Heimatblätter


Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.


Nr. 12
Ostern 2005
4. Jahrgang
EP 0,50 Euro

Liebe Leserinnen und Leser,
In den letzten Wochen hat uns der Winter noch einmal gezeigt, wie lange er auch in unserer Region zu Gast sein kann. Aber der Frühling naht mit schnellen Schritten, wie uns die Sonnenstunden der vergangenen Tage andeuteten. Die Hoffnung auf mehr von diesem warmen Licht verbinden wir alle mit den kommenden Ostertagen, die hoffentlich für Sie alle fröhliche und schöne Tage sein werden.
Ihre Heimatblätterredaktion

Die Themen dieser Ausgabe: • Christel-Goltz-Ausstellung
• Jahreshauptversammlung 2005
• Das Osterfeuer
• Ostern 1945
• Bundesverdienstkreuz für Klaus Linde
• Termine
( Bohnmann / Gausepohl ) 
( Bohnmann )
( Gausepohl )
( Bohnmann )
( Redaktion )
( Redaktion )





Christel-Goltz-Ausstellung


„Ein Leben für die Kunst“ 
Goltz-Ausstellung fand großes Interesse 
Heimatverein ehrte Mengedes berühmteste Tochter / Besucher kamen auch von außerhalb
Sie kam, sah und strahlte: „Das ist einfach wunderbar, und ich bin dankbar, dass ich das noch erleben durfte“. Wieder einmal besuchte die weltberühmte Kammersängerin Christel Goltz (92) ihre frühere Heimat Mengede. Anlass war diesmal die Ausstellung „Ein Leben für die Kunst“, die unser Heimatverein als Hommage an sein Ehrenmitglied in der „Heimatstube“ veranstaltet hatte.
„Hier schließt sich der Kreis“, stellte Mengedes berühmteste Tochter fest, als sie sich die mit viel Liebe und Akribie zusammen gestellte Ausstellung über die Geschichte ihres Lebens mit großem Interesse angesehen hatte. An Hand von alten Klassen-, Familien- und Rollenfotos, Theaterprogrammen, Plakaten, die zum Teil auch von der Semper-Oper in Dresden und der Staatsoper in Wien zur Verfügung gestellt worden waren, sowie Berichten von Weggefährten und Veröffentlichungen in Zeitungen, ließ sich der Werdegang der großen Sopranistin, die über 110 Rollen in ihrem Repertoire hatte und die sich vor allem als „Salome“ einen Dauerplatz in der Musikgeschichte gesichert hat, nachvollziehen. Zu den zahlreichen Exponaten gehörte auch eine Originalpartitur des Konzertes, das Christel Goltz 1958 zusammen mit dem Kirchenchor „Cäcilia“ im Mengeder Saalbau gegeben hatte.
Neben Bildern von ihren zahlreichen Bühnenauftritten waren auch Fotos ihrer Geschwister sowie ihrer Eltern, die zusammen mit einer Verwandten als „Trio Goltz“ ebenfalls weltberühmt waren und u. a. in den USA und in St. Petersburg als Hochseilartisten aufgetreten sind, zu sehen.

Christel Goltz in ihrer ersten großen 
Opernrolle als „Agathe“ im Freischütz

Als Geschenk für den Heimatverein brachte die Kammersängerin eine auf Leinen aufgezogene Original-Reproduktion eines über 100 Jahre alten Plakates aus der Glanzzeit ihrer Eltern mit. Diese hatten sich nach Beendigung ihrer Artisten-Karriere in Mengede niedergelassen und an der Freihofstraße die „Festsäle Goltz“ (später „Tittmann“bzw. „Mengeder Hof“) betrieben, die unter ihrer Leitung eine gefragte Adresse für Variete- und Theaterveranstaltungen waren.
Bei der Eröffnung der Ausstellung und beim anschließenden Empfang im „Handelshof“ umriss Heimatverein-Vorsitzender Paul Gausepohl auch noch einmal verbal das Leben der Künstlerin, die ursprünglich zum Ballett gewollt hatte und die dann als Sängerin auf den bedeutendsten Bühnen der Welt landete und mit zahlreichen Ehrungen bedacht wurde. Gausepohl betonte, dass es sich bei der Ausstellung - trotz der großen Anzahl der Exponate - nur um einen Ausschnitt aus dem Leben der großen Sängerin handeln konnte. die sich 1970 von der Bühne zurückzog und  die ihre Mengeder Heimat auch während ihrer Weltkarriere nie aus den Augen verloren hatte.Das Interesse an der Ausstellung war nicht nur bei den Mengedern groß, auch von außerhalb kamen zahlreiche Besucher, neben Musikfreunden auch Sänger(innen), die selbst auf der Opernbühne gestanden haben.


