Heimatblätter

Beiträge und Geschichten aus dem Stadtbezirk Mengede
Herausgegeben vomVerein zur Förderung des Brauchtums und des Heimatgedankens im Stadtbezirk Mengede e. V

Nr. 9 mit
Beilage Nr. 5

Samstag, 10. Juli 2004

3. Jahrgang
Einzelpreis 0,40 Euro


Liebe Leser,

der Heimatverein Mengede kann inzwischen wieder auf eine Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen zurückblicken, die er selbst aufgezogen bzw. denen er durch seine Teilnahme auch seinen Stempel aufgedrückt hat. Das Maibaumfest verlief wie in den vergangenen Jahren problemlos. Und das historische Heimatcafe im Saalbau während des Stadtteilfestes war eine gut besuchte Anlaufstelle für Kuchenfreunde, aber vor allem für an Vergangenheit und Heimatgeschichte Interessierte. Die konnten sich an den alten Fotos von Mengede und den „Memorabilien“ und „Devotionalien“ zahlreicher örtlicher Vereine nicht satt sehen. Welch  großes Interesse der Vergangenheit entgegen gebracht wird, zeigte sich auch an dem guten Besuch des Vortrages von Hanne Hieber über die Amtmann-Schratmüller-Tochter Elisabeth, die im Ersten Weltkrieg in leitender Position für die deutsche Abwehr in der Frankreich-Spionage gearbeitet hat und als „Mademoiselle docteur“ - von Freund und Feind romanhaft und filmisch verklärt - in die Agentengeschichte eingegangen ist. Dass der Heimatverein auch auf andere Weise kulturell wirksam ist, bewies er mit einer weiteren Konzertveranstaltung, die in diesem Jahr von Gesangvereinen aus Westerfilde bestritten wurde. Damit wurde auch einmal mehr deutlich gemacht, dass sich der Heimatverein mit seiner Arbeit nicht nur für das so genannte „alte Mengede“, sondern für den gesamten Stadtbezirk einsetzen will. Wie es weiter geht, das wird sich bereits in nächster Zukunft zeigen.

Bo


„Heimatverein Mengede“
Aus „Verein zur Förderung des Brauchtums und des Heimatgedankens in Dortmund- Mengede“ wurde „Heimatverein Mengede e.V.“ Weiter wurde auf der Jahreshauptversammlung u. a. beschlossen, dass der geschäftsführende Vorstand jetzt aus drei Vorsitzenden sowie einem Geschäftsführer und einem Schatzmeister besteht. Neuer Vorsitzender wurde Paul Gausepohl, dem Helmut Palm und Jürgen Karlshaus als 2. und 3. Vorsitzender zur Seite stehen. Die Geschäftsführung liegt weiter in den Händen von Wilfried Jürgens und für die Kassenführung ist Sabine Surmann verantwortlich. Beisitzer sind Margret Fromme, Dieter Pässler, Willhelm Tackenberg jun., Wolfgang Thomann, Fritz Neuhaus und Walter Klein.


„Windspiel“ am Ortseingang



Windobjekt 
Für Autofahrer, die über die Ellinghauser Straße nach Mengede kommen, ist es ein interessanter Blickfang, das im Kreisverkehr vor der neuen Siedlung „Erdbeerfeld“ aufgestellte rund fünf Meter hohe rot-weiße Windobjekt des Bochumer Künstlers Lutz Kemper, der sein Atelier an der Immermannstraße in Dortmund hat. Fleißige Hände sind in diesen Tagen dabei, das Rondell zu bepflanzen.

