Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 18 7. Februar 2007 6. Jahrgang
EP 0,50 Euro


Die Themen dieser Ausgabe: • Erster Stammtisch 2007
• 21. Mengeder Nikolausmarkt
• Ehrenmal an der Adalmundstraße
• Brauchtum zum Dreikönigstag
• Lichtmess– einst nicht nur kirchlicher Feiertag
• Bodelschwingher Biertransporter im Brauereimuseum
• Impressum






Erster Stammtisch im Jahr 2007


Der bereits im Jahre 2003 jeweils am ersten Mittwoch im Monat eingerichtete Stammtisch tagte am 3.1.2007 in der Gaststätte Westfalenhof, Inhaber Bodo Kaffsack. Mehr als 30 Vereinsmitglieder zeigten Interesse an Information aus dem aktuellen Vereinsleben.
Der Vorsitzende des Vereins, Paul Gausepohl, übermittelte zunächst herzliche Grüße zum Neuen Jahr 2007 und wünschte allen Mitgliedern alles erdenklich Gute. Danach bedankte er sich bei den zahlreichen Helferinnen und Helfern für den beispielhaften Einsatz bei der Vorbereitung und Durchführung der Vereinsveranstaltungen. Es bestehe eine große Bereitschaft im Heimatverein, mit viel Kreativität und aktivem Einsatzwillen die Lebensqualität in unserem Stadtbezirk Mengede zu verbessern und dabei die Tradition und das Brauchtum zu bewahren. Diese Bereitschaft der Mitglieder wünscht sich der Vorstand auch für die zukünftige Arbeit.
Die im Dezember 2006 durchgeführten Veranstaltungen (Nikolausmarkt und Krippenausstellung) haben in der Bevölkerung gute Resonanz gefunden. Beim dreitägigen Nikolausmarkt wurden mehr als 4.000 Besucher gezählt, bei der 10-tägigen Krippenausstellung einschließlich Kindergartengruppen und Schulklassen nahezu 1.000. In der von Rolf Krönke, Helmut Palm und Heinz Treppner organisierten Krippenausstellung, die erstmals im Hause Drumann, Mengeder Str. 681 stattfand, wurden insgesamt 55 Krippen aus Mengede und Umgebung gezeigt.

Die Mengeder Straße um 1952, 
noch war die Williburgstraße „Hauptverkehrsstraße“,
unschwer an den Wegweisern Lünen 12 km und Waltrop 6 km zu erkennen.
Eine Großkrippe war vom Krippenmuseum in Telgte zu sehen. Sämtliche Exponate haben bei groß und klein aus nah und fern große Bewunderung ausgelöst, insbesondere auch durch die von den Organisatoren durchgeführten Führungen und Erklärungen. Der Vorstand bedankte sich bei allen Vereinsmitgliedern, die sowohl beim Nikolausmarkt als auch bei der Krippenausstellung mitgeholfen und mitgewirkt haben, für den selbstlosen Einsatz. 
Vorausschauend auf 2007 wurde das vorläufige Jahresprogramm vorgestellt. Veranstaltungshöhepunkte sind die Jubiläumsgala des Vereins anlässlich des 5-jährigen Bestehens im März, das Osterfeuer am 7. April, das Maibaumfest am 1. Mai, das 3. Mengeder Musikfestival am 3. Juni, eine Exkursion nach Breckerfeld im Juni, das Sommerfest am 7. Juli, eine Radwandertour nach Meppen im August, der Schnadgang im Oktober sowie der Nikolausmarkt und die Krippenausstellung im Dezember. 
Der abschließende Stammtischabend in lockerer Runde behandelte sowohl „Dönekes und Vertellkes“ aus der erlebten Vergangenheit als auch aktuelle örtlich Begebenheiten, so dass sich das inoffizielle Ende der Veranstaltung bis nach Mitternacht hingezogen haben soll.