Karlheinz Bohnmann


Der Vorstand hat sich bei seinem Ehrenmitglied, Kammersängerin Christel Goltz, für ihr Engagement zu Gunsten des Heimatvereins und für ihren Beitrag bei der Eröffnungsveranstaltung bedankt. Frau Goltz hat diesen Dank erwidert und sich besonders erfreut gezeigt, wie beeindruckend die Ausstellung von der Bevölkerung, insbesondere aber von einigen Zeitzeugen, aufgenommen worden ist. Sie selbst habe schon viele Ehrungen erfahren, aber noch nie eine Ausstellung über ihre Person erleben dürfen. „Das ich das in meinem hohen Alter in meiner alten Heimat Mengede noch erleben durfte, vertieft meine Freundschaft zu Mengede und zum Heimatverein und weckt in mir die Hoffnung, weitere Besuche in Mengede folgen zu lassen“, schloss Christel Goltz ein längeres Telefonat mit mir, dem Vorsitzenden des Heimatvereins.

Paul Gausepohl




Jahreshauptversammlung 2005


Heimatstube – lieb aber teuer 
Wolfgang Knaup und Heinz-Otto Buschmann neu im Vorstand des Heimatvereins
Die im Jahr 2004 eingerichtete „Heimatstube“ ist - nicht zuletzt durch die erfolgreich durchgeführten Ausstellungen - der größte Aktivposten unseres Heimatvereins. Allerdings ist sie auch ein erheblicher Kostenfaktor. Das ging auf der Jahreshauptversammlung im „Burghof“ aus den Berichten des Vorsitzenden Paul Gausepohl, des Geschäftsführers Wilfried Jürgens und der Kassiererin Sabine Surmann hervor. Deshalb wurde einstimmig eine einmalige freiwillige Spende beschlossen.
An der Sitzung beteiligten sich mehr als die Hälfte der insgesamt 86 Einzelmitglieder und die Vertreter von 15 Vereinen. Sie nahm auch die übrigen Informationen und Anregungen des Vorstandes ohne Gegenstimmen zur Kenntnis. Ebenso die Wahl von Otto Buschmann und von Wolfgang Knaup als zusätzliche Mitglieder in den erweiterten Vorstand. Buschmann wird Geschäftsführer Jürgens vor allem bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen des Heimatvereins unterstützen.
Die Jahreshauptversammlung endete mit einem Lichtbildervortrag über die einstigen Zechen in Dortmund. Gabriele Unverfehrt vom Westfälischen Wirtschaftsarchiv der Industrie- und Handelskammer berichtete interessant über „700 Jahre Bergbau in Dortmund“. U. a. lüftete sie auch das Geheimnis der Mäuse und Ratten unter Tage: Sie kamen zusammen mit dem Futter für die Grubenpferde, die vor der Motorisierung die Kohlenwagen zum Schacht zogen, in die Grube.

Karlheinz Bohnmann




Das Osterfeuer


Das Osterfeuer ist Teil der uralten Osterbräuche, über die wir bereits in der Beilage zu den Heimatblättern Nr. 8 vom 13. März 2004 berichtet haben. Das diesjährige Osterfeuer, das von dem Mengeder Bürgerschützen Verein von 1546 e.V. und vom Heimatverein Mengede e.V. gemeinsam veranstaltet wird, soll am Ostersamstag, den 26.März 2005 auf der Schützenwiese am Burgring stattfinden.

Ostern ist das Freudenfest der Auferstehung Jesu Christi und zugleich das höchste Fest des Christentums. Der genaue Zeitpunkt dieses ältesten christlichen Festes war lange unbestimmt, bis das Konzil von Nicäa im Jahre 325 den Ostersonntag auf den Sonntag nach dem Vollmond legte, der der Tag- und Nachtgleiche im Frühling, also dem 21. März, folgt. Da Sonnen- und Mondlauf nicht übereinstimmen, wechselt der Ostertag von Jahr zu Jahr zwischen dem 22. März und dem 25. April.

Die Tradition der Osterfeuer geht bis in die frühchristliche Zeit zurück. Bereits Konstantin der große, der 337 zum christlichen Glauben übergetreten war, ließ in der Nacht vor Ostern gewaltige Freudenfeuer anzünden. In Dortmund das Osterfeuer erstmals im Jahre 1342 belegt, als Graf Konrad von der Mark der Antoniusbruderschaft in Hörde eine Holzung schenkte. Dafür sollte die Antoniusbruderschaft jedes Jahr „up hillige Paschendag“ ein Freudenfeuer auf dem Renneberge anzünden und Gott für die Erlösung vom Teufel danken.