Bo



Erinnerung eines alten Schützen


Aus Anlass des Schützenfestes an diesem Wochenende lassen wir hier Herrn Dr. Adolph Herrmann zu Wort kommen.
Als mein Vater an einem schönen Sommertage des Jahres 1895 Schützenkönig von Mengede wurde, lag ich als Baby von drei Monaten in der Wiege, die nicht weit vom früheren Emscherbett und dem Mühlenkolk entfernt stand und in welche die Glocken der alten Remigiuskirche hineinläuteten. Unbekümmert um die Händel dieser Welt und die Geschehnisse an diesem turbulenten Tage in meinem Heimatort verträumte ich mein neues Kronprinzendasein. Erst in späteren Jahren haben die Erzählungen meiner Mutter mir je Tage lebendig werden lassen.
Mein Vater hatte, nachdem der Königsschuss gefallen war, seine eigene junge Frau zur Königin genommen, was zwar ungewöhnlich, aber vielleicht als liebenswerte Huldigung gegenüber der jungen Mutter wohl erklärlich war. Woraus wiederum mit hoher Wahrscheinlichkeit zu entnehmen ist, dass mein Dasein nicht unwesentlich zu der neuen Konstellation auf dem Thron der Schützenkönige von Mengede beigetragen hat. Der Schrecken, der meiner ahnungslosen Mutter in die Glieder fuhr, als ihr mitgeteilt wurde, sie müsse abends um sieben Uhr als neue Schützenkönigin auf dem Königsball erscheinen, wird vermutlich durch den automatisch sich einstellenden Gedanken an ihren Kleiderschrank ausgelöst worden sein. Heute gäbe es da keine Sorgen, seit Mengede ein kleines Modezentrum mit sehenswerten eigenen Modeschauen geworden ist. Aber vor 72 Jahren gab es für große und kleine Evastöchter doch manche Schwierigkeiten. Immerhin – als am Abend das Schützenregiment zum Empfang des neuen Königspaares angetreten war, erschien die junge Königin in einem von der Firma Rose & Co. Auf dem Westhellweg in Dortmund innerhalb von wenigen Stunden gezauberten grünen Seidenkleid, und sie habe, wie mir Zeitgenossen glaubhaft versicherten, mit dem Diadem im braunen Lockenhaar ganz reizend ausgesehen.

60 Jahre nach Joseph Herrmann, fünf Jahre nach der Wiedergründung der Mengeder Schützen, schoss Kurt Moldrings im zweiten Nachkriegsschützenfest 1955 den Vogel ab. Er nahm sich Frau Gerti Geilenbrügge geb. Wiemann zur Königin

Bevor das nächste Schützenfest einen Sommer lang viel Freude und Aufregung ins Dort brachte, bot sich allen Mengedern die einmalige Gelegenheit, einen richtigen König aus der Nahe zu sehen. Das war, als Wilhelm II., König von Preußen und Deutscher Kaiser, ein Jahr vor der Jahrhundertwende nach Dortmund kam, um den Dortmund-Ems-Kanal einzuweihen, der mit seinen 269 km das Ruhrgebiet mit der Nordsee verbinden sollte. Jung und Alt, wer immer Haus und Hof, Laden und Werkstatt verlassen konnte, hatte sich aufgemacht, um das zu erwartende Ereignis mitzuerleben. Von der Kanalbrücke in Schwieringhausen bis zu „Drucks am Kanal“ säumten die Menschen die Ufer und riefen begeistert „Hurra“ als das weiße Schiff mit dem Kaiser und seinem Gefolge in Richtung Hebewerk bei Henrichenburg vorüberzog. Ich war an der Hand meines Vaters zum Kanal marschiert und wurde von ihm auf die Schulter genommen, damit ich das damals noch vergötterte Idol aller Deutschen auch sehen konnte. Wahrscheinlich war es die allgemeine Erregung dieses Tages, die mir das Ereignis als unvergesslich in der Erinnerung eingeprägt hat; ob ich den Kaiser unter den vielen blitzenden Uniformträgern, allen Fingerzeichen zum Trotz, mit meinen Kinderaugen wirklich erkannt habe, möchte ich heute bezweifeln.
Mit dem Schützenfest von 1903 ging die Regierungszeit meiner Eltern zu Ende. Es waren für mich und meine Altersgenossen aufregende Wochen, die diesem erstmals bewusst erlebten Ereignis vorausgingen. Wenn an den Sonntagnachmittagen die Kompanien mit Holzgewehren ins Gelände marschierten, um zu exerzieren, zogen wir mit und wurden nicht müde, auf die Kommandos zu hören und die Gewehrgriffe zu beobachten. Denn für uns gab es damals außen „Räuber und Schanditz“ kein schöneres Spiel als Soldatenspielen. Diese jugendliche Begeisterung fand ihre höchste Befriedigung, als am Samstag vor dem Festsonntag die Militärkapelle eintraf und mit klingendem Spiel ins Dorf marschierte. Mit lautem Bravo – nicht nur von uns Jungen – wurde am folgenden Tage beim großen Festzug eine Gruppe von aktiven Soldaten (Infanteristen und Kavalleristen, Artilleristen und Feuerwerker) bedacht, die für das heimatliche große Fest Urlaub bekommen hatten und nun bei der Parade vor dem Königpaar einen Parademarsch hinlegten, dass das Steinkopfpflaster dröhnte.Am Sonntagmorgen um 12 Uhr brachte die Militärkapelle meinen Eltern ein Ständchen, das tags zuvor angesagt worden war. Vom Frühstück an bis zur Mittagsstunde herrschte in unserer Küche Hochbetrieb.


