Heimatblätter 16 - 5. September 2006

Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 16 05. September 2006 5. Jahrgang
EP 0,50 Euro



Liebe Leserinnen und Leser,
mit dem Stadtteilfest begann der September und zumindest der Samstag war ein Tag, den Groß und Klein für einen Besuch dieses Festes genutzt haben. Zeitgleich haben wir unsere 1. Spielzeugausstellung eröffnet und wieder einen Volltreffer gelandet, „Es zischt und dampft in der Heimatstube“ ist die Ausstellung überschrieben und besichtigt werden kann Spielzeug aus 100 Jahren noch bis zum 10. September, dem diesjährigen Denkmaltag. Am „Tag des Denkmals“ werden wir im Amtshauspark mit einigen Überraschungen präsent sein und wenn uns dann auch noch Petrus wohl gesonnen ist, werden es sicher wieder schöne Stunden werden. Wir hoffen auf Ihren Besuch.
Ihre Heimatblätterredaktion

Die Themen dieser Ausgabe: • 10. September ist Denkmaltag
• Das Kreuz im Amtshauspark
• Das Brauhaus in der Freihofstraße
• Eine Ziegelei für den Kirchenbau
• Kleinzeche besteht 5 Jahre
• Rückblicke -- Sommerfest in Segins Garten
• Vor 100 Jahren
• Dauertermine
• Impressum







10. September ist Denkmaltag


Am 7. Juni d. J. wurde das 150 Jahre alte Kreuz im Amtshauspark demontiert, um es gründlich zu restaurieren. In dieser Woche ist es nun soweit. Dr. Hellbrügge und seine Mannschaft haben ganze Arbeit geleistet, die Arbeiten zur Erhaltung des ältesten Denkmals im Stadtbezirk sind abgeschlossen. Der Aufbau wird voraussichtlich am 6. September beginnen und mit einer würden Feierstunde wollen wir die Wiedererrichtung am Denkmaltag begehen. Herzlichen Dank allen großzügigen Spendern, die mit ihrem finanziellen Beitrag den ersten großen Einsatz für den Denkmalschutz durch den Heimatverein erst möglich gemacht haben.



Das Kreuz im Amtshauspark


Das Friedhofskreuz im Amtshauspark

Das Kreuz im Amtshauspark ist das älteste Denkmal im Stadtbezirk Mengede. Als 1856 der neue (zweite) katholische Friedhof hier vor den Toren des Ortes entstand, war mit Ausnahme des 1848 gebauten Mengeder Bahnhofs im Südwesten des Ortes Mengede freies Feld, somit dieser Platz geeignet für die Anlage eines Friedhofes. Die katholische Kirchengemeinde erwarb für diesen Zweck das Grundstück für 150 Reichstaler vom Grafen Droste zu Vischering, zugleich Eigentümer von Haus Mengede. 
Das sandsteinerne Kreuz mit dem gusseisernen Korpus war ein Geschenk der Eheleute Markmann aus Elmenhorst (heute Hof Wulhorst). Der Wert des Kreuzes wurde in den Kirchenbüchern mit 130 Reistalern vermerkt. Der Friedhof wurde am 25. November 1856 von Pfarrer Auwermann, der vor dem Kreuz seine letzte Ruhestätte gefunden hat, eingeweiht. 
Das gesamt Kreuz war zum einen durch Witterungseinflüsse, zum anderen durch Grafittischmierereien in den letzten Jahren stark beschädigt und renovierungsbedürftig. Der Heimatverein Mengede hat in Absprache mit dem Eigentümer (kath. Kirchengemeinde Mengede) und dem Nutzungsberechtigten (Stadt Dortmund) sowie Abstimmung mit der Denkmalbehörde der Stadt Dortmund die Initiative zur Renovierung und Restaurierung des Denkmales übernommen und nach einem Ausschreibungsverfahren dem Restaurator Dr. Christoph Hellbrügge übertragen. In Zusammenarbeit mit einem Steinmetz werden sowohl Fundament als auch Kreuz und Korpus überarbeitet.