Heute wird das Osterfeuer meist von Vereinen, Nachbarschaften, oder Gemeinschaften, oder den christlichen Kirchengemeinden als Gemeinschaftsveranstaltung für einen ganzen Ortsteil durchgeführt. Bereits um 1900 dürfte es in Westfalen kaum einen Ort gegeben haben, an dem nicht dieser Brauch gefeiert wurde. Besonders wichtig war seit jeher das Zusammentragen des Brennmaterials, mit dem bereits im Januar/Februar begonnen wurde. Verbrannt wurde vor allem das Abfallholz das bei dem winterlichen Beschneiden der Wallhecken und Obstbäume anfiel.

Auch im Stadtbezirk Mengede hat das Osterfeuer eine lange Tradition. Borgmann schreibt 1928 in der Festschrift zu „1000 Jahre Mengede“: „ Am Osterabend lodert wie ehedem auch heute noch das Osterfeuer, das aus dem Abfallholz der geschorenen Hecken bei eintretender Dunkelheit angezündet wird. In hellen Flammen lodert der Holzstoss empor. Rundum stehen Kinder und Erwachsene und jubeln vor Freude über die lichterlohe Glut. In frohen Osterliedern besingt man der Menschheit  Erwachen aus der Nacht des Irrtums zum Licht der Wahrheit. Ein sinniger Osterbrauch! Er offenbart auch die Freude des Menschen über das Scheiden des Winters, dessen Grienen man nicht mehr zu fürchten braucht“. 

Der in zahlreichen Gemeinden entstandene Streit um das Abbrennen von Osterfeuern wegen zu hoher Ozonbelastung durch verbrannte Schwefelstoffe und umweltbelastender Abfälle ist inzwischen beigelegt. Die Osterfeuer müssen zwar der Stadt Dortmund noch angezeigt werden, bedürfen aber keiner ausdrücklichen behördlichen Genehmigung. So wird das Osterfeuer in Mengede unter Beachtung der Auflagen sicherlich ein fester Bestandteil der Brauchtumspflege werden können. So sollte auch die Tradition des Ostersingens wieder aufgenommen werden, wobei der Bläserchor der ev. Gemeinde Mengede die sangesfreudigen Osterfeuerbesucher beim Gesang unterstützen könnte.

Paul Gausepohl

Quellen: Paul Satori, Westfälische Volkskunde, Frankfurt 1922 /1980 – Heimatverein Mengede, Tausend Jahre Mengede 1928, Dortmund 1928 – Dietmar Sauermann, Vom alten Brauchin Stadt und Land, Münster 2001 – Dietmar Sauermann, Ostern in Westfalen, Münster 1986




Ostern 1945


„Nix, nix Heil Hitler!“ 
So erlebte der Stadtbezirk Mengede das Kriegsende vor 60 Jahren