Als Wilfried Jürgens und Ursula von Schirp geb. Erfmann als Mengeder Schützenpaar antraten, waren bereits 80 Jahre ins Land gegangen.
Da wurden von meiner Mutter und Nachbarsfrauen ungezählt frische Brötchen geschmiert und belegt, in große Waschkörbe gepackt und nach dem Ständchen den Musikern mit Dortmunder Bier frisch vom Fass serviert. Diese hatten Platz genommen in einer Laube aus jungen Birken, die man am Abend zuvor neben dem Haus errichtet hatte. Da habe ich zum ersten Male einen Begriff davon bekommen, was ein rechter Soldatenmagen alles vertilgen kann.
Eine "schöne Bescherung" für die Beteiligten brachte dann der Festzug am Nachmittag. Es war Sitte, dass der Schützenkönig hoch zu Ross neben dem Schützenoberst hinter der Militärkapelle den für die damalige Zeit imposanten Zug anführte. Mein Vater hatte deshalb in den Wochen vorher mit seinen Adjutanten einige "Reitstunden" vereinbart, die in den Emscherwiesen jenseits der Achenbacher Bahn absolviert wurden. Ich durfte bei solchen Übungen zum ersten Male auf einem richtigen Pferd im Sattel sitzen, war dann aber immer froh, wenn ich selber und mein gewichtiger Vater das Exerzitium heil Überstanden hatten. Für den Festzug hatte Hof Vahle meinem Vater ein garantiert lammfrommes Reittier zur Verfügung gestellt. Dieses edle Ross war an dem heißen Julitag morgens bereits mit dem Milchwagen in Dortmund gewesen und sollte nun das königliche Gewicht von weit mehr als zwei Zentnern stundenlang durch die Hitze tragen. Solche Ausbeutung war nicht nach seinem Pferdeverstand: in der Höhe des alten Kriegerdenkmals, gegenüber der heutigen Pelikan Apotheke, streckte es alle viere von sich und zwang die verdutzte Majestät, aus dem Sattel und in das Viergespann zu seiner Frau zu klettern, was von den zahlreichen Zuschauern am Straßenrand mit lautem Jubel quittiert wurde. Mein Vater, dem nicht nur die heiße Sonne, der schwarze Gehrock mit der silberdurchwirkten Schärpe, die weiße Weste und die Königskette, sondern auch der ungewohnte Reitsitz bösen Kummer bereitet hatten, hat mir später gestanden, dass der Rest des Festzuges in der Kutsche der Schützenkönigin nach all den vorhergegangenen Strapazen die schönste Fahrt seines Lebens gewesen sei.
Die Schützenfeste von 19o8 und 1913 offenbarte noch einmal allen Glanz und alle Begeisterung, deren das liebe alte Mengede fähig war, bevor die ruhmreiche, mehr als vierhundertjährige Tradition des Bürgerschützen-Vereins durch zwei furchtbare Kriege jäh für Jahrzehnte unterbrochen wurde. Selbstverständlich hatten sich nach der Jahrhundertwende mit jedem Zeitraum auch die Bevölkerungsstruktur und die Lebensverhältnisse geändert, aber der Kern, Überkommene Sitten und Gebräuche strahlten noch solche faszinierende Kraft aus, dass auch diese beiden Schützenfeste noch als unvergessliche Volksfeste im wahren Sinne des Wortes empfunden wurden.
Mit dem letzten Schützenfest vor dem ersten Weltkrieg war auch meine Generation in das Alter gekommen, dass sie als Nachwuchs für die im Pulverdampf ergrauten Schützenkameraden interessant machte. Von den ersten Ausmärschen und Biwaks im Frühsommer bis in den Herbst hinein (so lange dauerte nach der langen Pause, in welcher das Schützenvereinsleben ruhte, die "Saison") standen wir mit in Reih und Glied oder, wenn das aus irgendeinem Grunde nicht möglich war, nahmen wir sonst wie Anteil an dem fröhlichen Geschehen. Das dreitägige Fest als Höhepunkt des Schützenjahres 1913 wurde auf der großen Weide gegenüber der Wirtschaft Schaarmann gefeiert, da, wo heute der Weg Eckei zum Volksgarten führt, wieder mit Militärmusik, Kirmestrubel und allem Zubehör. Einer meiner Freunde, der sich schon seit mehreren Jahren bei der Großen Armee befindet, liebte in jener Zeit ein hübsches Mädchen mit langen blonden Zöpfen, das am ersten Ballabend bei den Eltern auf dem "Throne" saß und nach den einzelnen Tänzen ahnungslos und reichlich von dem allerseits angebotenen Sekt genoss, bis es von dem Bedürfnis nach frischer Luft in die bereits angebrochene Dunkelheit hinausgetrieben wurde. Besagter Freund suchte lange vergebens nach der Holden, bis er sie endlich gegen Mitternacht, als die Kirmesmusik verstummt war, in tiefem Schlaf unter dem Karussell wieder fand.

