Heimatblätter

Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vom Heimatverein Mengede e. V.

Nr. 10 mit
Beilage Nr. 6

Samstag, 4. September 2004

3. Jahrgang 
Einzelpreis 0,40 Euro


Liebe Leser,

mit dieser 10. Ausgabe können wir unser erstes kleines Jubiläum feiern. Wir hoffen, dass Ihnen die bisher erschienenen Beiträge gefallen haben. Diese Ausgabe wird ergänzt durch eine Arbeit von Hanne Hieber über die Schragmüller-Tochter Elsbeth. Da wir diesen Beitrag einer Enkelin unseres Amtmannes bereits im Entwurf zugeleitet hatten, haben wir gerne die positiven Äußerungen über die „erste objektive“ Beschreibung des Lebens von „Mademoiselle Docteur“ aus der Familie zur Kenntnis genommen. 
Der Sommer neigt sich nun langsam dem Ende zu und es bleibt zu hoffen, dass uns der Wettergott noch ein wenig beglückt. Ihnen allen wünschen wir noch schöne sommerliche Stunden und einen goldenen Herbst.

Ihre Heimatblätter-Redaktion




Nahverkehrsmuseum in Obernette


Tag der offenen Tür am 11. + 12. 09. 2004

Nahverkehrsmuseum Mooskamp in Nette

Seit Anfang 2002 regt sich auf dem Bahnhofsbetriebsgelände der Kokerei Hansa neues Leben, denn die zuletzt von der Ruhrkohle AG genutzte Lokhalle dient nun einem Nahverkehrsmuseum. Hier sollen zukünftig Fahrzeuge mit wechselvoller Geschichte des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs in Dortmund der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ergänzt werden soll der Fahrzeugpark durch Chroniken, Fotografien, Uniformen, Filmmaterial und ähnliches im alten Gebäude des Bahnhofes „Mooskamp“.

Hier erwacht neues Leben: 
Die Lokhalle und das Freigelände der ehemaligen Kokerei

Fleißige Hände sind dabei, aus „vernachlässigten“ alten Fahrzeugen Schmuckstücke zu machen, aber der Weg zur Durchführung der geheimen Wünsche der Idealisten ist noch weit. Zur Erfüllung dieses Zwecks sind freiwillige Helfer und neue Mitglieder auf der Anlage gern gesehen. Die Anlage selbst steht noch unter „Bergaufsicht“, was bedeutet, dass nur mit Zustimmung der Bergbaubehörden, wenn überhaupt, ein sehr eingeschränkter Fahrbetrieb möglich ist. Damit dieses anders wird, wird eifrig mit der Stiftung Industriepflege und Geschichtskultur NRW verhandelt mit dem Ziel, letztlich mit der „Kokerei Hansa“ per Schiene verbunden zu werden und einen - wenn auch bescheidenen - Fahrverkehr zunächst aufnehmen zu können. Wir empfehlen Ihnen gerne den Besuch am kommenden Wochenende, denn das Bemühen des Vereins ist ein weiterer Stein auf unserem Weg zu einer abgerundeten Dokumentation vergangener Tage im Stadtbezirk.