Am 8. Mai 1945 - vor 60 Jahren – kapitulierte Hitler-Deutschland. Für Mengede war der 2. Weltkrieg schon seit vier Wochen vorbei. Nur in Bodelschwingh und Westerfilde versuchten eine SS-Einheit und ein Trupp Fallschirmjäger unter dem Kommando eines fanatischen Ritterkreuzträgers aus Westerfilde, den Weitermarsch der Amerikaner auf Dortmund zu stoppen. Zehn Tage leisteten sie energischen Widerstand. Es war die letzte Kampfhandlung im Raum Mengede. 
Während von Berlin aus noch immer Durchhalteparolen aus der „Goebbelsschnauze“ (wie der Volksmund heimlich die Volksempfänger aus Bakelit nannten, die nur Reichssender abspielten) dröhnten, hatte die Bevölkerung - bis auf wenige, die noch immer an den Endsieg glaubten - keine rosige Meinung von Deutschlands Zukunft. Erst nächtliche und später mehrfache tägliche Bombenangriffe, die den Krieg an die Heimatfront gebracht hatten und längst den Alltag der Menschen bestimmten, hatten den Glauben an die „braunen“ Versprechungen und das Vertrauen in die Wunderwaffen, die das Kriegsglück noch wenden würden, zerstört. 
„Wir kamen aus dem Bunker kaum noch heraus“, erinnert sich Heinz Friege, damals sechs Jahre alt. „Sein“ Bunker - es gab mehr als zwei Dutzend davon im Raum Mengede, die je nach ihrer Größe zwischen 100 und 2000 Menschen Schutz boten - befand sich unter der Berge- oder Steinhalde der Zeche „Adolf von Hansemann“ an der Dönnstraße. Bergleute, die von Berufs wegen mit dem Bau von Stollen vertraut waren, hatten die Schutzgänge mit Genehmigung der Zechenleitung in die „Mengeder Alpen“ getrieben, wie man den Abraumberg nannte, der damals noch den Ort  überragte und als „Mengeder Alpen“ ein Begriff war.
Diesen Bunker, in dem 500 Menschen Platz fanden, durften nur Angehörige der an dessen Bau Beteiligten benutzen. Wie immer gab es natürlich auch Ausnahmen. Dazu zählten Frauen, deren Männer an der Front waren und Kinder sowie Witwen und „alle gebrechlichen Volksgenossen“. „Normale“ Männer hatten keinen Zutritt, mit Ausnahme von drei ausgesuchten Luftschutzbeauftragten, die den Schutz suchenden Frauen „jede Hilfe und Unterstützung“ zu gewähren hatten.
Eine Art Ehrenplatz hatten eine bekannte Kauffrau und andere Persönlichkeiten. Die Dame verbrachte ihren Bunkeraufenthalt z. B. in einem Clubsessel auf einem Podest, der sich zwischen den in zwei Etagen angelegten Stollen befand. Diese waren zur Orientierung nach den umliegenden Straßen benannt, so dass die bunker-berechtigten Familien keine Probleme hatten, ihre „Stammplätze“ zu finden. Die bekannten Persönlichkeiten waren übrigens immer eine der ersten im Bunker, wie der frühere SPD-Abgeordnete Heinz Garus zu berichten weiß. Sie sollen über gute Beziehungen zum Gauleiter Albert Hoffmann verfügt haben, der gleichzeitig Reichsverteidigungskommissar des Gaues Westfalen-Süd und damit auch Chef der zentralen Warnanlage war. Er wurde stets frühzeitig per Drahtfunk über die anfliegenden feindlichen Bomberverbände informiert.

Über Jahrzehnte ein Wahrzeichen imStadtbezirk, 
die Bergehalde von Adolf v. Hansemann und eine sichere Burg im Bombenhagel
Die übrige Bevölkerung wurde erst durch die heulenden Sirenen -Voralarm, Vollalarm, Akute Luftgefahr - vor den Gefahren gewarnt, die ihnen vom Himmel drohten. Sie griffen dann eilig nach den bereit stehenden Rucksäcken und Köfferchen mit ihren wichtigsten Habseligkeiten und hofften, sich rechtzeitig vor dem Eintreffen der Bomber in die Luftschutzkeller oder in einen der Bunker retten zu können. Gegen Ende des Krieges wagten sich die Menschen, die inzwischen auch zu Hause meist nur noch in ihrer Kleidung geschlafen hatten, kaum noch ins Freie.
Übrigens durften auch die auf dem Haldengelände in Baracken untergebrachten Kriegsgefangenen und Ostarbeiter, die man als Arbeitskräfte aus ihren Heimatländern verschleppt hatte, bei Fliegeralarm im Bunker Schutz suchen. Allerdings war ihr Bereich durch einen Maschendrahtzaun von dem der deutschen Bevölkerung abgeteilt. Der Zaun konnte zwar die Menschen trennen, aber er konnte nicht verhindern, dass eine ansteckende Seuche ausbrach, die stinkende Eiterbeulen an den Beinen hervor rief. Sie hatte schnell den Namen „Russische Krankheit“ weg. Medikamente, um sie zu behandeln, gab es nicht.
Anfang April 1945 marschierten dann die Amerikaner, die bereits Ickern und Waltrop erobert und unterwegs die umliegenden Gehöfte besetzt hatten, aus Richtung Ickernkommend - auf Mengede zu. Die Besatzungen der Flakstellungen (bestückt mit insgesamt 46 Geschützen), die längs der Emscher - zwischen Gut Königsmühle und Ickern - lagen (eine befand sich auch auf der Steinhalde), hatten sich entweder ergeben oder fluchtartig abgesetzt. Vorher hatten sie noch die Geschütze durch Rohrkrepierer unbrauchbar gemacht. Der Bunkerhügel einer solchen Scheinwerfer- und Flakstation befindet sich noch auf einer Wiese des Landwirts Althüser an der Strünkedestraße< (kurz vor der Brunostraße und der Stadtgrenze nach Ickern).
Als bereits „alles in Scherben fiel“, wie es in einem (allerdings anders gemeinten) Lied der „Großdeutschen Wehrmacht“ hieß, sollten alte Männer, die bisher als nicht mehr „kriegsverwendungsfähig“ gegolten hatten, und Hitlerjungen, als so genannter „Volkssturm“ den Untergang des „Tausendjähriges Reiches“ aufhalten.
Zu den letzten verzweifelten „Heldentaten“ dieses letzten Aufgebotes, das von Parteigenossen angeführt wurde, gehörte am 5. April 1945 (Donnerstag nach Ostern), dem Tag vor dem Einmarsch der Amerikaner, die Errichtung von Panzersperren auf der Strünkede- und auf der Waltroper Straße, die Sprengung der Kanal- und Emscherbrücken sowie die Zerstörung der Strom- und Wasserversorgung. Durch den bei der Sprengung entstandenen Luftdruck gingen - soweit sie noch nicht durch Bretter und Pappe ersetzt waren, in ganz Mengede zahlreiche Fensterscheiben zu Bruch. Und auch einige Dächer wurden durch die gewaltigen Detonationen abgedeckt. Die Eroberer aber ließen sich durch die Volkssturm-Aktionen nicht aufhalten. Die Panzersperren wurden von ihren Tanks wie Spielzeug niedergewalzt. Der Volkssturm selbst „verschlief“ den Einmarsch. Er hatte sich schlichtweg aufgelöst.