100 Jahre mussten vergehen bis sich bei den Mengeder Schützen eine fast revolutionäre Neuheit auftat. Betsy Röder schoss als erste Frau 1996 den Vogel ab und nahm ihren Mann Leonhard Röder zum Prinzgemahl
Ich selbst hatte ebenfalls am zweiten Ballabend das Vergnügen und die Ehre, bei meinen Eltern auf dem "Thron" zu sitzen, was angesichts des schmalen Taschengeldes nicht zu verachten war. Während dieser Zeit brachte der damalige verdienstvolle 1.Vorsitzende des Bürgerschützen?Vereins, der Kaufmann Friedrich Emsinghoff, einen geist- und humorsprühenden Trinkspruch aus auf die anwesenden alten Könige und auf den neuen König. Als die Reihe an König Joseph 1. (1895?1903) kam, meinte der Redner mit vergnügtem Schmunzeln, er habe viel und gern in der Geschichte der deutschen Könige gelesen und von Karl dem Großen bis zu Wilhelm II. manche Eigenart und manches interessante Hobby im Leben dieser Fürsten entdeckt, er habe aber keinen gefunden, der wie Joseph I. imstande und gewillt gewesen wäre, seinen Untertanen höchstpersönlich die Zähne zu ziehen.
Damit schließt sich der Kreis und ich bin wieder am Ausgangspunkt meiner "Erinnerungen" angelangt. Bevor ich sie mit Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Raum beende, möchte ich noch eine Episode berichten, bei welcher ein Königspokal eine große Rolle spielt. Ein ehemaliger Schützenkönig von Mengede besuchte Ende der zwanziger Jahre häufig seinen Sohn in Köln und brachte ihm eines Tages als Erbstück den silbernen Pokal mit, den ihm der Bürger-schützen-Verein bei der Abdankung dediziert hatte.
Es war ein schönes Stück in den Barockformen nach dem Geschmack der Zeit und fasste genau drei Viertel Liter, also den Inhalt einer normalen Weinflasche. Dem Vater zu Ehren lud der Sohn andern Tags seine Kölner Freunde zu einem Umtrunk ein, bei welchem recht herzhaft gezecht, gesungen und erzählt wurde.
Gegen Mitternacht erhob sich der Vater, entnahm einer Vitrine den bereits erwähnten Pokal und füllte ihn bis zum Rande mit gutem Rheingauer, den er besonders liebte. Dann zitierte er Goethes herrliches Gedicht "Der Sänger", hob nach den Versen "Er setzt ihn an, er trank ihn aus - o Trank voll süßer Labe“ den Pokal an den Mund und trank ihn bedächtig in einem Zuge leer. Gelassen in das ehrfürchtige Staunen der Tafelrunde blickend beschloss er die Szene mit den Worten: "So trinken Schützenkönige von Mengede", setzte sich und rauchte die nächste Zigarre.
Als ich kürzlich meinen Kameraden von der 2. Kompanie diese Geschichte erzählte, ahnte ich nicht, was ich damit angerichtet hatte. Kaum eine halbe Stunde später stand der Kompaniechef vor mir, mit einem Königspokal moderner Formung in den Händen, der mit edlem Rüdesheimer gefüllt war. Mit charmanter Geste forderte er mich auf, es jenem alten Schützenkönig gleichzutun. Schmerzlich bedauernd musste der Epigone verzichten: solche Taten werden erst wieder möglich sein, wenn es keine Autos und kein Fernsehen mehr gibt.
Dr. Adolph Hermann