Die westfälische Eisenbahn 


Das einst öde Emschertal erwies sich als Revier mit industrieller Zukunft und die Wanderung des Ruhrbergbaus weiter nach Norden war nur eine Frage der Zeit. Neben der Emschertalbahn und der „Köln-Mindener-Eisenbahn“ wurde daher auch die „Westfälische Eisenbahn“ verlegt. Von dieser Bahnlinie, die von Soest über Dortmund-Süd nach Sterkrade führte, wurde Westerfilde, Bodelschwingh, Mengede und Oestrich berührt. Die Bahn war in erster Linie für den Güterverkehr gedacht, beförderte auf Teilabschnitten aber auch Personen. Dem Verkehr wurde die Strecke mit dem Bahnhof Bodelschwingh am 15.02.1880 übergeben, da bereits am 1. September 1878 das Teilstück von Dortmund bis Bodelschwingh fertig gestellt war. Im Laufe des Jahres 1879 wurde die Bahn bis Osterfeld eröffnet und auf dem Streckenabschnitt bis Sterkrade wurde am 15.03.1880 der Betrieb aufgenommen. Ende 1879 hatten die im Bereich der „Westfälischen Eisenbahn“ liegenden Werke ihre Anschlussgleise verlegt. Eine Investition, die u.a. den Bestand der Schachtanlage Westhausen sicherte, denn 1876 wurde ernsthaft die Stilllegung der Zeche erwogen, da wegen einer fehlender Verkehrsanbindung die Absatzchancen nur auf den unbedeutenden Hausbrand begrenzt waren. Die Gemeinde Bodelschwingh protestierte gegen die Pläne zur Stilllegung und so entstand schon vor dem offiziellen Streckenbau der Bahnanschluss (1,5 km) zum Bahnhof Mengede. Dieser Anschluss der Zeche Westhausen wurde landespolizeilich am 10. August 1877 abgenommen und Eigentum der „Westfälischen Eisenbahn“. Die Gewerkschaft leistete für den Bau einen Zuschuss von 3.000,00 Mark. Der direkte Anschluss der Zeche mündete zwischen Bodelschwingher Straße und dem Bahnhof in das Streckennetz der „Westfälischen Eisenbahn“. Zwei beschrankte Übergänge an der Bodelschwingher Straße (je einer für Straßen- und Eisenbahn) waren sichtbares Zeichen und zwangen eilige Verkehrsteilnehmer zu ungewollten Ruhepausen. Die Industriewerke, unter ihnen auch die Zechen unserer Region, waren bis zur Eröffnung der „Westfälischen Eisenbahn“ auf die bereits bestehende „Köln-Mindener-Bahn“ angewiesen. Entsprechend waren auch die Frachttarife. Die „Westfälische“ führte Transporte zu günstigeren Tarifen durch. Kein Wunder also, dass die neue Linie bald in Konkurrenz zur „Köln-Mindener-Linie“, die eine einseitige Tarifpolitik betrieb, stand.

Noch waren private Gesellschaften Inhaber der Eisenbahnen, denn der Staat hatte sich mit dem Betreiben eigener Linien zurück gehalten. Bismarck erkannte den Fehler, und nach 1879 kaufte der Staat fast alle Strecken auf. Die „Westfälische Eisenbahn“ wurde dadurch im eigenen Haus Konkurrenzlinie der „Köln-Mindener“ und dies führte letztlich zur Aufhebung der westlichen Streckenführung der „Westfälischen“. Ab dem 01.10.1884 wurde der Betrieb ab Bodelschwingh eingestellt und 1891 auf der gesamten Strecke. Das Schienennetz aber blieb in der Unterhaltung der staatlichen Bahn. Dieser nicht stillgelegte Teil der „Westfälischen Eisenbahn“ bis zum Anschluss an den Bahnhof Mengede bestand fortan als Umgehungsbahn und Güterstrecke. Wie stark die Strecke durch die Zeche Westhausen frequentiert wurde, zeigen die Aufzeichnungen im Verwaltungsbericht des Amtes Mengede. Wagenladungen mit 118.221 t kamen in Bodelschwingh 1889/1890 im Güterverkehr an, 20-mal mehr als im Bahnhof Mengede umgeschlagen wurde und 1899/1900 wurden 211.718 t notiert, immer noch vier Tonnen mehr als Mengede nachweisen konnte. Bei den ankommenden Gütern war es umgekehrt, da wurde in Bodelschwingh nur ein Bruchteil des Mengeder Umsatzes erreicht.

Um 1914 wurde ein früherer Plan zur Wiederbelebung der Strecke erneut aufgegriffen und eine Weiterführung nach Recklinghausen diskutiert. Der Erste Weltkrieg ließ diesen Plan jedoch nicht ausreifen. Unverändert blieb der Streckenabschnitt in den folgenden Jahren dem Güterverkehr vorbehalten und in den Kriegsjahren 1943 bis 1945 war auf dem Abschnitt zeitweise auch eine Eisenbahnflak stationiert.