An der Ecke Waltroper- / Schaphusstraße hatte sich der GI einen Beobachtungsposten geschaffen
Die Heimatwehr aus Greisen und Halbwüchsigen war von Anfang an eine Fehlgeburt und nur noch eine aus Verzweiflung zu verstehende Farce. Zwar wurden die „Vaterlandsverteidiger“ noch  mit Panzerfäusten ausgerüstet, sie hatten aber nicht einmal mehr Uniformen. Zu erkennen waren die Volkssturm-Angehörigen aber an ihren einheitlichen Armbinden.
Mehr schlecht als recht war schon die Ausbildung der Truppe, die ihren Übungsplatz auch auf dem Gelände der Steinhalde hatte. Dort war ein Splitterschutz aus Stahlplatten aufgebaut worden. Doch gleich beim ersten Übungsschuss mit einer Panzerfaust kam es durch deren komplizierten Mechanismus zu vier Leichtverletzten. Noch naiver, als der Versuch mit dem Volkssturm die Amerikaner aufzuhalten, war die Aufforderung an die Mengeder Bevölkerung, die einmarschierenden Amerikaner mit heißem Wasser zu übergießen. Natürlich befolgte niemand diesen unsinnigen Befehl. Der „Goldfasan“ (wie die Nazi-Bonzen wegen ihrer braunen Uniformen genannt wurden, wenn sie außer Hörweite waren), der ihn erließ, soll übrigens einer der ersten gewesen sein, der den Amerikanern mit einer weißen Fahne entgegen lief, als diese am 6. April 1945 (nach dreitägigem Artilleriebeschuss) Mengede ohne Gegenwehr besetzten. Mengedes Ortsgruppenleiter war kurz vor deren Einmarsch - mit nur einer Panzerfaust bewaffnet - per Motorrad mit Vollgas vom Hof des „Braunen Hauses“ geknattert, das sich an der Williburgstraße befand. Vorher hatte er angekündigt: „Jetzt geht es den Amis an den Kragen“.
Auf dem Hof Rath, so notierte ein unbekannter Chronist aus der katholischen Remigius-Gemeinde, ging der Bauer Rath den Amerikanern „an der Spitze seines Gesindes mit einer weißen Fahne entgegen und gab sich als Antifaschist aus“. In seiner Aufregung begrüßte er die Amerikaner ausgerechnet mit „Heil Hitler“, mit dem Gruß, der ihm bis dahin während der gesamten Dauer des „Dritten Reiches“ nicht über die Lippen gekommen war. „Nix, nix Heil Hitler!“, stoppte ihn der US-Offizier.
Einen skurrilen Einfall, um die Amerikaner zu beschwichtigen, hatte ein Metzger aus Nette. In dem Glauben die GIs, die sämtliche Häuser und Keller nach Widerstandsnestern durchsuchten, friedlich stimmen zu können, legte er Wurstpakete auf die Haustreppe. Doch die Amerikaner, die im Übrigen bestens verpflegt wurden, interessierte aber nur eins: „Are hereSoldiers? – Sind hier Soldaten?“ 
Weil es auch nach dem Einmarsch noch zu einem einwöchigen Artillerie-Duell gekommen war, blieb die Bevölkerung erst einmal in den Luftschutzkellern und Bunkern. Vor allem in Bodelschwingh und Westerfilde wurde noch erbittert gekämpft. SS-Angehörige und Fallschirmjäger, die sich in mehreren Häusern verschanzt hatten und von einem Ritterkreuzträger befehligt wurden, der angeblich aus Westerfilde stammte, leisteten erbitterten Widerstand. Es gelang ihnen sogar, die Amerikaner vorübergehend wieder zurück zu werfen, worauf es zu einem schweren Artillerie-Gefecht kam. Acht Tage und Nächte dauerte das letzte Gefecht. Dann hatten die Angreifer gesiegt.