Die Demontage ist geglückt und Paul Gausepohl, Wilfried Jürgens und Hein Mencke vor dem gusseisernen Korpus. Leider gaben die Arbeiten keine Urkunden aus der damaligen Zeit frei.
Paul Gausepohl






Das Brauhaus in der Freihofstraße


Braurechte in Mengede bestanden seit Jahrhunderten und sind vor allem für Haus Mengede urkundlich erwähnt. Das Gruetrecht (gruet = Stammgewürz für die Bierherstellung) besaßen die Herren auf Haus Mengede schon 1306. Auf Grund dieses Rechtes erhob Haus Mengede bis 1806 auch von den Bierbrauern dafür eine Abgabe. 
Den Nachweis über den Standort eines Brauhauses verdanken wir allerdings dem Zufall, dass wir für den Denkmaltag 2006 die Entstehung des Friedhofes neben dem Amtshaus nachweisen wollten. Im Archiv der kath. Kirchengemeinde fanden wir neben dem gesuchten Material über die Geschichte dieses zweiten kath. Friedhofes nach der Reformation – der erste war um das kleine Kirchlein an der Freihofstraße herum angelegt - Unterlagen über einen langjährigen Rechtsstreit zwischen Frau Vogt und der Kirchengemeinde über den Verlauf der Grenze zwischen Kirchhof und der Vogtschen Besitzung.
Das Gasthaus Vogt (später u. a. Grasmann, Drewerman, Goltz, Contny, Tittmann, Mengeder Hof), an der heutigen Freihofstrasse (Jan. 2006), trägt auf der Urkatasterkarte die Bezeichnung Flurstück Nr. 122. Westlich davon steht auf dem Flurstück 123 die erste kath. Kirche nach der Reformation. Die Grundstücke grenzen im Süden an eine Wasserfläche, die die östliche mit der westlichen Umflut des Ortes verband. Unmittelbar an dieser Wasserfläche ist rechts neben der Kirche und unterhalb der Besitzung Vogt ein Gebäude schraffiert eingezeichnet. Dieses Gebäude war das Brauhaus des Wirtes Vogt und wurde 1843 abgebrochen.

fhv
Quellen: 
Dr. Richard Borgmann: Aus der Geschichte der Freiheit Mengede, Heimatspiegel Nr. 59/60 v. 23.9.1959
Kirchenarchiv, Akte alte Friedhöfe, Grenzstreitigkeiten Witwe Vogt / Kath. Kirchengemeinde






Eine Ziegelei für den Kirchenbau


Ziegelfertigung im Feldbrand

Ein Verbindungsweg von der Siegen- zur Strünkedestraße, in Baumreihen eingebettet und nicht befestigt, so kennen die älteren Bürger den Burgring, der heute als Ortsumgehung nicht mehr zum ungestörten Radfahren und Spazierengehen einlädt. Nur vier Wohnhäuser säumten den nördlichen Rand und zur Erntezeit bestimmten Erntekräfte und ihre landwirtschaftlichen Fahrzeuge das Bild. Das war zwischen 1915 und 1960, vorher war ein Teil der heutigen Straße Emscherbett und im Kreuzungsbereich mit der Siegenstraße ende der Mühlenteich der Mengeder Mühlen und vereinigte sich wieder mit dem Fluss für dessen weiteren Weg. Ohne eine Regulierung der Emscher gehörten heute Kindergarten und „Haus der offenen Tür“ zur Uferbebauung. 
Der Burgring verlief auf einer leichten Dammkrone und das kam nicht von ungefähr. Am 3. März 1874 schlossen der Ziegeleiunternehmer L. Thyrion aus Dortmund und die Herren Rohe und Flühs als Vertreter der katholischen Kirchengemeinde in Mengede einen Vertrag, wonach für den Bau der heutigen katholischen Kirche im Sommer 1874 800.000 Ziegelsteine anzufertigen und zu brennen waren. Für den benötigten Lehm und Sand zum Ziegelbrand im Feld waren die Flächen zwischen der heutigen Strünkedestraße, dem Burgring und der Jonathanstraße bestimmt und mit Pfählen abgesteckt worden. Die westliche Grenze bildete dabei ungefähr der Standort der heuten Regenbogenschule. Der Ziegeleibesitzer musste sämtliche Materialien zum Brand beschaffen, Sand auswerfen und auch das Wasser zum Ziegelplatz fördern lassen. Die Emscher war in dieser Zeit noch wenig belastet und wird sicher für den Ziegelbrand das nötige Wasser geliefert haben. 
Aus der Abrechnung der Kosten des Kirchenbaues ist zu entnehmen, dass die Ziegelei Thyrion 872.500 Steine für 11.745,00 Mark geliefert hat.