Paul Gausepohl







21. Mengeder Nikolausmarkt vom 8.-10.12.06


Der von der „Werbegemeinschaft Mengeder Markt“ im Jahre 1986 ins Leben gerufene und seit 2003 vom Heimatverein Mengede zusammen mit dem Stadtbezirksmarketing ausgerichtete Nikolausmarkt war erneut ein großer Erfolg. In Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Stadtbezirksmarketing, aber auch in Anwesenheit zahlreichen Vorstandsmitglieder befreundeter Vereine eröffneten der Vorsitzende des Heimatvereins Paul Gausepohl und der Bezirksvorsteher Bruno Wisbar den mit über 40 Ständen gut bestückten Markt. Gleichzeitig wurde die auf Initiative des Heimatvereins installierte Beleuchtung des Amtshausparkes und die Anstrahlung des vom Heimatverein restaurierten Friedhofskreuzes im Park gezündet. Trotz des sehr stürmischen Wetters waren viele Mengeder Mitbürgerinnen und Mitbürger zusammen mit den Jüngsten erschienen, um bei einbrechender Dunkelheit den Nikolaus zu begrüßen. Dieser war an allen Tagen Gast des Marktes, um auch die vom Stadtbezirksmarketing gestifteten und vom Heidebäcker Rupprecht gebackenen Stutenkerle zu verteilen.
Der Arbeitskreis des Heimatvereins, der für die Organisation und Durchführung des Marktes erstmals angesetzt war, hatte an allen drei Tagen ein reichhaltiges Programm zusammengestellt. Höhepunkte waren sicherlich die gesanglichen Darbietungen verschiedener Chöre und Solisten, aber auch eine Varieteshow mit zwei Zauberern. Das Warenangebot reicht vom Glühwein bis zur Bratwurst, vom Weihnachtsgebäck bis zu weihnachtlichem Schmuck, aber auch vom Kinderkarussell bis hin zur Verlosung. Und am Samstagnachmittag hatten die Mengeder Kaufleute bis 18 Uhr den „roten Teppich“ ausgerollt, um mit einem verkaufoffenen Samstag für ihre Angebote zu werben. Mehr als 4.000 Besucher sind Zeugnis dafür, dass der Mengeder Nikolausmarkt von Klein und Groß aus Nah und Fern angenommen wurde und daher auch im Veranstaltungsprogramm 2007 am 2. Adventssonntag wieder vorgesehen ist.

Paul Gausepohl






Denkmalserie (4)

Ehrenmal an der Adalmundstraße


Familie landete im Schmelzofen
Vom früheren „Kriegerdenkmal“ blieb nur der Sockel übrig

Von den Gedenkstätten im Ortsteil Mengede wird nur noch das einst als Kriegerdenkmal errichtete Ehrenmal vor der ehemaligen Realschule (heute Regenbogen-Schule) zwischen Adalmund- und Jonathanstraße „aktiv“ (z. B. am Volkstrauertag und bei Schützenfesten) genutzt. 
Errichtet wurde es kurz vor der Eingemeindung Mengedes nach Dortmund (1928) zur Erinnerung an die im 1. Weltkrieg (1914/28) gefallenen „Helden“.

Unterstützung fand der Vorschlag aus dem Mengeder Amtshaus bei den „militärischen Vereinen“ und bei der Leitung der Zeche Adolf von Hansemann. Der Entwurf für das Denkmal stammte von dem Hamburger Bildhauer, Prof. Artur Bock, der auch die Justitia am Oberlandesgericht seiner Heimatstadt geschaffen hatte. Eingeweiht wurde das Denkmal am 20. November 1927 nach dem Kirchgang. Wie die Mengeder Zeitung damals berichtete „unter Teilnahme der gesamten Mengeder Bevölkerung“. Weiter heißt es in dieser Schilderung, dass es sich um „eine schlichte, würdige eindrucksvolle Feier“ gehandelt hatte. Der Mengeder Amtmann Werner Pauli betonte nach einem Trommelwirbel, dass mit dem Denkmal in Ehrfurcht und Dankbarkeit der 625 Gefallenen unserer engeren Heimat, gedacht werden soll. Nach der Enthüllung und einer Kranniederlegung „rollten drei Ehrensalven über das Denkmal hin.“