Frühe Nachrichten aus Bodelschwingh und Mengede

Es kommt nicht von ungefähr, dass Ortsgeschichte aus dem frühen 19. Jahrhundert schriftlich fixiert und uns damit auch noch erhalten ist. Einer Anordnung der königlichen Regierung in Arnsberg verdanken wir, dass wir heute noch nachlesen können, was sich z.B. 1822 in unseren Orten ereignete.

Mit der Veröffentlichung des ersten Teiles der Chronik der Gemeinde Mengede setzen wir die kleine Serie fort.

Chronik des Kirchspiels Mengede für das Jahr 1822

Beschreibung des Fleckens Mengede

In den Flecken Mengede, der nebst dem ganzen Kirchsprengel zur Bürgermeisterei Castrop gehört, wo der in ersterem wohnende Herr Bürgermeister Adolph Biggeleben Bürgermeister ist, befindet sind in dem Jahre 1822 eine ev. und eine röm. kath. Kirche, nebst einer zu letzterer gehörigen Capelle auf dem Hause Mengede. Ferner 87 Privathäuser und zwei Mühlen. Nebengebäude sind hierselbst 48, bestehend in Brauräumen, Scheunen, Schuppen und Backhäusern. Die gesamte Zahl der Einwohner macht 606 aus. Die hierselbst vorhandene und aus 11 Personen bestehenden 3 Judenfamilien sind hierunter mitbegriffen

Zu der Gemeine, an welcher 2 Pfarrer

a)       der Herr Friedrich Christian Hausemann, gebürtig aus Mengede
b)       der Unterzeichnende, aus Lennep gebürtig
mit gleichen Einkünften versehen, die Amtsgeschäfte unter sich teilen, gehören:

1.

der Flecken Mengede, an der Emscher, mit

415

ev. Einwohnern

2.

die Bauerschaft Oestrich, worin

90

ev. Einwohner

3.

die Bauerschaft Brüninghausen, worin

152

ev. Einwohner

4.

die Bauerschaft Dingen, worin

95

ev. Einwohner

5.

die Bauerschaft Deininghausen, worin

125

ev. Einwohner

6.

die Bauerschaft Nette, worin

209

ev. Einwohner

7.

die Bauerschaft Westerfilde, worin

94

ev. Einwohner

8.

die Bauerschaft Ickern, worin

216

ev. Einwohner

9.

die Bauerschaft Groppenbruch, worin

132

ev. Einwohner

10.

Die Bauerschaft Schwieringhausen, worin

138

ev. Einwohner

11.

die Bauerschaft Deusen, worin

60

ev. Einwohner

12.

die Bauerschaft Ellinghausen, worin 
sind befinden.

79

ev. Einwohner

13.

das Dorf Bodelschwingh, mit
wovon sich einige wenige zu der hiesigen, die Mehrzahl aber sich zu der ev. Kirche zu Bodelschwingh fallen. Auch in den vorher benannten Orten befinden sich noch einige wenige, die zur ev. Kirche in Bodelschwingh gehören,

255

ev. Einwohnern,


so dass man die gesamte Seelenzahl derer zu der hiesigen Gemeinde Gehörigen, auf

1700

annehmen kann.