Vom 01.05.1945 ab wurden auch Personen befördert, denn die im Krieg zerstörten Straßenbahnanlagen waren noch nicht wieder instand gesetzt. Güterwagen mit einfachen Holzbänken dienten zur Beförderung und dicht bei dicht standen die Fahrgäste. Geraucht wurde trotz der Enge. Die Hausmarke „Eigenheimer“ war der bevorzugte Tabak und entsprechend war die Luft in den Wagen. Im Mai 1945, bei Einrichtung der Strecke, wurden zwar nur 46 Fahrkarten verkauft (Kriegsende) doch zeigt der Verkauf von 20.000 Stück im Dezember 1945 wie stark die Bahn angenommen worden war. In der Zeit von 5.20 Uhr bis 20.50 Uhr verließen insgesamt 9 Züge den Hauptbahnhof in Richtung Bodelschwingh und Mengede. Bei Einstellung der Personenbeförderung am 15.05.1949 wurden annähernd 200.000 Fahrgäste gezählt. In den Jahren danach diente die Strecke bis zur Elektrifizierung der „Köln-Mindener-Linie“ auch als Ausweichstrecke Dortmund – Mengede, wenn die Hauptverbindung kurzfristig gesperrt oder durch andere Ereignisse nicht befahrbar war. Mit „Hallo“ ging es dann gemütlich durch den Rahmer Wald und Endstation war der seit dem Bau der S-Bahn nicht mehr vorhandene „Behelfsbahnsteig“ am Gleis 5, der in Höhe des heutigen 
S-Bahnsteiges lag.

Mit der Verlegung der Förderung von Westhausen zur Zeche Hansa ging der Güterumschlag so zurück, dass der Bahnhof Bodelschwingh von Mengede aus bedient werden konnte. Damit war das Bahnhofsgebäude am Ende der Schlossstrasse dem Verfall preisgegeben. Reger Eisenbahnbetrieb herrschte bis 1967 noch auf der Zechen-Verbindungsbahn Hansa - Westhausen – Gustav bzw. Westhausen – Adolf von Hansemann. Diese Eisenbahn wurde 1940 als Ersatz für eine Seilbahn in Betrieb genommen. Befördert wurde Kokskohle von Hansemann und Westhausen zur Kokerei Hansa. Die Zeche Gustav hatte ab 01.09.1937 die Förderung aufgenommen und hatte keine eigene Kohlenwäsche, daher wurde bis zur Stilllegung von Gustav 1967 auch die Förderkohle zur Wäsche nach Hansa transportiert. Im Gegenverkehr erhielt das Kraftwerk „Gustav Knepper“ (Baubeginn 1942, Inbetriebnahme aber erst 1951) ein unverkäufliches Kohle-Stein-Gemisch zur Dampferzeugung in besonders dafür konstruierten Feuerungskesseln.

Das endgültige Aus für die Strecke kam mit dem Bau der S-Bahn von Dortmund über Bodelschwingh und Oestrich nach Mengede. Die S-Bahn wurde am 02.06.1991 offiziell dem Verkehr übergeben und für diesen Streckenabschnitt wurde bis kurz vor dem Bahnhof Bodelschwingh die alte Trasse in Anspruch genommen. Das alte Bahnhofsgebäude fiel im Rahmen der S-Bahn-Planung. Heute wird das Gelände als Wohnbaufläche genutzt.

Die alte Eisenbahnromantik mit Klingeltönen, Schranken, schnaufenden und pfeifenden Lokomotiven und den monotonen Geräuschen der Räder war einmal. In östlicher Richtung bestehen heute noch in unserem Stadtbezirk große Abschnitte des alten Bahnkörpers mit der Brücke am Wachteloh. Stumme Zeitzeugen die gerne von der Bevölkerung als Wanderstrecke angenommen werden.

fhv

Benutzte Literatur:
Die Zeche Adolf von Hansemann, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, „Westfälisches Industriemuseum“, Band 15
Hansa / Westhausen, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, „Westfälisches Industriemuseum“, Band 17
Dr. Richard Borgmann: Die Geschichte von Östrich; Heimat-Spiegel Nr. 72 vom 31.08.1960
Fritz Neuhaus: Bodelschwingh – Eine Einführung in die Heimatkunde der Ortsteile Bodelschwingh/Westerfilde
Heinrich Schmidt: Lehrerarbeit?
„Schragmüller“: Bericht über die Verwaltung des Amtes Mengede 1889 - 1902
Ulrich Ufer: Strukturwandel eines Bauerndorfes zum Dortmunder Vorort Bodelschwingh, Diplomarbeit 1976