Den Ritterkreuzträger fand man tot in einer Hecke des Bauern Budde in Westerfilde, auf dessen Hof nach der Schlacht bergeweise Munitionskisten lagen. Die Leichen der fehlgeleiteten Helden wurden von den Siegern auf einer Plane öffentlich aufgebahrt.
Während der unsinnigen Kriegshandlungen wurde fast halb Westerfilde durch Granaten sowie durch Brand- und Fliegerbomben in Schutt und Asche gelegt. Am 7. und 8. April 1945 fielen zum Beispiel 630 Bomben auf Westerfilde. Der Ort, vermerkt die Chronik der katholischen Gemeinde „Mariä Heimsuchung“, bot ein Bild des Grauens. Rund 2000 Menschen verloren ihre Wohnungen, viele – auch Fremdarbeiter – starben im Bombenhagel, obwohl die Zivilbevölkerung sich in den Schutzräumen (der größte Bunker befand sich auf der Zeche Westhausen) in Sicherheit geglaubt hatte.
Im Bericht eines namentlich nicht genannten Augenzeugen (abgedruckt in „Die Zusammenbruchsgesellschaft“, herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Dortmund) heißt es, dass die Amerikaner am 11. April 1945 in Westerfilde einrückten, „nachdem am Vortage die Schlacht von Bodelschwingh getobt hatte“. Drei US-Panzer, die abgeschossen wurden, seien erst nach Wochen abgeschleppt worden.
Als die deutschen Soldaten die Aussichtslosigkeit ihres Kampfes eingesehen und sich schließlich mit erhobenen Händen ergaben, seien sie, so eine als Augenzeugin zitierte Frau Möller, die in Bodelschwingh gegenüber des Arztes Dr. Staupendahl gewohnt hatte, „mit Maschinengewehren hingemäht“ worden.
Die männlichen Zivilisten wurden nach Ickern gebracht, wo sie verhört wurden. Als sich bei den Vernehmungen herausstellte, dass es sich bei ihnen um harmlose Bürger handelte, wurden sie nach drei Tagen wieder nach Hause entlassen. 
An die Kämpfe in Bodelschwingh erinnert sich auch die frühere Mengeder CDU-Ratsvertreterin Thea Weichert, in deren Elternhaus in Bodelschwingh die Verteidiger eine Funkstation eingerichtet hatten. Während die Soldaten sich in der Wohnung ihr Widerstandnest eingerichtet hatten, hielt sich die Familie im Luftschutzkeller des unter Beschuss liegenden Hauses auf. Thea Weichert hatte Glück, dass sie den Krieg überlebte: Wenige Minuten, nachdem sie ihr Bett im Luftschutzraum verlassen hatte, weil ihre Mutter sie in den Kohlenkeller gerufen hatte, wurde ihre Liegestatt unter den Trümmern einer durch Flakbeschuss einstürzenden Wand begraben.