Das noch vollständige Denkmal um 1930
Heute existiert von dem Ehrenmal nur noch der steinerne Sockel mit dem in einem Sarkophag liegenden gefallenen Soldaten. Die ursprünglich dazu gehörende bronzene Figurengruppe wurde im 2. Weltkrieg wegen Materialmangels für die Kriegsproduktion demontiert und eingeschmolzen. Über dieses unwiederbringlich verschwundene Ensemble hieß es in dem zur Mengeder 1000-Jahrfeier erschienen Festbuch pathetisch „ … kniet Germania wie zusammengebrochen unter der Last des Leides, aber nicht ohne mit gläubigem Auge empor zu sehen., denn ein starker Mann hält einen Knaben im Arme, der die Arme ausbreitet, einer besseren Zukunft entgegen – so ist die erhabene Idee der ganzen Figurengruppe dieses Ehrenmals der eine große Gedanke: Das Vaterland.“
Eine genauere Beschreibung der Figurengruppe findet sich in dem bereits erwähnten Bericht der „Mengeder“ über die Einweihung des Denkmals: „Mit gefesseltem Arm und gebrochenem Schwert, mit der Rechten sein Kind fest umschlungen, so schaut der Krieger ernst in die Weite. Am Sockel kniet die verlassene Frau, den Blick zum Himmel gewandt, voller Hoffnung, dass all die Opfer nicht vergeblich gewesen sind, mit dem Gebet auf den Lippen: Herr mach uns frei.“ 
Die Kosten für das Denkmal beliefen sich 1927 bei etwa 8000 Mark. Weitere 6000 Mark wurden für die Gestaltung des Platzes verwendet. Inzwischen pflegt der Mengeder Bürger-Schützen-Verein die Anlage.

Karlheinz Bohnmann







Brauchtum zum Dreikönigstag (6. Jan)


Das Matthäusevangelium des Neuen Testaments berichtet im Kapitel 2 in den Versen 1 bis 16 von den Weisen oder Magiern aus dem Morgenland, die auf Grund ihrer astronomischen und astrologischen Kenntnisse einem wandernden Stern bis nach Bethlehem folgten, um dort dem neugebornen Messias zu huldigen, ihre Schätze auftaten und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten. Im Evangelium werden die Herkunft, die Anzahl und die Namen der Weisen nicht genannt.
Die Überlieferung machte die Weisen später zu Königen. Und ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar erscheine erstmals im 6. Jahrhundert auf einem Mosaik einer Kirche in Ravenna (Italien). Die Dreikönige versinnbildlichen demnach auch die drei Lebensphasen: Jugend, Mannesalter und Greis, ferner die damals bekannten Kontinente Asien, Europa und Afrika. Nach den Apokryphen sind die Dreikönige später zu Bischöfen geweiht und im Jahre 53 nach Chr. verstorben.

Nach dem Auffinden der Gebeine wurden diese von der Kaiserin Helena (verstorben 330 n. Chr.) zunächst in Konstantinopel beigesetzt und noch im 4. Jh. Nach Mailand überführt. Als Kaiser Friedrich Barbarossa 1162 Mailand eroberte, brachte der die Reliquien als Geschenk nach Köln, wo sie heute im Dreikönigsschrein im Kölner Dom als Heilige verehrt werden.
Im Laufe der Jahrhunderte hat sich um die Dreikönige ein umfangreiches volksfrommes Brauchtum entwickelt. Unsere Vorfahren schätzen die Macht der Heiligen Drei Könige außerordentlich hoch ein und unterstellten den drei Magiern, Schutz für Haus und Hof, Feld und Flur zu verleihen und Unglück abzuwehren. Man schrieb u. a. das Dreikönigszeichen auf Papier und man heftete den Zettel an die Tür. Dabei wurden am Dreikönigstage die Häuser und Höfe mit Weihrauch beräuchert, um diese gegen Dämonen, Verhexung, Feuer und schlechtes Wetter zu schützen. Die Weihehandlungen wurden auch von frommen Weihegesängen begleitet. 
Seit Mitte des 15. Jh. Lässt sich das Dreikönigssingen in Deutschland nachweisen. Der erste westfälische Beleg stammt aus Bocholt, wo 1526 „dat spyl der hilligen Koninge“ erwähnt wird. Zahlreiche Eintragungen in Rechnungs- und Kirchenbüchern belegen, dass das Dreikönigs- oder auch Sternsingen am Ende des 16. Jh.