Frühe Nachrichten aus Bodelschwingh und Mengede


Es kommt nicht von ungefähr, dass Ortsgeschichte aus dem frühen 19. Jahrhundert schriftlich fixiert und uns damit auch noch erhalten ist. Einer Anordnung der königlichen Regierung in Arnsberg verdanken wir, dass wir heute noch nachlesen können, was sich z.B. 1822 in unseren Orten ereignete. 
Mit der Veröffentlichung des letzten Teiles der Chronik der Gemeinde Mengede beenden wir die kleine Serie. 

Chronik des Kirchspiels Mengede für 1822

Römisch Katholische Kirche
Zu der hiesigen röm. kath. Kirche halten sich die röm. kath. Christen aus den Ortschaften, die vorher bei der 
ev. Kirche benannt sind.

1

in dem Flecken Mengede sind ihrer

180

2

in der Bauerschaft Brüninghausen sind ihrer

20

3

in der Bauerschaft Oestrich sind ihrer

26

4

in der Bauerschaft Dingen sind ihrer

8

5

in der Bauerschaft Deininghausen sind ihrer

15

6

in der Bauerschaft Nette sind ihrer

24

7

in der Bauerschaft Westerfilde sind ihrer

7

8

in der Bauerschaft Ickern sind ihrer

48

9

in der Bauerschaft Groppenbruch sind ihrer

53

10

in der Bauerschaft Schwieringhausen sind ihrer

2

11

in der Bauerschaft Deusen sind ihrer

8

12

in der Bauerschaft Ellinghausen sind ihrer

6

13

und in dem Dorfe Bodelschwingh

52


Summa

449

Pfarrer
An dieser Kirche steht jetzt als Pastor Herr Romanus Plankermann, gebürtig aus Horneburg im Veste Recklinghausen. Früher war derselbe ein Franziskaner Ordensgeistlicher und stand nachher als Geistlicher in Halle im Magdeburgischen, in Dessau und zuletzt am Hümken, Vest Recklinghausen. Derselbe bedient zugleich die Kapelle auf dem adeligen Hause Mengede mit.

Die alte kath. Kirche an der Freihofstraße; errichtet um 1680, nach Neubau der heutigen Kirche (1876) zunächst Schule, 1906 abgebrochen und an der Stelle wurde 1908 ein Schwesternhaus errichtet.
Schullehrer 
Diese Gemeine erhielt in diesem Jahr einen neuen Schullehrer und Küster mit Namen W. Regenbogen aus Huckarde gebürtig, mit welchem sowohl diese Gemeine als auch die übrigen Einwohner bis jetzt sehr zufrieden sind. Der alte Schullehrer und Küster, der früher hierselbst auch Gerichtsschreiber beim Gerichte Mengede gewesen war, mit Namen W. Henningfeld, gebürtig aus Recklinghausen, wurde in Ruhestand versetzt und vom H. Erbdrosten Freiherr von Droste Vischering, als seinem Kirchenpatron, mit einer kleinen Pension erfreut. Er hatte jetzt 50 Jahre seinem Amte nach Vermögen vorgestanden.

Kirche
Die römisch katholische Kirche ist ein massiv von Ziegelsteinen erbautes Gebäude, an welcher ein von Holz gebauter Turm mit Spitze und zwei kleinen Glocken sich befindet.

Kirchhof

Um dieselbe herum befindet sich ihr Begräbnisplatz, auf welchem die Leichen gleichfalls jetzt der Reihenfolge nach nebeneinander beerdigt werden.Das in ziemlich gutem Stand sich befindende Pastoratshaus liegt mit einem schönen Garten neben diesem Kirchhofe.

Schulhaus
Mit der Schule und Schulwohnhaus, welche gleich neben dem Pfarrhause liegt, sind in diesem Jahr bedeutende Verbesserungen vorgenommen worden.

Geburten
Sechs eheliche Knaben und 6 eheliche Mädchen und 1 uneheliches Mädchen in Summa also 13 Kinder sind in dieser Gemeine in diesem Jahre geboren.