Das war der Burgring vor 50 Jahren
fhv

Denken Sie bei „Entrümpelungen“ an den Heimatverein. Wir sammeln Ansichtskarten, Vereinsfotos, Haushaltsgeräte, Werkzeug, Chroniken und alles, was für die Nachwelt erhaltenswert ist.







Kleinzeche besteht fünf Jahre


Am 16. September wird auf „Hansemann“ gefeiert

Schirmherr Dr. Heinrich Mönnighoff vor der Kleinzeche auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Adolf von Hansemann

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt …! Wenn auch nicht mehr jeden Tag.
Normalerweise macht sich Max Rehfeld aus Nette offiziell nur an jedem dritten Mittwoch im Monat auf den Weg zur ehemaligen Zeche „Adolf von Hansemann“. Im nächsten Monat macht der Diplom-Ingenieur allerdings eine Ausnahme. Dann kommt er an einem Samstag, und zwar am 16. September. Den Anlass dafür hat sich der ehemalige Reviersteiger und Ehrenvorsitzende des Mengeder Bergmanns-Unterstützungs-Vereins (BUV) übrigens selbst „eingebrockt“. Das Mitglied unseres Heimatvereins hatte nämlich vor fünf Jahren die Idee, auf „Hansemann“ mit einer Mini-Zeche die Erinnerung an Mengedes Gruben-Vergangenheit wach zu halten.
Damit begeisterte Rehfeld nicht nur seine Kumpel vom BUV, sondern auch die Handwerkskammer Dortmund, die inzwischen auf dem Gelände der einstigen Zeche, auf deren Schacht vor 40 Jahren der Deckel kam, ein Bildungszentrum eingerichtet hat. Sie stellte ihm das alte Torhaus zur Verfügung. Und dort entstand unter seiner (und nicht zuletzt auch durch seine Arbeitskraft) ein kleines Bergbau-Museum: Die BUV-Kleinzeche. 
Auf 70 qm (vier Räume) finden die Besucher u. a. von den Kumpeln untertage verwendetes „Gezähe“ (beispielsweise einen Schacht- und einen Bohrhammer, Mess- und Rettungsgeräte) sowie Fachbücher, Dokumente und Urkunden). Außerdem wurde unter Verwendung von echter Kohle auch ein Stück einer Flözstrecke original nachgebaut. 
Auch die Geschichte des ältesten Mengeder Knappenvereins (der Bergmanns-Unterstützungs-Verein wurde vor 122 Jahren gegründet) sowie der Wandel der früheren Zeche „Adolf von Hansemann“ in die heutige Gerüstbauerschule wird in dem kleinen, aber feinen  Bergbau-Museum ausführlich dokumentiert. Weil die Räume der Kleinzeche nicht ausreichen, um alle Gäste aufzunehmen, die am 16. September zum „Fünfjährigen“ erwartet werden, wird das Jubiläum in der Kantine des Bildungszentrums der Handwerkskammer gefeiert. Beginn ist um 14 Uhr mit dem Eintreffen der Vereine. Eine Stunde später treten diese - musikalisch begleitet von der Bergkapelle Eving und einem Spielmannszug - mit ihren Fahnen zur Kranzniederlegung vor der ehemaligen Lohnhalle an. Dort erinnert eine Gedenktafel an die im 1. Weltkrieg gefallenen Mengeder Bergleute. 
Nach der Begrüßung durch Max Rehfeld hält Schirmherr Dr. Heinrich Mönighoff einen kurzen Festvortrag. Zum Schluss folgen Grußworte, an die sich dann Gespräche in kameradschaftlicher Runde - dazu gibt es zur Stärkung Kaffee, Kuchen und Würstchen - anschließen sollen.