Sternsinger von St. Remigius auf ihrem Rundgang durch Mengede (1978)
In ganz Westfalen bekannt war. Es wurde weitgehend von Schülern, Studenten und Schulmeistern als Heischegang zur Bestreitung des Lebensunterhaltes der akademischen Jugend ausgeübt. Es wurden aber auch Gaben eingesammelt wie Mehl, Brot, Wurst und Fleisch, die an bedürftige Gemeindemitglieder verteilt wurden. 
Ende des 18. Jh. traten vermehrt Missbräuche beim Dreikönigssingen auf, als nicht nur ortsansässige Arme, sondern auch ortsfremde als wandernde Dreikönigssänger auftraten und diese Heischegänge als Bettelei empfunden wurden, die von der Polizei verfolgt wurden. Erst Anfang des 20. Jh. lebte der alte Volksbrauch des Stersingens in Westfalen wieder auf, als Mitglieder der Pfarrjugend katholischer Gemeinden für kirchliche Zwecke des eigenen Ortes oder für Missionszwecke um melde Gaben baten. 
Besondere Aufwertung erfuhr das Dreikönigsbrauchtum, als im Jahre 1958 das „Päpstliche Missionswerk der Kinder in Deutschland“ mit Sitz in Aachen den alten Brauch des Sternsingens aufgriff und vollständig in den Dienst der Mission in der Dritten Welt stellte. Dabei wurde das Missionswerk vom „Bund der Katholischen Jugend“ BDKJ unterstützt. Seither konnte Jahr für Jahr neue Pfarreien zur Teilnahme an dieser Solidaritätsaktion der Kinder für Kinder bewegt werden, so dass aus etwa 13.000 Kirchengemeinden bundesweit von 1958 bis 2006 insgesamt mehr als 385 Millionen Euro zur Förderung von mehr als 30.900 Projekten in aller Welt gesammelt werden konnten. 
Im Stadtbezirk Mengede wurde das Sternsingen bereits 1959/60 von Pfarrer Friedrich Willi in der St. Josef-Gemeinde Nette eingeführt. Im Jahre 1964 folgte die katholische Kirchengemeinde Maria Heimsuchung Bodelschwingh unter der Leitung von Vikar Hermann Klöpper. Die Pfarrjugend von St. Remigius Mengede (Pfadfinder und Messdiener) hat auf Initiative von Vikar Wolfgang Demski (heute Pfarrer in „Heilige Familie“ in Brünninghausen) mit Unterstützung von Maria Haumann sowie zahlreichen Helferinnen und Helfern das Sternsingen im Jahr 1976 aufgenommen.
Am Dreikönigstag 2007 haben in St. Remigius Mengede etwa 70 Messdiener und Pfarrjugendliche mit 18 Betreuern an der Sternsingeraktion teilgenommen und mehr als 8.000 Euro gesammelt. Bei den Hausbesuchen werden Dreikönigslieder gesungen und mit gesegneter Kreide die neue Jahreszahl mit den Buchstaben C + M + B (Christus Mansionem Benedicat = Christus segne dieses Haus) an die Haustür geschrieben. Die Sternsingeraktion wird seit 2005 auch von einer Gruppe junger Erwachsener unterstützt, die am Dreikönigstag sowohl die Marktstände auf dem Mengeder Markt als auch Geschäfte und Kneipen aufsuchten. Ferner wurde in der Adventszeit 2006 eine Aktion eingerichtet, in der die drei Könige aus der Pfarrkirchenkrippe bis zum Dreikönigstag in verschienen Geschäften mit erläuternden Texten aufgestellt wurden und am Dreikönigstag in einer kleinen Prozession den Weg zurück zur Krippe in die katholische St. Remigiuskirche fanden. 
Das Dreikönigsbrauchtum in Mengede nahm die Lokalzeit Dortmund des WDR in diesem Jahr zu Anlass, das Geschehen vor Ort aufzunehmen und am Dreikönigstag in der Hauptsendung am Abend auszustrahlen. Auch die Presse hat über die örtlichen Dreikönigsereignisse aktuell berichtet.