Sterbefälle
Zwölf starben, nämlich 7 waren männlich und 5 vom weiblichen Geschlechte. 
Hierunter befanden sich:

a

Zwei eheliche Knaben vor vollendetem ersten Jahre


b

1 männlichen Geschlechts zwischen

14 und 20 Jahren

c

1 männlichen Geschlechts zwischen

20 und 25 Jahren

d

1 männlichen Geschlechts zwischen

25 und 30 Jahren

e

1 männlichen Geschlechts zwischen

40 und 45 Jahren

f

1 weiblichen Geschlechts zwischen

45 und 50 Jahren

g

2 weiblichen Geschlechts zwischen

65 und 70 Jahren

h

1 männlichen und 1 weiblichen Geschlechts zwischen

70 und 75 Jahren

i

1 weiblichen Geschlechts zwischen

75 und 80 Jahren

Unglücksfälle
Besondere Unglücksfälle haben sich Gottlob in dieser Gemeine in diesem Jahre nicht ereignet.

Trauungen
Getraut wurden in diesem Jahre in derselben 1 Mann unter 45 Jahren mit einer Frauensperson unter 30 Jahren. Dagegen erhielten aber 3 Männer, die noch unter 45 Jahren waren, jeder eine Frau, die schon über 30 jedoch noch keine 45 Jahr alt waren.

Confirmanden
Confirmiert wurden 8 Knaben und 9 Mädchen in summa: 17.

Krankheiten
In beiden Gemeinen haben in diesem Jahre keine besonderen ansteckenden Krankheiten geherrscht, sondern in beiden Gemeinen starben die meisten an einer langwierigen Krankheit, nämlich von den 31 in beiden Gemeinen gestorbenen sind 16 an einer langwierigen Krankheit verschieden.

Merkwürdigkeiten
Auch in dieser Gemeine hat sich in diesem Jahre weiter nichts Merkwürdiges ereignet.

Witterung
Die Witterung war hierselbst in diesem Sommer sehr trocken, so dass die Sommerfrüchte und Gräser fast vertrockneten und der Wasserkummer, bei allen die nicht in der Nähe der Emscher oder großen Teiche wohnten, sehr groß war.
Mit Mühe nur konnte man das Korn gemahlt erhalten, besonders da auf diese Dürre, eine so strenge Kälte folgte, dass die Gewässer bis auf den Grund zufroren, wo dann die hiesigen Wassermühlen gar nicht mehr mahlen konnten.

Mühlen
Jetzt erkannte man es erst hierselbst dankbar an, wie sehr verdient der Herr Kammerherr Freiherr von Bodelschwingh sich auch aufs neue durch die Erbauung einer sehr schönen Windmühle um unsere Eingesessenen gemacht habe. Diese vortrefflich gemachte Windmühle ging jetzt Tag und Nacht und half so diesem unserem Bedürfnisse in dieser Zeit ab. Doch trat mitunter eine völlige Windstille ein, wodurch dann auch das Mahlen auf dieser Mühle völlig unterbrochen wurde.
Noch bemerke ich, dass die in Deininghausen sich befindende, dem nämlichen Herrn zugehörige Wassermühle, in diesem Jahre gleichfalls in einen brauchbaren Zustand ist versetzt worden.

Ernte
Die Ernte ist hierselbst in diesem Jahre nur höchst mittelmäßig ausgefallen. Das Gras in den Wiesen war sehr sparsam. Die große Hitze hatte hier sehr geschadet und es wurde nur wenig Heu gewonnen. 
Im Durchschnitt wird aus 20 Roggengarben nur ½ Dortmunder Viertel gedroschen. Jedoch aus eben so vielen Weizengarben beinahe ½ Dortmunder Scheffel. Der Hafer war sehr kärglich gewachsen und lieferte sehr wenig Stroh. Jedoch scheffelte das wenig erhaltene Stroh noch ziemlich, so dass man wohl von 20 Hafergarben ½ Berliner Scheffel drosch. Große Bohnen sind so wenig reif geworden, dass die diesjährigen zur nächsten Pflanzung nicht hinreichen werden. Erbsen und Schweinsbohnen waren fast ganz verdorrt und die wenigen die man noch erhielt nicht vollkommen. Jedoch die Schinkebohnen und Kartoffelernte war äußerst ergiebig. Der Raabsamen ist aber hierselbst vorzüglich gewachsen.