Karlheinz Bohnmann






Rückblick


Sommerfest in Segins Garten

Kein Platz blieb in Segins Garten frei

Der Heimatverein Mengede und der Bürger-Schützen-Verein von 1546 hatten ihre Mitglieder am Samstag, den 15. Juli 2006 zu einem Sommerfest in der Gartenanlage der Mitglieder Familie Segin und Jürgens eingeladen. Mehr als 110 Mitglieder waren gekommen, um bei herrlichem Sommerwetter einen lauschigen Sommerabend zu verbringen. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Paul Gausepohl, wies in seiner Begrüßung auf den nachbarschaftlichen und unterhaltsamen Charakter der Veranstaltungen der beiden letzten Jahre und auf die Jahrhunderte alte Tradition der Sommerfeste hin. Danach wurden von unseren Vorfahren Sommerfeste zwischen dem Abschluss der Heuernte Mitte Mai und dem Beginn der Getreideernte Mitte Juli („Tüsken Heien und Maien“ – „Zwischen Heuen und Mähen“), also in einer Zeit, die in der Landwirtschaft nicht so arbeitsintensiv war, gefeiert. Zudem fiel in diese Zeit die Sommersonnenwende mit dem längsten Tag des Jahres. 
Die Sommerfeste der Schützen und Heimatfreunde knüpfen an diese alte Tradition an. Der Abend wurde in diesem Jahr durch einen Gesangsvortrag der „Klosterfrauen aus der Bülowstrasse in Datteln“ bereichert. Unter großem Beifall der Besucher trugen die Nonnen ein für Klosterfrauen recht beschwingtes Programm aus „Sister Akt“ vor. Die ausschließlich zu Gunsten der Kinderklinik „Oase“ in Datteln anschließend durchgeführte Sammlung ergab den Betrag von 270,00 Euro. 
Ein weiterer Höhepunkt des Festes war die Tombola mit einem Fahrrad als Hauptgewinn. Mitglieder und Gewerbetreibende der Vereine hatten weitere attraktive Preise zu dieser Verlosung beigesteuert. Der Vorsitzende bedankte sich im Laufe des Abends bei den Gastgebern für die Bereitstellung der Gartenanlage, bei Annemarie Segin für die gute Beköstigung und bei allen Helfern für Auf- und Abbau sowie für die Bewirtung mit gekühlten Getränken. Die vom Wetter und vom Umfeld begünstigte Veranstaltung, die wegen ihres familiären Charakters bei den Teilnehmern immer wieder großen Anklang findet, sollte im kommenden Jahr wiederum in das Jahresprogramm des Heimatvereins aufgenommen werden.

Paul Gausepohl






Vor 100 Jahren


So präsentierte sich der heutige Mittelpunkt Mengedes vor langer Zeit. Der Bodelschwingher Bach fließt noch offen durch den Ort.
Ein Vergleich des Fotos mit alten Karten ergab, dass im Vordergrund des Bildes heute der Mengeder Marktplatz liegt. Der Bodelschwingher Bach wurde vor rund 90 Jahren für den Bau von Schule, Saalbau und späterem Markt verlegt und fließt heute unter dem Schulhof zur Emscher.






Dauertermine:
1. Mi i.M. 19.00 Uhr: Stammtisch  in der „Heimatstube“
1. Fr. i. M. NCC, Sportklause, 20.00 Uhr, Monatsversammlung
3. Sa. i. M. BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr
2. Fr i. M. Schützenstammtisch im „Burghof“




Impressum: Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16 - 44359 DO (0231-335629) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14 – 44359 DO (0231-337690)

 
 
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