Paul Gausepohl







Lichtmess – einst nicht nur kirchlicher Feiertag


Fest fungierte früher beispielsweise auch als „Arbeitsmarkt“
Nur wenige wissen noch, dass das Fest Mariä Lichtmess (2. Februar) einst einer der höchsten kirchlichen und weltlichen Feiertage war, um den sich viele Bräuche rankten. Wie bei vielen anderen Festen mischten sich auch hier Überreste germanischer und römischer Kulte, die sich mit dem Ende der Winterzeit und der Rückkehr des Sonnenlichts beschäftigten, mit bäuerlichem Brauchtum, mit christlichem Gedankengut. In Europa dürfte das Lichtmessfest auch als eine christliche Reaktion auf die heidnische Tradition unserer Vorfahren gewesen sein, die diesen Tag als Frühlingsanfang begingen.
Aber erstmals wurde das Fest im vierten Jahrhundert begangen. Von den Altchristen in Jerusalem. 542 wurde es dann auf Befehl von Kaiser Justitan im gesamten Abendland eingeführt und mit Festgottesdiensten, Kerzenweihen und Lichterprozessionen begangen. 
Etwa seit dem 15. Jahrhundert wechselte das Fest mehrfach seinen Namen. Es hieß Frauentag, Lichtweih, Kerzweih, Lichtmesse, Candelsmesse und Lichtweihe. Seit der Liturgiereform in der katholischen Kirche führt es den Namen „Tag des Herrn“. Auch die lutherische Kirche behielt das Datum in ihrem Kalender. Allerdings wird der Tag nur noch in wenigen lutherschen Gemeinden gottesdienstlich begangen. 
Ursprünglich wurde Lichtmess übrigens erst am 14. Februar gefeiert, 40 Tage nach der Jesus-Geburt. Nachdem aber der Geburtstermin (auch von der Ostkirche) auf den 25. Dezember verlegt wurde, wanderte auch Lichtmess auf den 2. Februar. Das freigewordene alte Datum wurde zum Valentinstag. In früheren Zeiten galt Lichtmess auch als endgültiger Abschied der Weihnachtszeit. 
Um den eigentlichen Kern des Lichtmesstages entwickelten sich - landschaftlich unterschiedlich - zahlreiche weltliche Bräuche. Beispielsweise war der 2. Februar früher als Fest der Dienstboten ein hoher Bauernfeiertag. 
An diesem Tag bekamen die Knechte und Mägde - sie verdingten sich damals von Lichtmess zu Lichtmess - ihren Jahreslohn und oft auch Sachgaben. War das Verhältnis zwischen den Bauern und ihren Dienstboten gut, wurden anschließend - wieder für ein Jahr - per Handschlag - „Abschlussverträge“ ausgehandelt. Knechte und Mägde hingegen, die mit ihren Arbeitgebern (oder diese mit ihnen) Probleme hatten, zogen mit kleinen Karren und Wagen, auf denen sich ihr Hab und Gut befand, ein Dorf weiter, in der Hoffnung, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Als Kontaktbörse fungierten die „Lichtmessmärkte“, die eine Woche vor dem Fest stattfanden das gleichzeitig als Anfang des neuen bäuerlichen Arbeitsjahres galt. 
Das neue Personal wurde am Lichtmesstag von den Bauern mit dem Pferdewagen abgeholt und auf den Hof gebracht. Dabei wurde sorgsam darauf geachtet, dass das nicht zwischen 11 und 12 Uhr geschah, weil sonst - so eine alte Bauernregel - Unglück auf den Hof kommen würde. Lichtmess war auch einer der vier Jahrestermine, an denen Zinszahlungen und der „Zehnte“ fällig wurden. 
Für die frühere Bedeutung des Lichtmesstages spricht eine Fülle von Bauernregeln. So heißt es für diesen Lostag beispielsweise „Scheint an Lichtmess die Sonne heiß, kommt noch einmal viel Schnee und Eis“ oder „Ist Lichtmess hell und klar, ist der Winter noch nicht gar“. Doch „wenn es stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit“.