Die Kreuzung Am Hohen Teich / Mengeder Straße im alten Mengede. Hier baute die Familie Waldeier nach Abbruch des alten Gebäudes um 1900 ihren „Gasthof Zur Krone“

Mühle zu Ickern
Deshalb war es sehr erwünscht, dass der Herr Oberpräsident Baron von Vincke in diesem Jahre eine neue Ölmühle bei Ickern hatte erbauen lassen. Die kleine, die früher hier gewesen, war nicht nur sehr klein, sondern sie war auch unbrauchbar geworden. Diese neue aber ist mit 2 Feuern und überhaupt nach der neueren, bequemeren und vorteilhafteren Art angelegt. Mit dieser Ölmühle ist eine Lohmühle verbunden. Eine solche, so wie auch eine Schneidemühle, war bisher in der hiesigen ganzen Bürgermeisterei nicht vorhanden. Letztere hat bemeldeter Gutsbesitzer gleichfalls vor wenigen Jahren neu anlegen und dieselben mit der ihm gleichfalls zugehörigen Ickerschen Kornmühle verbinden lassen.

Feuerlöschhausanstalten
Was die Feuerlöschhausanstalten und Gerätschaften betrifft, so haben dieselben bis jetzt den Beifall unseres verehrten Herrn Landrats erhalten. In dem Flecken Mengede befindet sich eine große Feuerspritze nebst neuen Leitern und Haken.
In Brüninghausen, Nette, Groppenbruch und Ellinghausen sind kleinere Spritzen nebst Zubehör. Auf dem adeligen Hause Ickern ist in diesem Jahre, von dem Herrn Besitzer, eine eigene kleine Spritze angeschafft worden. Hierzu kommen dann noch die auf dem adeligen Hause und auch in dem Dorfe Bodelschwingh sich befindenden Spitzen mit Zubehör. Über dem hat jeder Hausbesitzer einen ledernen Feuereimer.

Viehstand
Der Viehstand ist in dieser Gemeine in blühendem Zustand. Die Gutsbesitzer lassen es sich angelegen sein, die Schafzucht zu veredeln. Allgemein aber ist die Klage über Mangel an Abgang jeder Viehart, besonders aber der Pferde und dass das, was noch davon verkauft wurde, zu einem gar zu geringen Preise weggeben werden muss.

Obstbaumzucht
Auch die Obstbaumzucht nimmt hier immer mehr zu, so dass man bei den hiesigen Eingesessenen schon viele Sorten edlen Obstes findet. Diesen Vorteil haben dieselben den hiesigen Gutsbesitzern zu verdanken, in dem diese zum Teil sehr geschickte Gärtner haben, von welchen man junge Obstbäume erhalten und die Art sie zu behandeln und überhaupt die ganze Obstbaumzucht zu lernen, sehr gute Gelegenheit hat.

Gemeinheitsteilungen
Die Gemeinheitsteilungen sind hierselbst incl. in allen Bauerschaften in vollem Gange und die Teilung der sogenannten Mengedischen Heide ist völlig zu Stande gekommen. Die pia corpora beider hiesiger Gemeinen haben ihren Anteil hiervon bekommen.

Mehr von diesem 1822 Jahr zu bemerken finde ich nicht, daher schließe ich mit der Bitte, hiermit gütigst vorlieb zu nehmen.

Tewaag, ev. Pastor
Mengede, den 20. Mai 1823



Dauertermine:

1. Mi i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch  im „Burghof“

1. Fr. i. M.

NCC, Sportklause, 20.00 Uhr, Monatsversammlung

3. Sa. i. M.

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr

2. Fr i. M.

Schützenstammtisch im „Burghof“


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Schauen Sie doch mal rein und Anregungen und Kritik nehmen wir über dieses Medium gerne entgegen.
Impressum:
Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens - Adalmundstr. 16 - 44359 DO (0231-335629)

 
 
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