Das ev. Kirchen- und Schulgebäude

Die ev. Kirche, die in dem Flecken Mengede sich befindet, ist eine von gehauenen Steinen ausgeführte Kreuzkirche mit einem Turm, in welchem sich ohne die Uhrglocke, drei Glocken befinden.

Früher war dieser Turm mit einer kleinen Spitze, welche ganz mit Blei gedeckt war, geziert. Jetzt ist derselbe bloß mit einer Kappe bedeckt. Weder das Jahr der Erbauung der Kirche, noch der Erbauer derselben sind bekannt. Der Predigtstuhl ist aber später, nämlich 1682 gesetzt worden.

In dem Flecken Mengede selbst befinden sich zwei Pfarrhäuser, das Kirchspiel-Schulhaus mit einer nahe dabei liegenden Kirchspiel-Schule, so wie auch ein kleines Armenhaus. Der ev. Schullehrer hierselbst, der zugleich Organist, Vorsänger und Küster ist, heißt Wessel Diedrich Wunnenberg, aus Ickern gebürtig. Derselbe ist auch in diesem Jahre als Rendant der Kirche und Armen hierselbst angenommen worden. Als solcher wurde ihm pr. Curt. von der Einnahme bewilligt.

Ein Foto aus „alten Tagen“. Das Eckhaus Am Hohen Teich / Mengeder Strasse wurde 1903 abgebrochen und die Familie Waldeier, die sich hier dem Fotografen stellte, errichtet auf dem Grundstück einen Neubau (Gaststätte „Zur Krone“, heute ein chinesisches Restaurant)

Verschönerung und Einfriedigung des Kirchhofes

Der Kirchhof ist in diesem Jahre von der Gemeine dauerhaft und kostbar eingefriedigt und geebnet worden.

Nach dem alle ev. Glieder dieser Gemeine, auf ihre Erbbegräbnisse Verzicht geleistet, so wurde nach dem derselbe geebnet und alle Leichensteine weggeschafft waren, mit dem Begraben nach der Reihe, ohne Unterschied des Standes angefangen. Die Einfriedigung dieses Kirchhofes besteht aus starken Pfosten und Rippen, durch letztere gehen starke und breite Latten und ganz unten wird jeder Pfosten mit dem Nächststehenden, durch ein starkes Brett verbunden. Drei doppelte kleine Tore, jedes mit einem Schlosse versehen, sind angebracht worden. Die Gemeindeglieder bestimmten aus eigenem Antriebe, dass jeder ganze Bauer ein ganzes Gefach dieses Geländers liefern und setzen sollte, welches auch geschehen ist.

Von den weniger Begüterten wurden mehrere zusammengenommen und als dann für einen ganzen Bauern gerechnet, so dass die geringste Klasse diejenige war, die aus acht stimmberechtigten Haushaltungen bestanden und gleich einem ganzen Bauer nur ein ganzes Gefach zu diesem Geländer liefern mussten. Da nun noch eine Menge Eingepfarrter übrig blieben, die keine Gefache hierzu liefern konnten; in dem man nach dem angenommenen Maßstabe, derselben alsdann zu viele würden übrig gehalten haben, so wurde von der Gemeine beschlossen, dass diese, so wie gut denkende Söhne und Töchter aufgefordert werden sollten, durch freiwillige Geldbeiträge, die Kosten des Anstreichens und des nötigen Eisenwerkes und Schlösser zu decken. Nachdem diese Aufforderung geschehen, so wurde derselben mit aller Freude Genüge geleistet. Das hierüber von dem Herrn Prediger Hausemann geführte Verzeichnis weist dieses mit mehrerem nach. Es wurden jetzt die Pfosten und Rippen dieses Geländers weiß, die unteren Bretter und die Latten schwarz, jedoch Letztere oben mit weißer Spitze angestrichen. Innerhalb wurden um den ganzen Kirchhof Pappeln gepflanzt, so wie auch die drei auf demselben sich befindlichen Wege damit bepflanzt worden sind.