Karlheinz Bohnmann







Bodelschwingher Biertransporter im Brauereimuseum


Im April 2006 wurde auf dem Gelände der Dortmunder-Actien-Brauerei an der Steigerstraße 20 in den historischen Räumen des früheren Maschinenhauses der Hansa-Brauerei (errichtet 1912) auf einer Ausstellungsfläche von etwa 1.100 qm das neue Brauerei-Museum eröffnet, nachdem das alte Brauereimuseum von 1981 im Zuge des Abrisses der Kronen-Brauerei im Jahre 2000 geschlossen werden musste. 
In der Dauerausstellung werden die Bierproduktionen vom Mälzen bis zur Abfüllung, vom Transport bis zum Vertrieb dargeboten. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Technik des industriellen Brauens. 
Ein Schmuckstück der Ausstellung ist ein Bier-Lastwagen der Union-Brauerei aus dem Jahre 1922 aus dem Eigentum der Familie Völkmann in Bodelschwingh. Der LKW stand bis 1975 in Diensten der Dortmunder-Union-Brauerei. Laut Kraftfahrzeugbrief wurde der LKW von der Firma Krupp AG in Essen unter der Fabriknummer 30226/72 Typ L3 1922 hergestellt. Er ist einer von insgesamt 20 gebauten Wagen dieses Typs. Der ebenfalls von Krupp hergestellte Motor ist ein Ottomotor mit 4.080 ccm Hubraum und einer Leistung von 58 PS bei 1500 Umdrehungen/Minute. Die vier Räder haben Vollgummibereifung, die Bremsen sind Druckluftbremsen und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 18 km/Stunden. Den Aufbau fertigte die Firma Karl Wüllhorst in Selm. Der LKW wurde am 29. September 1975 behördlich stillgelegt.

Zu den weiteren Schmuckstücken der Ausstellung zählt eine alte Thekenanlage aus den 20er Jahren aus der früheren Repräsentationsgaststätte der ehemaligen Westfalia-Brauerei in Lütgendortmund.
Das Brauwesen hat in Dortmund eine lange Tradition. Bereits 1293 erhielt die Stadt das Recht, das mittelalterliche Grutbier zu brauen. Im 16. Jh. Verdrängte das gehopfte Bier das altertümliche Grutbier. 1845/46 wurde die „bairische“ untergärige Braumethode eingeführt, damit auch die Industrialisierung der Dortmunder Brauwirtschaft, die in den Jahren 1950 bis 1970 mit einem Bierausstoß von 7,5 Mio. hl mit 6.800 Beschäftigten Europas Bierhauptstadt Nr. 1 war. 
Von jeher war das Brauereigewerbe auch in Mengede heimisch. Das Grutrecht (gruet = Stammgewürz für die Bierherstellung) besaß Haus Mengede schon 1306 und erhob daher von den Bierbrauern bis 1806 eine Abgabe. Die alten Gasthäuser im Ort werden vermutlich alle ihr eigenes Bier ausgeschenkt haben und wenigstens der Standort eines Brauhauses ist gesichert überliefert (Freihofstraße, ehemaliger „Mengeder Hof“, s. Heimatblätter Nr. 16/2006).


Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16 - 44359 DO (0231-335629) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14 – 44359 DO (0231-337690)

 
 
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