Die schweren Kämpfe um Bodelschwingh und Westerfilde ruinerten auch die kath. Pfarrkirche.
Die Schäden wurden zwar kurzfristig wieder behoben, letztlich führten aber auch diese und aufgetretene Bergschäden zum Abbruch des Kirchengebäudes in den siebziger Jahren.
Nach dem die Waffen endlich schwiegen, beschlagnahmten die Besatzer die besseren Häuser, um sich dort einzuquartieren. Die Bewohner hatten gerade noch Zeit, das Nötigste einzupacken. Sie mussten ihre Wohnungen innerhalb von zwei Stunden verlassen. In Mengede waren das beispielsweise die Bürgerhäuser an der Remigius- und an der Castroper Straße (heute: Am Amtshaus). Vieles, was dort zurück gelassen werden musste, wurde von den Besatzern als „Souvenir“ mitgenommen. Beliebte „Kriegsbeute“ waren Uhren und Schmuck. Besonderes Interesse fanden, auch die Alkoholvorräte. 
Trotz dieser wenig erfreulichen Ereignisse, und obwohl keiner wusste, wie es weiter gehen würde, atmete die Bevölkerung erst einmal auf, dass der Krieg endlich vorbei war. Doch schon drohten neue Gefahren und neues Leid:  Denn gleich nach ihrem Einmarsch in Mengede hatten die Amerikaner die Fremdarbeiter frei gelassen, für die es allein im Raum Mengede neun Zwangslager gab, die überwiegend von Polen und Russen  bewohnt waren, die vor allem im Bergbau und als Knechte auf den Bauernhöfen eingesetzt waren. Kaum in Freiheit zogen sie - Erkennungszeichen der Polen war ein Bändchen in ihren rot-weißen Nationalfarben im Knopfloch – oft in Gruppen von  bis zu 150 Mann plündernd durch die Gegend umher, um sich vor allem mit Lebensmitteln zu versorgen. Kein Geschäft und kein Bauernhof blieben verschont.
Die freigelassenen Ostarbeiter (zusammen mit denen aus den Lagern aus dem benachbarten Ickern etwa 4000)  umzingelten vor allem einsam gelegene Höfe, bedrohten die Bewohner, schlugen Türen und Schränke ein und nahmen mit, was ihnen in die Hände fiel. Das Vieh schlachteten sie gleich an Ort und Stelle. 
Vom mehrfach heimgesuchten Hof Isbruchin Brüninghausen transportierten sie ihre Beute mit dem hölzernen Fahrzeug der Sanitätskolonne des Deutschen Roten Kreuzes ab, das sie aus der Remise des Mengeder Saalbaus entwendet hatten.

Auch der stolze Adler auf der Säule an der Post verdankt einem amerikanischen Soldaten seine „Verstümmelung“. Nach einem Wettschießen wurde der Flügel als Trophäe mitgenommen.
Neben Fleisch eigneten sich die Polen auch Kleidung, Wäsche und Wertsachen gewaltsam an. Gegenwehr war zwecklos, denn die marodierenden Banden zeigten nun den „Herrenmenschen“, wer jetzt die Macht hatte. Außerdem hatten sie sich Waffen besorgt (Pistolen und Handgranaten), von denen sie bedenkenlos Gebrauch machten. Eines ihrer Opfer wurde die Wirtschafterin auf dem Gut Vahle. Sie erlitt bei einem nächtlichen Überfall einen Leberdurchschuss. In Ickern spalteten sie einem Bauern, der sie wenig freundlich behandelt haben soll, mit einer Axt den Schädel.