Der Herr Pfarrer Hausemann hat sich mit der größten Uneigennützigkeit dieses Werkes angenommen, in dem er sich erboten, wenn dieser Kirchhof zu klein würde, alsdann so viel von seinem an denselben stoßenden Pastoratgarten, ohne alle Schadloshaltung zum Begräbnisplatze dieser Gemeine herzugeben, als nötig sein würde. Überdem hat derselbe auch die Direktion hierüber mit unermüdender Tätigkeit geführt.

Die Glieder des zeitlichen Konsistoriums und seine übrigen Gehilfen bei diesem Werke, die ihm als besonders hierzu Deputierte beigeordnet waren, und sich um dasselbe sehr verdient gemacht haben, müssen auch hier dankbar erwähnt werden.

Ihre Namen sind:

1.        der Kirchmeister J. D. Neuhaus von Ellinghausen
2.        der Kirchmeister H. Westermann genannt Vogel zu Dingen
3.        der Kirchmeister Wulf zu Nette
4.        der Armenvorsteher Schmidt in Groppenbruch
5.        der Armenvorsteher Renkhoff genannt Hildebrandt in Mengede

Ferner die Deputierten

1.        Schulze Meering und der Bäcker Althoff genannt Renkhoff für Mengede
2.        der Colon J. H. Herper für Nette
3.        der Colon Erdelhoff für Westerfilde
4.        der Colon J. W. Dingbauer für Dingen
5.        der Colon J. Dr. Baak genannt Emsinghoff für Östrich
6.        der Colon Brüninghaus für Brüninghausen und Nierhausen
7.        der Colon Spind genannt Tabe für Deininghausen
8.        der Colon J. W. Holthoff und nachher der Colon Fried. Ebbing genannt Brüggemann für Ickern
9.        der J. W. Schulze zu Rödding geb. Schween für Groppenbruch
10.     der Colon Kersen für Schwieringhausen
11.     der Colon Schröder für Ellinghausen
12.     der Colon Joh. Herm. Emschermann für Deusen

Diejenigen namentlich zu nennen die sich geweigert, hiezu etwas beizutragen, da sie es doch aber so gut wie Andere gekonnt hätten, will man aus Schonung unterlassen. Doch ist nur eine geringe Haushaltung bekannt, die das Vermögen hatte, hiezu beizutragen und sich dem ungeachtet, diesen Leistungen gänzlich entzogen hat.

Eine dankbare Anerkennung verdient es, dass der Herr Oberpräsident Baron Vinke aus freiem Antriebe, ohne alle Aufforderung, nicht nur die Güte gehabt hat, die sämtlichen Pappeln, die zur Umpflanzung des Kirchhofes und zur Bepflanzung der drei Wege auf demselben erforderlich waren, unentgeltlich verabfolgen zu lassen, sondern auch überdem noch durch den Herrn Rentmeister Kettler 16 Reichstaler 15 Pfennige zu diesem Behufe hat auszahlen lassen.

Ferner war die Herrschaft des adeligen Hauses Westhausen so gütig, schon Teilnahme an diesem Werke durch ein Geschenk von zwei Krontaler an den Tag zu legen.

Außerdem dass Herr Vogt diese neue Anlage reichlich unterstützte, gaben dessen drei unverheiratete Schwestern freiwillig hiezu noch ein bedeutendes Geschenk.

Auch Herr Brinkmann, Trösken usw. steuerten hiezu, in Betrachtung dass sie mehrere Wohnhäuser hierselbst besaßen, reichlich bei.

Auch erfreute uns die Frau Försterin Nöthe in Deininghausen, deren Ehemann katholisch ist, mit einer freiwilligen und ehrenwerten Gabe.

Die erste Leiche, die der neuen Ordnung gemäß den 20. April dieses Jahres auf diesem Kirchhofe, und zwar erster Hand neben der großen Pforte beerdigt wurde, war der Colon Ebh. Joh. Exter genannt Vogt aus Ickern.

Sterbe- und Geburtenfälle

Überhaupt sind in diesem Jahre 9 vom männlichen und 10 vom weiblichen Geschlechte aus dieser Gemeine hierselbst beerdigt worden. Hierunter befanden sich ein totgeborener ehelicher Knabe und dto. Mädchen. Vor dem vollendeten ersten Jahre, zwei eheliche Knaben; zwischen 20 und 25 Jahren ein junger Mann, zwischen dem 30. und 35. sowie zwischen dem 35. und 40. Jahre und zwischen dem 60. bis 65. Jahre, jedes Mal nur eine Person weiblichen Geschlechts.

