere Mengederin richten, die mit ihren insgesamt 48 Lehrbüchern für Germanistik weit über die Grenzen ihrer Wahlheimat Schweden bekannt geworden ist. Ihr Name ist Frau Dr. phil. Gisela Wohlgemuth-Berglund, ebenfalls eine gebürtige Mengederin.
Geboren 1929 in der Haberlandstraße in Nette, aufgewachsen in der Schragmüllerstraße in Oestrich, wo sie auch die Volksschule besuchte. Dann absolvierte sie die Mengeder Mittelschule, das Goethe-Lyzeum in Dortmund, zuletzt, am Ende der Kriegswirren ein Lyzeum in Detmold, von wo sie im Mai 1945 zu Fuß nach Mengede zurückgekommen ist. Das Abitur legte sie in der Mädchenoberschule in Castrop ab und nach ihrer Übersiedlung nach Schweden erneut in schwedischer Sprache am Gymnasium in Karlskrona.

Dr. Gisela Berglund


Als ehemaliges Au-pair-Mädchen lernte sie in Göteborg den Socionom Olof Berglund kennen, mit dem sie seit 1950 verheiratet ist. Nachdem ihr Mann eine Stelle als Kommunalkamerer bei Ronneby erhalten hatte, studierte sie Germanistik, Geschichte, Staatswissenschaft, Ökonomie und Pädagogik und legte schließlich ihr pädagogisches Examen an der Lehrerhochschule in Hälsingborg ab. Ihr Doktorexamen machte sie mit der Abhandlung „Deutsche Opposition gegen Hitler im 3. Reich“ in Stockholm, wobei ihre umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen in ihrer Promotionsschrift auch in bedeutenden deutschsprachigen Zeitschriften wie zum Beispiel u. a. der Zeit, der „Frankfurter Allgemeinen“, der „Süddeutschen“, äußerst positiv besprochen worden sind. Anschließend verfasste sie noch ihre Habilitationsschrift als Dozentin in Germanistik an der Universität Stockholm. Danach hatte sie eine Stelle, vergleichbar mit einer deutschen Studiendirektorin, am Gymnasium in Ronneby, Provinz Blekinge erhalten. Sie fand keine - ihrer Meinung nach - geeigneten Lehrbücher für den Deutschunterricht vor und hat dann selbst diese Lehrbücher verfasst, in denen auch häufig in Wort und Bild Beschreibungen von Dortmund und Mengede vorkommen. Diese Bücher wurden auch in Dänemark, Norwegen und den Niederlanden als Deutschlehrbücher verwendet. Es handelt sich um nicht weniger als 14 Lehrbücher sowie eine Fülle von weiteren Bearbeitungen der deutschen Literatur.
Es ist nahezu unmöglich, eine Gesamtfassung ihres literarischen Wirkens unseren Lesern vorzustellen. 
Sie lebt heute noch mit ihrem Mann in ihrem Haus in Ronneby, von wo sie selbst bis vor zwei Jahren noch an der Technischen Universität in Karlskrona Vorlesungen gehalten hat. Außerdem hält sie immer noch wissenschaftliche Vorträge in Deutsch und Schwedisch.
Sie hat bei all ihrer Berühmtheit stets ihr bescheidenes und freundliches Wesen bewahrt und hält heute noch Kontakt zu früheren Mengeder Bekannten und Freundinnen, den sie nie aufgegeben hat, vor allem natürlich den Kontakt zu ihrem inzwischen verstorbenen Bruder Johann Wohlgemuth, der als Kulturredakteur bei der Westfälischen Rundschau tätig war und seiner Familie. Darüber hinaus haben viele Mengeder Freunde sie im Urlaub in der herrlichen schwedischen Landschaft Blekinge regelmäßig besucht, darunter auch die Unterzeichnenden. Dabei haben wir festgestellt, dass nicht nur von unermüdlicher Schaffenskraft ist, sondern auch ein liebenswertes Hobby hat: Sie ist eine ausgezeichnete Köchin!

Ingrid und Gerhard Westphal









Ein Bild aus alten Tagen


Erinnern Sie sich?

Die drei Herren, westfälische Wandermusikanten, waren ständige und gern gesehene Kirmesgäste.

Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16 - 44359 DO (0231-335629) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14 – 44359 DO (0231-337690)

 
 
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