Die Überfallenen konnten sich nicht wehren. Sie hatten alle ihre Waffen bei der Besatzungsbehörde abliefern müssen. Selbst die Polizei war unbewaffnet und wagte es nicht, sich den Banden in den Weg zu stellen. Aber nicht nur Höfe und Geschäfte, auch Einzelpersonen wurden überfallen und zur Herausgabe ihrer Fahrräder, Taschenuhren und sogar ihrer Eheringe gezwungen.
Die Besatzer wussten über die Ausschreitungen Bescheid, kümmerten sich aber nicht darum. Schließlich hatte ihr Oberbefehlshaber General Dwight D. (Ike) Eisenhower befohlen, dass die deutsche Bevölkerung, die Fremdarbeiter bevorzugt mit Nahrung zu versorgen hatte.
rgendwann wurden die täglichen Ausschreitungen und die Willkür einigen Kumpeln zu viel. Sie bewaffneten sich mit Hackenstielen und bildeten eine Art Bürgerwehr. Endlich stellten die Amerikaner eine Wache vor das Lager an der Dönnstraße. Die Bevölkerung atmete aber erst wieder so richtig auf, als die Ostarbeiter nach Monaten des Terrors endlich in ihre Heimatländer abzogen.
Übrigens nutzten nicht nur die Fremdarbeiter die Gunst der unguten Zeit. Der Chronist aus der katholischen Remigius-Gemeinde notierte: „Leider haben sich auch Bürgerliche an den Plünderungen beteiligt.“
Aber auch ehrlichen Menschen fiel es sehr schwer, Nahrung aufzutreiben. Schon während des Krieges gab es (wenn überhaupt) rationierte Nahrungsmittel nur auf Lebensmittelkarten. Und jetzt musste die Versorgung der Bevölkerung ausschließlich vor Ort organisiert werden.
Als nach dem 25. Mai 1945 endlich wieder Züge fuhren, gingen viele auf Hamsterfahrten, die ins Münsterland, aber auch bis in den Raum Hannover führten. Mache Bauern hatten Mitleid mit den Hungernden, andere ließen sich mit Teppichen und anderen wertvollen Gegenständen teuer „bezahlen“. 
Ähnliche Tauschgeschäfte wurden später auch auf dem sich bald darauf bildenden (verbotenen) „Schwarzen Markt“ getätigt. Wertvolles wurde für ein Paket Kaffee oder für eine Schachtel Zigaretten abgegeben. Eine einzige Ami-Zigarette kostete beispielsweise 20 RM. Unter der Bevölkerung kursierte der Spruch „Für eine Schachtel Chesterfield mach ich deine Schwester wild.“
Der Mengeder Heimatforscher Friedhelm Treckmann erinnert sich daran, dass er als Junge einmal eine Gruppe Frauen „auf den Verdacht hin“, dass es dort Margarine auf Lebensmittelmarken geben würde, zu Fuß nach Huckarde begleitete. Nach erfolgreichem Einkauf nahm die Gruppe den Heimweg aus Angst vor Plünderern abseits der Straßen. 
Nicht nur die Lebensmittel-Versorgung der Bevölkerung sollte vor Ort organisiert werden, die  Amerikaner hatten auch den Plan, Mengede wieder zu einer selbstständigen politischen  Gemeinde zu machen. Für den Aufbau der Verwaltung hatten sie vorbereitete Namenslisten mitgebracht, an deren oberster Stelle Ernst Börstinghaus stand, ein Sozialdemokrat aus einer alten Mengeder Familie. Börstinghaus schlug aber an seiner Stelle den Diplom-Kommunalbeamten Stadtinspektor Paul Hamborg vor.
Dieser erste „Ortsbürgermeister“ fand vor allem bei der Verwaltung der Zeche „Adolf von Hansemann“ volle Unterstützung bei seinem Bemühen, das Verkehrsleben sowie den Handel und Wandel in Mengede wieder in Ordnung zu bringen. Er sorgte dafür, dass die Zeche die erste Brücke über die Emscher an der Waltroper Straße wieder herstellte, so dass die Landwirte endlich wieder ihre auf der anderen Seite der Emscher liegenden Felder ohne dreistündige Umwege über Groppenbruch, Leveringhausen<, Waltrop und Ickern erreichen konnten.
Hamborg erreichte auch, dass die Stromversorgung wieder in Betrieb genommen konnte. Trotzdem war seine Amtszeit nur von kurzer Dauer. Denn als die Engländer nach wenigen Monaten die Amerikaner als Besatzungsmacht ablösten, war von einer Abtrennung Mengedes von Dortmund nicht mehr die Rede.
Die Besatzer hatten auch eine eigene Polizei eingesetzt, die anfangs statt der Uniformen weiße Armbinden mit der Aufschrift „Police“ und später dann blaue Uniformen und blau umgefärbte Tschakos trugen. Außerdem wurden  Entnazifizierungskommissionen eingesetzt, um die Funktionäre des „Tausendjährigen Reichen“ herauszufiltern und aus dem öffentlichen Leben zu entfernen. Die Einstufungen erfolgten in fünf Kategorien. Natürlich versuchte jeder als möglichst  unbelastet eingestuft zu werden. Wer gute Beziehungen hatte, besorgte sich einen so genannten „Persilschein“. Aber schon wenige Jahre später spielte die braune Vergangenheit keine Rolle mehr. Auch ehemalige Parteigenossen konnten wieder öffentliche Ämter bekleiden. Denn bald hatte es sich herausgestellt, dass die alten Eliten beim Wiederaufbau des Landes gebraucht wurden.

Karlheinz Bohnmann





Bundesverdienstkreuz am Bande für Klaus Linde


Über OB Dr. Langemeyer verlieh Bundespräsident Horst Köhler unserem Mitglied die hohe Auszeichnung für sein berufliches und privates Schaffen. Klaus Linde wurde 1989 von der Maler- und Lackiererinnung Dortmund / Lünen zum Obermeister gewählt und diesem Amt galt sein steter Einsatz. Darüber hinaus gestalten vielerlei ehrenamtliche Tätigkeiten seinen Lebensweg. Auch wir sind dankbar für seine Unterstützung bei der Bewältigung unserer gesteckten Ziele. Wir freuen uns über die hohe Auszeichnung und gratulieren Klaus Linde herzlich.

Heimatverein Mengede





Dauertermine:

1. Mi i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch  im „Burghof“

1. Fr. i. M.

NCC, Sportklause, 20.00 Uhr, Monatsversammlung

3. Sa. i. M.

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr

2. Fr i. M.

Schützenstammtisch im „Burghof“



Impressum:
Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. 
Redaktion: Wilfried Jürgens, Adalmundstr. 16 - 44359 DO (0231-335629) und Franz-H. Veuhoff, Am Hohen Teich 14 – 44359 DO (0231-337690)

 
 
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