Vom 65. bis 70. Jahre aber 2 vom männlichen und drei vom weiblichen Geschlechte, so wie vom 70. bis 75. Jahre eine vom männlichen und drei vom weiblichen Geschlechte. Ein Mann starb zwischen 80 und 85 und ebenso einer zwischen 85 und 90 Jahren.

Dagegen wurden in diesem Jahre geboren, 17 Knaben und 29 Mädchen, in Summa also 46 Kinder. Nur ein unehelicher Knabe befindet sich unter dieser Zahl. Die Bevölkerung dieser Gemeine hat also um 27 Seelen zugenommen.

Unglücksfälle

Unter diesen Leichen befindet sich auch der Zimmermeister J. Eb. Long aus Schwieringhausen welcher in dem Alter von 69 Jahren 3 Monaten und 1 Tage den 21. Juni morgens 9 Uhr, durch einen unglücklichen Fall, von dem Küfer Keinhörster zugehörigen Torgebäude, herabfiel und auf der Stelle tot blieb. Der Küfer Keinhörster hatte nämlich das alte Tor, nebst der daran befindlichen Wohnung vom dem Flecken Mengede gekauft. Hierauf dasselbe abbrechen und von diesem und anderen angekauften altem Bauholze ein neues Tor und Wohnung mit zwei Etagen aufbauen lassen. Da nun gleich nach dem Aufrichten dieses Gebäudes, die 2. Etage desselben dem Einsturze drohte, so war, um Unglücksfälle vorzubeugen, von Polizei wegen, der Abbruch dieser 2. Etage befohlen worden. Bei dieser Arbeit fand nun der erwähnte Zimmermeister seinen Tod und hinterließ eine Witwe, einen majorennen Sohn, ein dto. Tochter nebst noch einen minorennen Sohn.

Mit anderen Unglücksfällen, als Feuersbrunst usw. ist diese Gemeine in diesem Jahr, Gott sei Dank verschont geblieben.

Heirat

In diesem Jahre sind 15 Paar hierselbst getraut worden. Hierunter befanden sich 10 Männer, die die eheliche Verbindung mit Frauen unter 30 Jahre, 2 mit solchen die über 30 und unter 45 Jahren, und einer mit einer Frauensperson über 45 Jahr eingingen. Ein Mann aber, der über 45 Jahre und unter 60 Jahren war, erhielt noch eine Frau die unter 30 Jahre war. Ein Anderer aber von dem nämlichen Alter, war nicht so glücklich, sondern bekam eine Frau, die schon über 30 doch noch keine 45 Jahre alt war.

Confirmanden

Den 16. Mai dieses Jahres wurden in der hiesigen ev. Kirche vom Pfarrer Tewaag 10 Knaben und 25 Mädchen, in summe also 35 confirmiert.

Schule zu Ickern

Die in dem Dorfe Ickern sich befindende ev. Bauerschaftschule, worin Johann H. Dohl, aus dem Kirchspiel Rade vorm Walde gebürtig, als Schullehrer steht, sollte zwar außerhalb des Dorfes verlegt werden, damit mehrere Bauerschaften damit bequemer könnten vereinigt werden. Dieses ist aber bis jetzt nicht geschehen.

(wird fortgesetzt)


Dauertermine:

1. Mi i.M.

19.00 Uhr: Stammtisch  im „Burghof“

1. Fr. i. M.

NCC, Sportklause, 20.00 Uhr, Monatsversammlung

3. Sa. i. M.

BUV-Kleinzeche, von 10.00 bis 16.00 Uhr

2. Fr i. M.

Schützenstammtisch im „Burghof“

Wir sind unter www.heimatverein-mengede.de online!

Schauen Sie doch mal rein und Anregungen und Kritik nehmen wir über dieses Medium gerne entgegen.

Impressum:
Herausgeber: Heimatverein Mengede e.V. - Redaktion: Wilfried Jürgens - Adalmundstr. 16 - 44359 Dortmund (0231-335629)

 
 
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